Peter Ahrens

Lewandowski vor Bundesliga-Torrekord Herzenssache 39

Peter Ahrens
Ein Kommentar von Peter Ahrens
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Alles erwartet, dass Robert Lewandowski den Uralt-Torrekord von Gerd Müller in den letzten zwei Saisonspielen bricht. Aber was wäre, wenn er darauf freiwillig verzichtet? Undenkbar, oder?
Fußball-Legende Gerd Müller

Fußball-Legende Gerd Müller

Foto: dpa

Am vergangenen Wochenende, als Robert Lewandowski mal wieder ein Tor nach dem anderen erzielte und sich Treffer für Treffer an den Ewig-Saisonrekord von Gerd Müller heranrobbte, entspann sich bei Twitter eine kleine Debatte. Aufgekommen durch die Frage, was eigentlich wäre, wenn der Torjäger des FC Bayern seine Tätigkeit zwei Spieltage vor Schluss freiwillig einstellen würde.

Lewandowski hat nach 32 Spieltagen sagenhafte 39 Treffer erzielt. Eine solche Marke hat bislang in all den Bundesligajahrzehnten nur einer geschafft: der große, der unerreichte, der einzigartige Gerd Müller, der in der Spielzeit 1971/1972 40 Mal für die Bayern getroffen hat. Es ist ein Rekord, der über viele Jahre so weit weg war, dass man gar nicht erst darüber nachgedacht hat, was passieren würde, wenn diese Bestmarke mal in Gefahr geriete. Dann kam Lewandowski.

Es sind noch zwei Partien für den FC Bayern zu absolvieren, gegen den SC Freiburg am Samstag und am 34. Spieltag gegen den FC Augsburg. Der FC Bayern hat alle seine Saisonziele schon erreicht oder notgedrungen abgehakt, zuletzt ging es bei der Mannschaft und in den Medien nur noch um eines: Bricht Lewandowski den Rekord? Und wenn er fit ist, gibt es eigentlich niemanden, der daran zweifelt, dass ihm das noch gelingt. Im Zweifelsfall schießt er einen Handelfmeter ins Tor.

Der 39-Tore-Mann Robert Lewandowski

Der 39-Tore-Mann Robert Lewandowski

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Und genau an dieser Stelle nun dieser Gedanke, mehr noch ein Widerhaken – wie wäre das, wenn Lewandowski an dieser Stelle sagen würde:

Ich verzichte freiwillig auf die Bestmarke. Um mich vor dem größten Torjäger, den dieser Verein, für den auch ich spielen darf, je hatte, zu verneigen. Ich bin Weltfußballer, ich bin der Torjäger Europas, ich bin Deutschlands Fußballer des Jahres, ich habe die Champions League gewonnen. Diesen einen Rekord, den überlasse ich Gerd Müller. Weil es Gerd Müller ist. Weil der FC Bayern nie der Verein wäre, der er geworden ist, ohne Gerd Müller.

Weil es die kühnste, die größte Art wäre, diesen Torjäger zu ehren. Und wenn es nur darum geht, diesen Handelfmeter dann einen Teamkollegen schießen zu lassen.

Ein unerhörter Gedanke, vielleicht auch ein absurder. Er widerspricht so ziemlich allem, was den Spitzenfußball ausmacht. Diese Gier nach immer neuen Siegen, Erfolgen, dieses Immer-mehr.

Aber wenn es eine Zeit gibt, diesen Gedanken mal auszusprechen, dann jetzt. In dieser Zeit, in der der Fußball noch nie so oft von Demut, von Respekt gesprochen hat. Keine Corona-Sonntagsrede von Fußballfunktionären und Spielern, in der das nicht vorgekommen ist.

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Bei Twitter wurde als Gegenargument gebracht, so etwas sei kein Zeichen von Größe, sondern von Selbstverzwergung. Es mag sein. Aber Selbstverzwergung, ist das nicht unter Umständen einfach ein anderes Wort für Demut?

Ein freiwilliger Verzicht auf den Rekord, zugunsten des Andenkens an das Bayern-Denkmal Gerd Müller – das würde Robert Lewandowski bei den Fans in München unsterblich machen. Das wäre eine Geschichte, die man noch in 50 Jahren erzählt. Das andere ist erst einmal nur eine Zahl.

Wie gesagt: Es ist nur ein Gedanke. Es wird nicht so kommen. Aber es wäre was fürs Herz.