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04. August 2010, 15:40 Uhr

Robben-Physiotherapeut

"Er kann ganz normal Fußball spielen"

Der "Wunderheiler" wehrt sich: Arjen Robbens Physiotherapeut Dick van Toorn hat die von Münchner Ärzten diagnostizierte Verletzung des Star-Stürmers angezweifelt. Er vermutet einen anderen Hintergrund - und ist überzeugt, der Bayern-Profi könne spielen.

Hamburg - Diese kritischen Worte werden Bayern München gar nicht gefallen: Physiotherapeut Dick van Toorn hat in Frage gestellt, ob Arjen Robben tatsächlich eine so schwere Verletzung hat, dass dieser nicht spielen kann. Van Toorn hatte Robben vor der WM wegen eines Muskelfaserrisses behandelt. "Am Sonntag schrieb Arjen mir, dass er fit sei und keinen Schmerz fühle", sagte van Toorn der niederländischen Tageszeitung "Algemeen Dagblad". "Ich finde es seltsam, dass der Spieler eine neue Muskelverletzung haben soll."

Bayern-Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte im Anschluss an Robbens Rückkehr nach München bei diesem einen Muskelriss diagnostiziert, den er auf einen kurz vor der WM erlittenen Muskelfaserriss zurückführte. Das bezweifelt nun van Toorn. "Meiner Meinung nach ist der Muskelfaserriss, den die Ärzte von Bayern München gefunden haben, eine alte Verletzung oder eine Narbe", so van Toorn, der Robben obendrein auch Spielfähigkeit attestierte: "Er kann damit ganz normal Fußball spielen."

Der Physiotherapeut hatte Robben nach dem Muskelfaserriss für die WM in Südafrika fitgemacht. Nach der Verletzung am 5. Juni war Robben bereits am 24. Juni bei der WM wieder zum Einsatz gekommen. Van Toorn haftet der Ruf eines "Wunderheilers" an, der mit unkonventionellen Methoden arbeitet. Robben wurde laut eigener Aussage mit einer "aggressiven Behandlung" fit gemacht. Was er mit dieser aggressiven Behandlung meinte, ließ er offen.

"Ich habe Robben mit Erfolg behandelt"

Vom positiven Wirken seiner Behandlungsmethoden ist van Toorn überzeugt. "Ich habe Robben meiner Meinung nach mit Erfolg behandelt. Er hat in Südafrika viel gespielt, selbst das Finale. Mit etwas mehr Glück schießt er Oranje zum Welttitel", sagte van Toorn dem "Algemeen Dagblad". "Und nun, einen Monat später, sagt van Gaal, dass er das nicht verstehen kann? Was soll ich denn damit anfangen? Robben war in Südafrika fit, er spielte auf seinem allerhöchsten Niveau - und damit ist es gut."

Nach Angaben der Bayern fällt der niederländische Angreifer für mindestens zwei Monate aus. Müller-Wohlfahrt sprach von einer "erheblichen Verletzung" und kritisierte: "Ich finde es unverantwortlich, dass man diese Verletzung nicht genauer diagnostiziert und Arjen hat spielen lassen. Ich hatte von meiner Seite aus mehrfach diagnostische Hilfe angeboten, diese wurde aber nicht in Anspruch genommen."

Dem widerspricht allerdings der Arzt des niederländischen Verbandes KNVB. "Robben ist gründlich untersucht worden, nachdem er sich die Verletzung zugezogen hat. Die Bayern sind über die Ergebnisse der MRI und der Ultraschall-Untersuchung informiert worden. Auch die Reha-Pläne wurden mit dem Bayern-Arzt besprochen", sagte Gert-Jan Goudswaard. Robben verpasst damit auch den Auftakt in der Champions League (14. September).

jar/sid

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