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Derby KSC - Stuttgart: Viel Rauch um wenig

Foto: Uli Deck/ dpa

Risikospiel Karlsruhe - Stuttgart Derbyopfer Fritzle

Beim Zweitligaspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart blieben die befürchteten Ausschreitungen aus. Vielleicht, weil das Derby sportlich zu einseitig verlief. Nur ein Maskottchen musste leiden.

Um 17 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit fuhren ein paar Dutzend Einsatzfahrzeuge der Polizei vom Karlsruher Wildparkstadion aus Richtung Westen. Ohne Blaulicht, in vorgeschriebener Geschwindigkeit und mit Fahrern, denen man ansah, dass sie froh waren, pünktlich zum "Tatort" zu Hause zu sein. Der Arbeitstag von rund 2000 Ordnern und Polizisten beim Südwestderby zwischen dem KSC und dem VfB Stuttgart (1:3) war letztlich viel harmloser abgelaufen als zu befürchten war.

Ein Sprecher der Karlsruher Polizei bilanzierte am Abend, es habe vier Festnahmen und acht Ingewahrsamnahmen gegeben. Wegen "Verstößen gegen das Sprengstoff-, das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz, wegen Mitführens von Vermummungsmaterial, aber auch wegen versuchter Körperverletzung und Beleidigung zum Nachteil von Polizeibeamten". Außerdem gingen offenbar zwei Scheiben an Shuttlebussen zu Bruch, die einen Teil der gut 3000 Stuttgarter Fans von den Bahnhöfen in die Gästekurve brachten.

Zwölf festgesetzte Fans, zwei kaputte Scheiben, Böller beim Fanmarsch der Karlsruher, Böller und Pyro im Gästeblock. Das ist für ein Zweitligaspiel zwar nicht unerheblich. Aber verglichen mit dem, was bei diesem Derby zu befürchten war, ist es: fast nichts.

Alles nur leere Drohungen?

Damit hatten diejenigen Recht behalten, die schon vor Tagen prophezeit hatten, dass es sich bei den Drohungen, die zwischen Stuttgart und Karlsruhe hin- und hergejagt worden waren, letztlich nur um das übliche Gepose handeln würde, mit dem auch Spiele wie Dortmund gegen Schalke oder Bremen gegen HSV angetrailert werden wie der jeweils neueste Thriller.

Als ob ein Derby nicht schon per se ein Thriller wäre. Ein echtes Derby zumindest, also eines, das von allen Zuschauern und nicht nur von den Marketingabteilungen der Vereine als DAS Spiel schlechthin gesehen wird, ein besonderes Spiel, eines, bei dem jeder Fan früher auf den Beinen zu sein scheint. Eines, bei dem jeder Fan und jeder Spieler schon beim Anpfiff hellwach ist, weil es gegen den einzigen von 17 Vereinen geht, gegen den man wirklich nicht verlieren darf.

In solchen Begegnungen bilden Spieler und Mannschaft im Idealfall eine Einheit. Nicht, weil die Spieler, die schon morgen woanders spielen können, nun zu Idolen geworden wären. Sondern weil sie das Vehikel sind, mit dem man seinen Nachbarn oder Arbeitskollegen ein halbes Jahr aufziehen kann, wenn die eigene Mannschaft gewinnt. Genau so ein Spiel war es, das am Sonntag im Wildparkstadion angepfiffen wurde.

Keine "Unwägbarkeiten im Spielverlauf"

"Wir auf den Rängen und ihr auf dem Rasen - das Schlachtfeld heute als Sieger verlassen", hatten zuvor die KSC-Fans auf einem Transparent gefordert, das sich über die ganze Gegengerade spannte. Und aus der Gästekurve ertönte die Antwort in Form von Böllern und roten Nebelschwaden. Und dann begann das 45. Derby, als erstes württembergisch-badisches Duell, das nicht in der ersten Liga stattfand. Und in dem man schon sehr deutlich sah, welches Team der Aufstiegsaspirant und welches das Team war, das wohl noch lange gegen den Abstieg spielen wird. Was natürlich auch am mehr als doppelt so großen Etat des VfB liegt.

So ein einseitiges Spiel wird auf den Rängen anders wahrgenommen als eines, das in der 93. Minute durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters entschieden wird. Die "Unwägbarkeiten aus dem Spielverlauf", vor denen der Karlsruher Polizei so gegraut hatte, die blieben jedenfalls aus.

Was auf dem Platz passierte, spielte den rund 1400 Polizisten und 600 Ordnern also ganz gut in die Karten. Und da offenbar auch längst nicht jeder gewaltgeneigte Fußballfan aus anderen (Bundes-)Ländern angereist war, der vorher sein Erscheinen beim Spiel der Spiele angekündigt hatte, blieb der Fanmarsch zum Stadion das lohnendste Filmobjekt für all die Kameras, die aus den Hauptstädten der Republik ins Badische gekommen waren.

Rund 1000 Fans, gut ein Drittel davon in den ersten Reihen vermummt, die mit viel Getöse zum Stadion marschieren und dort das Stuttgarter Maskottchen "Fritzle" verbrennen. Bedenklich war das vor allem ökologisch: Wer sah, wie viel stinkenden Rauch das bisschen Plüsch hervorbringt, fürchtet nichts mehr als den Brand in einem Spielzeugladen.