Ribéry-Doppelpack gegen Schalke Der Wohlfühlspieler reißt es raus

Mit seinen zwei Toren gegen Schalke hat Franck Ribéry die Bayern vor dem Absturz im Meisterschaftsrennen bewahrt und Jupp Heynckes die Trainerdebatte erspart. Der Franzose ist zurzeit der einzige Garant für erfolgreichen Fußball beim Rekordmeister.

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Von Sebastian Winter, München


Franck Ribéry drehte eine lange Ehrenrunde in der Münchner Arena. Er ließ sich für seine beiden Tore in der 35. und 55. Minute feiern, die dem zuletzt so enttäuschenden FC Bayern einen 2:0 (1:0)-Sieg über Schalke 04 bescherten und den Club vom dritten auf den zweiten Platz hievten. Es waren nicht nur die Tore des 28-jährigen Franzosen, die ihm den Zuspruch der Fans brachten: Ribéry war an allen entscheidenden Aktionen beteiligt, setzte seine Mitspieler mit teilweise brillanten Pässen in Szene.

Während Ribéry bei seinem ersten Treffer den erwartungsfroh an der Seitenlinie stehenden Bayern-Trainer Jupp Heynckes abgeklatscht hatte (genau diesen Handschlag hatte er dem Coach bei seiner Auswechslung in Basel verweigert), aber dann das Bad in der Zuschauermenge suchte, blieb er in der 55. Minute auf dem Feld. Und dann passierte etwas, das es lange nicht gegeben hatte bei Bayern-Toren: Zehn Spieler formierten sich auf dem Rasen zum Kreis. In ihrer Mitte verschwand der kleine Ribéry. So harrten sie aus, jubelten und redeten.

Es war der Versuch sich wieder als Einheit zu präsentieren. Doch ein makellos funktionierendes Kollektiv sind die Bayern trotz des Erfolges gegen Schalke nicht. Dazu hatten es ihnen die in der Offensive trotz Raúl und Huntelaar harmlosen und in der Abwehr fahrlässigen "Königsblauen" zu leicht gemacht. Es war zumindest wieder ein Zeichen: "Wir haben so ein Spiel gebraucht, vielleicht ist es der Startschuss für eine Serie", sagte Torwart Manuel Neuer.

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Grafische Analyse: Französischer Wirbelwind, traurige Torjäger
Zunächst machten die Bayern allerdings dort weiter, wo sie in Freiburg und Basel aufgehört hatten: Sie wirkten nach gutem Beginn verunsichert und hatten im Spielaufbau große Probleme. Fehlpässe reihten sich im Dutzend aneinander und es schien sich schnell wieder das Bild der Ansammlung von Individualisten zusammenzufügen, die verzweifelt versuchen, ihre Form aus dem August und September wiederzufinden.

Nach rund einer halben Stunde klatschte Kapitän Philipp Lahm, der für das Länderspiel der DFB-Elf am Mittwoch gegen Frankreich (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wegen einer Schleimbeutelentzündung im rechten Knie ausfallen wird, in die Hände, weil er wieder einmal keine Anspielstation gefunden hatte. Das Knallen hörte man bis auf die Tribüne. Den Weckruf vernahm dann Ribéry, der in den folgenden 20 Minuten die gesamte Schalker Hintermannschaft mit seinem Drang zum Tor aushebelte.

"Das war fast eine Explosion, wie er heute gespielt hat", sagte Bayern-Manager Christian Nerlinger. Und auch eine Initialzündung für seine Kollegen in der Offensive, die Abwehr zu unterstützen. Ribéry schaltete sich oft in den Defensivverbund ein, was den Bayern zuletzt so gefehlt hatte. Als Bayerns Innenverteidiger Jérôme Boateng nach dem Spiel sagte, "Wir haben heute wieder als Mannschaft gespielt und nach vorne und hinten gearbeitet", da meinte er vor allem die Integrationsfigur Ribéry.

Hoeneß zur Robben-Kritik: "Diese ewige Scheißdiskussion"

Heynckes, dem nun vorerst eine Trainerdiskussion erspart bleibt, hatte am Vortag mit seinem sensiblen Star gesprochen. "Franck ist ein Wohlfühlspieler. Er hat das Vertrauen von mir, muss aber auch die Dinge erfüllen, die ich von jedem anderen Spieler auch erwarte."

Das Gespräch hat offenbar gefruchtet. Während Ribéry Heynckes Vertrauen in diesem Spiel zurückgezahlt hat und zurzeit offenbar der einzige Schlüssel ist, den der Rekordmeister hat, um wieder erfolgreichen Fußball zu spielen, ist seinem Gegenüber Arjen Robben erneut nicht sehr viel Gutes gelungen. Bayern-Präsident Uli Hoeneß interpretierte dies sehr eigenwillig: "Wenn wir nicht in den vergangenen Wochen eine Hetzjagd gehabt hätten, dann hätte Arjen Robben sicher zwei, drei Tore gemacht. Diese ewige Scheißdiskussion um Alleinunterhalter oder Egoist hat dazu geführt, dass er jetzt in vielen Situationen den Ball abspielt obwohl er alleine gehen müsste."

Entspannt wirkte Hoeneß nicht. Die Nachricht, dass Dortmund Hannover 96 3:1 bezwungen hat, wird den Präsidenten und seinen Verein nicht glücklicher gemacht haben. Bayern München hat dank Ribéry wieder überzeugt, das schon. Der Rückstand auf die Borussia beträgt jedoch nach wie vor vier Punkte.

Bayern München - FC Schalke 04 2:0 (1:0)
1:0 Ribéry (35.)
2:0 Ribéry (55.)
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Alaba - Robben, Müller (89. Tymoschtschuk), Ribéry - Gomez (72. Olic)
Schalke 04: Hildebrand - Höwedes, Papadopoulos, Metzelder (84. Ushida), Fuchs - Matip (65. Holtby), Höger - Farfán, Raúl, Draxler (56. Obasi) - Huntelaar
Schiedsrichter: Weiner
Zuschauer: 69.000
Gelbe Karten: - / Fuchs, Höger

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Seite 1
smartiebartie 26.02.2012
1. Gute Leistung
"Zunächst machten die Bayern allerdings dort weiter, wo sie in Freiburg und Basel aufgehört hatten: Sie wirkten nach gutem Beginn verunsichert und hatten im Spielaufbau große Probleme. Fehlpässe reihten sich im Dutzend aneinander und es schien sich schnell wieder das Bild der Ansammlung von Individualisten zusammenzufügen, die verzweifelt versuchen, ihre Form aus dem August und September wiederzufinden." Ich glaube der Autor hat ein etwas anderes Spiel gesehen. Natürlich haben es die Schalker heute den Bayern mehr als leicht gemacht. Aber dutzende Fehlpässe, Probleme im Spielaufbau, Ansammlung von Individualisten? Wo konnte man denn das heute auf Seiten des FCB erkennen? Nun ja.. jeder sieht das was er möchte
stefansaa 26.02.2012
2.
immer wieder spannend zu lesen, wie die Bayern jetzt direkt nach einem Sieg wieder in den siebten Himmel gehoben werden. Ribery hatte halt einen guten Tag und hat durch zwei gute Einzelaktionen zwei Tore erzielt. Die Schalker wirkten die ganze Zeit über etwas Platt und bei den Bayern sah es eher danach aus: lasst es uns schnell hinter uns bringen. Müller, Gomez und Robben versemmeln chance um chance und Ribery macht es halt rien. Seis drum. Wenn es nächste Woche bzw. übernächste Woche gegen basel wieder auf den sack gibt, dann ist das geschreie wieder groß.
Barimaan 26.02.2012
3. Na ja
wenn man gute Fussballberichterstattung will, dann muss man anderswo gucken als bei SPON. Einfach alles auf Ribery zu schieben, das ist halt die Oberflächlichkeit der SPON Fussballreporter, die auch noch nie imstande waren, ein Spiel über das offensichtliche hinaus taktisch zu lesen. Ich fand das Bayern-Spiel heute auch wirklich gut, weit weniger statisch, weit mehr gefährliche vertikale Pässe zwischen den Schnittstellen der Schalker Abwehr in die Tiefe als zuletzt, weit mehr Rotation zwischen Müller, Rib und Rob, was ich als ausdrückliche Anweisung von Heynckes vermute (weswegen er Kroos auch rausgenommen hat, um drei nominelle Außenstürmer mit drang zum Zentrum zu haben und eben diese Rotation zu ermöglichen). Das ist sehr gut gelungen, Müller hat ein sehr gutes Spiel gemacht, war immer anspielbar, und auch Robben hat viel mehr Gefahr ausgestrahlt als zuletzt. Er ist sicher immer noch nicht da, wo er war, aber es war deutlich besser als in Basel. Einzig Gomez war heute eine echt riesige Enttäuschung. Der war nie zur Stelle, hätte schon mehrmals abstauben können und immer den Ball verheddert. Er ist der einzige, der wirklich in einem Formtief steckt. Aber jetzt kommt ja die Löw'sche Reha-Station, da wird er am Donnerstag sicher wieder erstarkt nach Hause fahren.. :-)
Münchner-Kindl 27.02.2012
4.
Ich bin zwar Bayernfan aber ich denke ich kann einigermaßen objektiv urteilen. Dutzende Fehlpässe usw habe ich auch nicht erkennen können also keine Ahnung wann die gewesen sein sollen.
Mitch 27.02.2012
5. Richtig
Zitat von smartiebartie"Zunächst machten die Bayern allerdings dort weiter, wo sie in Freiburg und Basel aufgehört hatten: Sie wirkten nach gutem Beginn verunsichert und hatten im Spielaufbau große Probleme. Fehlpässe reihten sich im Dutzend aneinander und es schien sich schnell wieder das Bild der Ansammlung von Individualisten zusammenzufügen, die verzweifelt versuchen, ihre Form aus dem August und September wiederzufinden." Ich glaube der Autor hat ein etwas anderes Spiel gesehen. Natürlich haben es die Schalker heute den Bayern mehr als leicht gemacht. Aber dutzende Fehlpässe, Probleme im Spielaufbau, Ansammlung von Individualisten? Wo konnte man denn das heute auf Seiten des FCB erkennen? Nun ja.. jeder sieht das was er möchte
Genau das wollte ich auch gerade schreiben. Bis auf einige wenige Minuten Mitte der ersten Halbzeit war das spielerisch recht gut. Frappierend war eigentlich nur die schlechte Chancenverwertung. Müller und Gomez (und Badstuber) agierten vor dem Tor sehr unglücklich.
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