Danial Montazeri

Wechselverbot für Lewandowski Das kann nicht Hoeneß' Ernst sein

Robert Lewandowski will die Bayern verlassen. Klubboss Uli Hoeneß will das verbieten. Dabei wäre ein Wechsel das Beste, was den Münchnern passieren kann.
Robert Lewandowski

Robert Lewandowski

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Es scheint, als wolle Uli Hoeneß ein Exempel statuieren. Robert Lewandowski möchte den FC Bayern verlassen, mittlerweile habe sein Berater den Wechselwunsch auch offiziell bei Präsident Hoeneß hinterlegt, so die "Sport Bild". Hoeneß aber will davon nichts wissen. Erst vor einer Woche sagte er dem "Kicker", man werde "der Fußballwelt beweisen, dass der Verein noch immer der Stärkere ist".

Was für ein Fehler. Lewandowski gehen zu lassen, wäre keineswegs das Eingeständnis der eigenen Schwäche. Es wäre, wenn die Modalitäten für den Transfer stimmten, vor allem eines: vernünftig.

Lewandowski ist ein herausragender Fußballer. Bei den Münchnern war er in 195 Pflichtspielen an 186 Toren beteiligt (151 Treffer, 35 Vorlagen), ein unglaublicher Wert. Es ist auch nicht so, dass Lewandowski abbaute. In dieser Saison erzielte er 41 Tore in 48 Pflichtspielen, davor waren es 43 in 47 und 42 in 51 Partien. Lewandowski liefert.

In jeder dieser Spielzeiten wurden die Bayern Meister. Sie wurden es aber auch schon, ehe der Pole 2014 aus Dortmund nach München wechselte. Und sie werden auch ohne ihn Titel feiern.

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Meister zu werden ist das eine. In München sehnt man sich nach dem Champions-League-Titel, den der Klub zuletzt 2013 gewann. Lewandowski stand damals in der Startelf, allerdings beim Gegner. Für Bayern stürmte Mario Mandzukic.

Lewandowskis Qualitäten sind unbestritten. Nur ist er eben kein Angreifer, der dem FC Bayern den Champions-League-Sieg garantiert. Er gehört nicht zur absoluten Weltspitze auf seiner Position. Stürmer dieser Kategorie kosten mehr als 200 Millionen Euro.

Hüter der Werte

Lewandowski ist 29 Jahre alt, zum Saisonstart wird er 30 sein. Sollte das, was sein Berater der "Sport Bild" sagte, stimmen, nämlich, dass mehrere Top-Klubs aus Europa Interesse an seinem Klienten haben, wäre das ein Glücksfall für die Bayern. Angeblich sei etwa Chelsea bereit zu einem Tauschgeschäft, Lewandowski nach London, dafür Stürmer Álvaro Morata, 25, nach München.

Der Wahrheitsgehalt des Gerüchts sei dahingestellt. Das Gedankenspiel aber verdeutlicht, dass sich dem FC Bayern auch die Chance böte, einen sehr guten älteren Spieler durch einen potenziell sehr guten jüngeren zu ersetzen. Das ist den Münchnern zuletzt nicht immer gelungen. Kein Bundesligist hatte in der vergangenen Saison einen älteren Kader als Bayern.

Und dann ist da noch ein zweiter Aspekt: Manch Verantwortlicher im Klub klingt so, als handle Bayern nicht nur im eigenen Sinne, sondern auch als eine Art Hüter der Werte.

Verträge sind da, um gebrochen zu werden

Erst im Winter 2016 hat Lewandowski seinen Vertrag bis 2021 verlängert. Das heißt aber nicht, dass er diesen auch zu erfüllen hat. Wer kritisiert, Verträge seien im Profifußball nichts mehr wert, verkennt, dass diese aus Vereinssicht vor allem eines garantieren: eine Ablösesumme.

Als im vergangenen Sommer Ousmane Dembélé von Dortmund seinen Wechsel nach Barcelona erzwingen wollte, wurde er als Schurke dargestellt. Dabei war der BVB mit einer Ablöse von garantierten 105 Millionen Euro ein Gewinner des Deals. Dembélé war ein Jahr zuvor für nur 15 Millionen Euro nach Dortmund gewechselt. Lewandowski kostete den FC Bayern übrigens gar keine Ablöse.

Wer weiß, vielleicht taktiert Hoeneß nur, wenn er sagt, Lewandowski dürfe nicht wechseln. Vielleicht soll allein sein Preis in die Höhe getrieben werden. Das ist zwar nicht die einzige Deutung. Aus Bayern-Sicht wäre es aber wohl die beste.

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