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24. Juni 2015, 19:16 Uhr

Rekordtransfer Firmino

Der Image-Wechsel

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Liverpool bezahlt 41 Millionen Euro für Roberto Firmino, ein neuer Bundesligarekord. Hoffenheim verliert seinen besten Spieler, doch dem Klub kann nichts Besseres passieren.

Roberto Firmino ist ein großartiger offensiver Mittelfeldspieler, wendig, trickreich, schnell und torgefährlich, mit dem gewissen Mangel an Selbstlosigkeit, den sich nur die wirklich Guten leisten können. Aber ist er wirklich die kolportierten 41 Millionen Euro wert? Natürlich nicht.

Es ist noch immer sehr viel Fantasie nötig, sich ihn als Weltklassespieler vorzustellen, er ist einfach nur ein sehr, sehr guter Bundesligaspieler. Was durchaus eine Menge ist.

Als Roberto Firmino 2011 nach Hoffenheim wechselte, hielt ihn die heimische "Rhein-Neckar-Zeitung" sportlich für einen Fehlgriff, vier Millionen Euro hatte der Klub an Figueirense überwiesen. Doch Firmino wurde in Sinsheim so schnell wertvoll wie heimisch, in 140 Bundesligaspielen für die TSG kam er auf 38 Treffer, als Mittelfeldspieler. Jetzt ist er der teuerste Transfer der Bundesligageschichte, aber er ist auch ein Symbol für den Wandel in Hoffenheim.

Der Klub galt lange als einer, der selbst teure Spieler kauft und Erfolg um jeden Preis will. Sieben Millionen legte er 2007 für den Brasilianer Carlos Eduardo hin, zu Zweitligazeiten eine ungeheure Summe. Aber es war die Ära Rangnick, Geld spielte keine Rolle beim Marsch durch die Fußballinstanzen und beim Ausbau der Infrastruktur. Und als dann der Durchmarsch in die Bundesliga geschafft war, wurde Hoffenheim auch noch Herbstmeister.

Der ganz große Erfolg war nah, unmöglich schien da der Verkauf des wichtigsten Spielers. So dachte jedenfalls Ralf Rangnick, der den von Bayern München umworbenen Luiz Gustavo im Winter 2010 auf keinen Fall ziehen lassen wollte. Mäzen Dietmar Hopp aber wollte den Spieler zu Geld machen - wirtschaftliche Vernunft versus sportlicher Erfolg um jeden Preis, so hieß damals die Kampflinie. Gustavo wechselte im Winter, sein Abgang beendete gleichzeitig Rangnicks Ära in Hoffenheim.

Der Unterschied zwischen Gustavo und Firmino

Auch 2015 hat Hoffenheim seinen besten Spieler ziehen lassen. Aber auch wenn Trainer Markus Gisdol mutmaßlich nicht in Jubel ausgebrochen ist - der Abgang wirkt diesmal irgendwie normal. "Dass wir Roberto irgendwann einmal nicht mehr halten können, war angesichts seiner Qualität und der Entwicklung, die er gerade in den vergangenen 24 Monaten genommen hat, abzusehen", sagt Sportdirektor Alexander Rosen. Der Verein sei "auf solche Transfers angewiesen, um Einnahmen zu generieren und die Wirtschaftlichkeit des Klubs zu sichern".

Sowohl im Fall Gustavo (eine Million Euro) als auch bei Firmino hat Hoffenheim wenig Geld investiert und sehr viel eingenommen. Beide sind Protagonisten aus verschiedenen Zeiten, aber eines Geschäftsmodells. Es wird oft vergessen, dass Hopp seinen Verein schon immer als Ausbildungsverein auf hohem Niveau sah. Der Unterschied ist nur: Heute, mit dem besonnenen Rosen, mit dem sachlichen Trainer Gisdol und dem zurückhaltenden Geschäftsführer Peter Rettig, verhält sich der Klub auch wie einer.

Und die nächsten Gustavos und Firminos sind bereits gekauft. Gerade verpflichtete der Klub Jonathan Schmid vom SC Freiburg, den Schweizer Nationalverteidiger Fabian Schär (FC Basel) und den Tschechen Pavel Kadeřábek von Sparta Prag. Natürlich hat sich keiner der drei nur der guten Luft wegen für Hoffenheim entschieden, aber zumindest Schär und Supertalent Kadeřábek lagen angeblich lukrativere Angebote aus England vor.

Keiner kostete mehr als vier Millionen Euro.

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