Robben-Verletzung Van Marwijk pestet gegen den FC Bayern

Harsche Worte aus Holland: Der Streit zwischen dem FC Bayern und dem niederländischen Verband ist neu entfacht. Wegen der Verletzung von Arjen Robben bezeichnete Bondscoach Bert van Marwijk das Verhalten der Münchner als "asozial". Er will sogar ein Testspiel gegen den FCB streichen lassen.
Bondscoach van Marwijk: "Da wird man verrückt, das ist beinahe asozial"

Bondscoach van Marwijk: "Da wird man verrückt, das ist beinahe asozial"

Foto: Victor R. Caivano/ AP

Hamburg - Der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk hat nach der erneuten Verletzung von Arjen Robben schwere Vorwürfe gegen dessen Club Bayern München erhoben. "Jetzt schieben sie uns Arjens Leistenbruch in die Schuhe, anstatt uns dankbar zu sein, dass wir ihn noch einmal gründlich untersucht haben lassen. Da wird man verrückt, das ist beinahe asozial", ätzte van Marwijk nach dem 1:0-Erfolg seines Teams in der EM-Qualifikation gegen Moldawien am Freitagabend in Rotterdam.

Der frühere Bundesliga-Coach von Borussia Dortmund attackierte die Münchner wegen des Umgangs mit Robben, der am Freitag an der Leiste operiert worden war. "Schon bei der Einladung für die Spiele gegen Moldawien und Schweden hatte Arjen mir gesagt, dass er nicht richtig fit sei. Robben erzählte uns, dass er sich schon bei Bayern mit Schmerzen eine Stunde warmgelaufen habe", sagte van Marwijk dem niederländischen Hörfunksender Radio 1.

Laut van Marwijk ist Bayern-Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt von Robbens Untersuchung informiert gewesen. "Bei uns ist es üblich, dass alle Spieler, die angeben, ein Gesundheitsproblem haben, vor Lehrgangsbeginn untersucht werden. Deshalb haben wir Arjen von unserem Arzt am Montagmorgen untersuchen lassen. Unser Doktor Gert-Jan Goudswaart hatte Zweifel an der Diagnose Schambeinentzündung. So war er nicht überrascht, als er den Leistenbruch feststellte", sagte van Marwijk.

Ärger van Marwijks wegen einer Pressemitteilung des FC Bayern

Die heftige Reaktion des Bondscoaches auf Robbens OP ist umso überraschender, da Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge den niederländischen Verband zuvor ausnahmsweise einmal gelobt hatte. Stritten die Münchner und Holländer im vergangenen Jahr noch heftig wegen einer Robben-Verletzung, waren die Bayern dieses Mal glücklich, dass ihr Star-Spieler vorzeitig von der Länderspielreise zurückgekehrt war. Rummenigge würdigte in diesem Zusammenhang die "große Sensibilität" des niederländischen Verbandes.

Van Marwijks Ärger fußt hingegen auf einer Pressemitteilung der Münchner, in der Bayerns Vereinsarzt Müller-Wohlfahrt mit den Worten zitiert wird: "Auf dem Boden einer Schambeinentzündung hat sich in den vergangenen Tagen eine weiche Leiste entwickelt. Diese weiche Leiste wurde heute Morgen in der Münchner Maria-Theresia-Klinik von Prof. Dr. Dr. Tomas Hoffmann erfolgreich operiert."

Der Bondscoach bemängelte, durch diese Formulierung sei der Eindruck entstanden, die Verletzung sei während Robbens Aufenthalt bei Oranje schlimmer geworden. "Die Bayern sollten froh sein, dass wir die Verletzung entdeckt haben", sagte van Marwijk. Er betonte, bei dieser Meinung bleiben zu wollen, auch "falls mich dies meinen Job kostet". Eine Reaktion des FC Bayern auf die harschen Worte van Marwijks gab es zunächst nicht.

Um das "Kriegsbeil" öffentlich zu begraben, hatten beide Seiten nach dem Streit vergangenen Sommer für den 22. Mai 2012 ein Freundschaftsspiel in München vereinbart, dass der Elftal zur Vorbereitung auf die EM dienen sollte. "Auf dieses Spiel habe ich nun nicht mehr viel Appetit", sagte van Marwijk: "Zwar entscheide nicht ich diese Frage. Aber ich muss überlegen, ob ich eine Streichung dieses Spiels anrege."

Der niederländische Fußballverband reagierte prompt und pfiff seinen Nationaltrainer zurück: "Ich verstehe diese Emotionen, die nach einem Spiel entstehen", sagte Verbandschef Bert van Oostveen: "Wir haben mit Bayern München eine Absprache. Der KNVB akzeptiert diese Absprachen. Das heißt, dass wir wie geplant gegen Bayern spielen werden. Darüber gibt es keine Diskussion."

ham/sid
Mehr lesen über Verwandte Artikel