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Fotostrecke: Der Geldgeber hinter den Kulissen

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Dreyfus und die WM 2006 Der gute reiche Freund

Er war die zentrale Figur beim mutmaßlichen Kauf der WM 2006: Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus war einer der einflussreichsten Manager des internationalen Sports. Fußball und Geld waren seine Spielzeuge.

Zu seinem Begräbnis 2009 waren sie alle noch einmal zusammengekommen. Fifa-Chef Joseph Blatter, Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer. Robert Louis-Dreyfus, mit 63 Jahren an Leukämie gestorben, hatte mit ihnen allen zu tun, geschäftlich und privat, das mischte sich bei ihm.

So wie er Geld und Fußball vermischte, seine beiden Lieblingsspielzeuge. Louis-Dreyfus war kein Strippenzieher des Fußballs, dieses Wort wäre viel zu klein für ihn. Er war einer, für den das Wort schillernd erfunden wurde. Einer, der es liebte, Regeln zu verletzen.

Louis-Dreyfus war offenbar auch eine zentrale Figur bei der deutschen Bewerbung für die Fußball-WM 2006. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hatte das deutsche Bewerbungskomitee eine schwarze Kasse eingerichtet, die der damalige Adidas-Chef Louis-Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt hatte. (Lesen Sie die ganze Geschichte hier im SPIEGEL.)

Im neuen SPIEGEL: Das zerstörte Sommermärchen

Louis-Dreyfus, genannt RLD, war ein Macher. 1993 übernahm er den Adidas-Konzern als Vorstandschef, der Franzose war damals schon eine große Nummer im internationalen Management. Zuvor hatte er das US-Pharmaunternehmen IMS und die PR-Agentur Saatchi & Saatchi geführt, dort hatte er sich einen Ruf als kompromissloser Sanierer erworben. Bei Adidas setzte er dies fort.

Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach, bis dahin geleitet von dem Schweizer René C. Jäggi, der sich später auch mal als Präsident des 1. FC Kaiserslautern versuchte, war damals in keiner guten Verfassung, seine Produkte galten als ältlich. Louis-Dreyfus krempelte Adidas komplett um. Mit allen Mitteln. Er feuerte einen Großteil der Manager, die Produktion verlegte er in Billiglohnländer nach Asien. Als er 2001 ging, war Adidas der Global Player, der er bis heute ist.

Die Neunzigerjahre. Das war die Zeit, als sich der Fußball zu einer Gelddruckmaschine entwickelte. Und Louis-Dreyfus war einer der Männer, die den Hebel an der Maschine betätigten.

Louis-Dreyfus und Hoeneß - mehr als eine Geschäftsbeziehung

Louis-Dreyfus war ein Manager, der das Geben und Nehmen perfekt beherrschte. Nirgends wird das so deutlich wie in seiner Beziehung zu Uli Hoeneß. Im Jahr 2000, in dem Jahr also, in dem auch die WM-Vergabe an Deutschland über die Bühne ging, lieh er Hoeneß, wie dieser betont, rein privat, 20 Millionen Mark - angeblich das Startgeld, das es dem Bayern-Manager ermöglichte, seine Finanzzockereien zu begehen, die ihn letztlich viele Jahre später ins Gefängnis brachten.

Der Adidas-Manager und der Bayern-Boss, das war mehr als eine Geschäftsbeziehung, das war aber auch mehr als eine Freundschaft. Louis-Dreyfus selbst war ein Zocker, er hatte sein Anfangsvermögen in den USA übers Pokerspiel erworben. Hoeneß war beeindruckt von der Nonchalance des Franzosen. Der selten Krawatte trug, der mit Jeans und seiner Strubbelmähne in Vorstandssitzungen ging, für den Geld eher Spiel als Ernst war, weil er aus einer Familie stammte, in der es immer schon Geld gegeben hatte. Louis-Dreyfus seinerseits imponierte, wie Hoeneß den FC Bayern zu einer europäischen Marke im Spitzenfußball aufgebaut hatte.

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Louis-Dreyfus und Hoeneß, sie verstanden sich, und auf dieser Basis machten sie ihre Deals. Adidas und der FC Bayern bekräftigten 2001, ein Jahr nach dem privaten Dreyfus-Kredit an Hoeneß, ihre gemeinsame Sponsoren-Partnerschaft, obwohl der Konkurrent Nike erheblich mehr Geld geboten haben soll. Dass es dort einen Zusammenhang gegeben habe, hat Hoeneß allerdings vehement bestritten.

Marseille sollte der "FC Bayern des Südens" werden

Viel später - Louis-Dreyfus ist längst nicht mehr bei Adidas, sondern mittlerweile größter Anteilseigner des französischen Skandalklubs Olympique Marseille - lebt die Beziehung zu seinem alten Bayern-Freund wieder auf. Louis-Dreyfus und Hoeneß regeln den Transfer von Franck Ribéry aus Marseille nach München.

Louis-Dreyfus hat sich selbst als "fußballverrückt" bezeichnet. In Marseille träumte er davon, "den FC Bayern des Südens" aufzuziehen. Auch hier waren ihm die Mittel relativ egal. Unklare Geldflüsse unter anderem bei den Transfers von Laurent Blanc und Italiens Nationalspieler Fabrizio Ravanelli bringen ihn und Trainer Rolland Courbis 2006 vor Gericht. Beide werden wegen Transferbetrugs und Veruntreuung von Geldern verurteilt, Louis-Dreyfus kommt mit einer Bewährungsstrafe und einer hohen Geldbuße davon, Courbis wandert sogar ins Gefängnis. Die Anwältin von Louis-Dreyfus hatte dagegen plädiert, ihr Mandant sei "ein integrer Mensch und Manager, der seinen Klub immer geliebt, verteidigt und finanziert hat".

Schon in den USA war Louis-Dreyfus 1991 mit der US-Börsenaufsicht aneinandergeraten, dort musste er 200.000 Dollar zahlen, weil er gegen die Insiderregeln in Zusammenhang mit dem Verkauf von Aktien von IMS verstoßen hatte. 2002 organisierte er den Übergang der Sportrechte aus dem insolventen Kirch-Imperium an die Schweizer Infront-Gruppe um Günter Netzer, ein weiterer Schritt, das Netzwerk im Fußball noch enger zu knüpfen. Heutiger Chef von Infront ist Philippe Blatter, der Neffe des Fifa-Präsidenten. Man kennt sich eben.

All das hat dem Mäzen nicht geschadet, im Gegenteil. Seine Witwe Margarita Louis-Dreyfus gilt heute als eine der reichsten Frauen Frankreichs, das Familienvermögen soll bei fast fünf Milliarden Euro liegen. Das Erbe ihres Mannes bei Olympique Marseille hat die gebürtige Russin angetreten, bis heute führt sie den Klub als Vereinspräsidentin. Auch sie ist bestens vernetzt, erst letztens scherzte sie mit Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Marseille-Spiel auf der Ehrentribüne. Das Geld und der Fußball - es bleibt alles in der Familie.

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