Wahl zu Europas Fußballer des Jahres Messi hat es verdient - Ribéry muss es werden

In Monaco wird am Abend Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Zur Wahl stehen Lionel Messi, Franck Ribéry und Cristiano Ronaldo. Peter Ahrens plädiert für Barcelonas Messi. Birger Hamann meint: Bayerns Ribéry muss es werden. Das Pro & Contra.
Wahl zu Europas Fußballer des Jahres: Messi hat es verdient - Ribéry muss es werden

Wahl zu Europas Fußballer des Jahres: Messi hat es verdient - Ribéry muss es werden

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

"Messi hat es verdient"

Von Peter Ahrens

Für Uli Hoeneß steht der Sieger sowieso schon fest. Es könne nur Franck Ribéry sein, es gebe "sportlich überhaupt keine Gründe, Franck nicht zu wählen - wenn, dann können das nur politische sein". Da irrt der Bayern-Präsident. Ein sportlicher Grund wäre da doch: Es gibt einen Besseren. Lionel Messi muss Europas Fußballer des Jahres werden.

Messi - wie langweilig. Immer wieder dieser Messi. Genau. Immer wieder Messi. Nur weil er in den vergangenen Jahren bereits der Beste weltweit war, weil er viermal nacheinander die Trophäe des Weltfußballs erhalten hat, soll er in diesem Jahr nicht bedacht werden? Das wären exakt jene politischen Gründe, die Hoeneß ins Feld führt.

Man muss sogar sagen: Gerade in diesem Jahr hätte er es verdient. Ein Jahr, in dem der FC Barcelona auf europäischer Ebene nicht wie gewohnt dominierte, vom FC Bayern in der Champions League gar vorgeführt wurde. Gerade in einem solchen Jahr strahlt der Glanz Lionel Messis besonders.

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Europas Fußballer des Jahres: Es kann nur einen geben

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Der FC Barcelona, dieses Team, das seinen sportlichen Zenit überschritten zu haben schien, wurde in dieser Saison dennoch spanischer Meister mit beeindruckenden 100 Punkten, 15 Zähler vor Real Madrid, mit 32 Siegen aus 38 Spielen. Und das hat diese Mannschaft mehr als in den Vorjahren Messi zu verdanken. Der 26-Jährige erzielte 46 Treffer - in einer einzigen Spielzeit. Das ist, und dafür gibt es kein anderes Wort, sensationell. Einmalig.

Nur eine Gelbe Karte in der gesamten Saison

14-mal traf er in einer Liga-Partie zweifach, gegen La Coruña dreifach. Gegen Osasuna schnürte er einen Viererpack. Das Kalenderjahr 2012 schloss er mit 91 Pflichtspieltoren ab. 91! Nie war Messi treffsicherer als in den vergangenen zwei Jahren, nie effektiver als in dem Zeitraum, der jetzt zur Wahl steht. Wer sollte ihm ernsthaft die Trophäe verweigern?

Dazu kommt, und das nur als Fußnote: Er kassierte in der gesamten Saison nur eine einzige Gelbe Karte. Messi ist nicht nur der überragende Fußballer in Europa, er ist auch noch ein fairer Sportsmann. Einer, der sich im Griff hat, obwohl ihn alle Verteidiger dieser Welt mit sämtlichen Mitteln jagen - auch dies ist ein schöner Gruß an einen der zwei Mitbewerber um die Europa-Trophäe.

Ach, ja, und die Demütigung durch die Bayern, das direkte Aufeinandertreffen mit seinem Kontrahenten Ribéry: Im Hinspiel schleppte sich ein sichtlich verletzter Messi über den Platz, im Rückspiel fehlte er komplett und saß nur auf der Bank. Das Duell machte vielmehr eines deutlich: Franck Ribéry ragt in einem beeindruckend spielenden Ensemble noch ein Stück heraus. Aber der FC Barcelona war noch nie so der FC Messi wie in der Vorsaison.

Lionel Messi hat die Trophäe verdient.

"Ribéry muss es werden"

Von Birger Hamann

Der beste Fußballer Europas? Keine Frage, Lionel Messi. Aber um die Beantwortung dieser Frage geht es überhaupt nicht. In Monaco soll der beste Fußballer der Saison 2012/2013 ausgezeichnet werden. Die Wahl heißt nicht "Bester Fußballer Europas", sondern "Europas Fußballer des Jahres". Daher kann nur Franck Ribéry diese Trophäe erhalten.

Die Messi-Befürworter werden an dieser Stelle wieder mit Zahlen um die Ecke kommen. 46 Tore für den FC Barcelona in der spanischen Liga, acht in der Champions League, ja, ja, sensationell. Ribéry? Nur zehn Tore für den FC Bayern in der Bundesliga und gerade mal einen Treffer in der Champions League. Das belegt, dass Messi deutlich torgefährlicher ist, mehr aber auch nicht. Und natürlich ist er das, er spielt im Sturm, Ribéry im Mittelfeld.

Ribéry macht die Mannschaft besser

Es gibt aber noch andere Zahlen. 15 Torvorlagen in der Bundesliga, fünf in der Champions League, auch das weist die Statistik für Ribéry aus. Messi bekommt die Tore aufgelegt, die Mannschaft macht ihn besser. Ribéry legt die Tore auf, er macht die Mannschaft besser. Und manchmal trifft er sogar noch selbst.

Nimmt man allein die Tore der vergangenen Saison, würde es hier auch gar nicht um Ribéry gehen. Dann müsste neben Messi und Cristiano Ronaldo, der für Real Madrid 34-mal in der Liga und zwölfmal in der Champions League getroffen hat, noch Dortmunds Robert Lewandowski, 24 Bundesliga- und zehn Champions-League-Treffer, in Monaco zur Wahl stehen.

Tore allein machen einen Spieler aber noch nicht zu Europas Fußballer des Jahres, höchstens zu Europas Torschützen des Jahres. Tore dienen in einem Mannschaftssport keinem Selbstzweck. Noch so viele Treffer bringen schließlich nichts, wenn dabei keine Titel herausspringen. Barcelona wurde nur spanischer Meister, Real und der BVB holten gar nichts, der FC Bayern aber gewann das Triple - vor allem dank Ribéry.

Als Beleg soll nur das Finale der Champions League dienen. Wer zog drei Dortmunder auf sich und spielte vorzüglich Arjen Robben frei, der so in aller Ruhe für Mario Mandzukic auflegen konnte? Und wer passte kurz vor Schluss per Hacke (!) auf Robben, der den 2:1-Siegtreffer erzielte? Richtig.

Franck Ribéry ist nicht der beste Fußballer Europas, schon gar nicht der torgefährlichste - aber er war der beste in der vergangenen Saison.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Messi habe vergangene Saison keine Tor-Vorlagen gegeben. Das ist falsch, wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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