Rekordtransfer Firmino Der Image-Wechsel

Liverpool bezahlt 41 Millionen Euro für Roberto Firmino, ein neuer Bundesligarekord. Hoffenheim verliert seinen besten Spieler, doch dem Klub kann nichts Besseres passieren.

Hoffenheim-Abgang Firmino: Ein sehr, sehr guter Bundesligaspieler
AFP

Hoffenheim-Abgang Firmino: Ein sehr, sehr guter Bundesligaspieler

Von


Roberto Firmino ist ein großartiger offensiver Mittelfeldspieler, wendig, trickreich, schnell und torgefährlich, mit dem gewissen Mangel an Selbstlosigkeit, den sich nur die wirklich Guten leisten können. Aber ist er wirklich die kolportierten 41 Millionen Euro wert? Natürlich nicht.

Es ist noch immer sehr viel Fantasie nötig, sich ihn als Weltklassespieler vorzustellen, er ist einfach nur ein sehr, sehr guter Bundesligaspieler. Was durchaus eine Menge ist.

Als Roberto Firmino 2011 nach Hoffenheim wechselte, hielt ihn die heimische "Rhein-Neckar-Zeitung" sportlich für einen Fehlgriff, vier Millionen Euro hatte der Klub an Figueirense überwiesen. Doch Firmino wurde in Sinsheim so schnell wertvoll wie heimisch, in 140 Bundesligaspielen für die TSG kam er auf 38 Treffer, als Mittelfeldspieler. Jetzt ist er der teuerste Transfer der Bundesligageschichte, aber er ist auch ein Symbol für den Wandel in Hoffenheim.

Der Klub galt lange als einer, der selbst teure Spieler kauft und Erfolg um jeden Preis will. Sieben Millionen legte er 2007 für den Brasilianer Carlos Eduardo hin, zu Zweitligazeiten eine ungeheure Summe. Aber es war die Ära Rangnick, Geld spielte keine Rolle beim Marsch durch die Fußballinstanzen und beim Ausbau der Infrastruktur. Und als dann der Durchmarsch in die Bundesliga geschafft war, wurde Hoffenheim auch noch Herbstmeister.

Hoffenheim-Profi Gustavo, Trainer Rangnick (2010): Wechsel mit Folgen
Getty Images

Hoffenheim-Profi Gustavo, Trainer Rangnick (2010): Wechsel mit Folgen

Der ganz große Erfolg war nah, unmöglich schien da der Verkauf des wichtigsten Spielers. So dachte jedenfalls Ralf Rangnick, der den von Bayern München umworbenen Luiz Gustavo im Winter 2010 auf keinen Fall ziehen lassen wollte. Mäzen Dietmar Hopp aber wollte den Spieler zu Geld machen - wirtschaftliche Vernunft versus sportlicher Erfolg um jeden Preis, so hieß damals die Kampflinie. Gustavo wechselte im Winter, sein Abgang beendete gleichzeitig Rangnicks Ära in Hoffenheim.

Der Unterschied zwischen Gustavo und Firmino

Auch 2015 hat Hoffenheim seinen besten Spieler ziehen lassen. Aber auch wenn Trainer Markus Gisdol mutmaßlich nicht in Jubel ausgebrochen ist - der Abgang wirkt diesmal irgendwie normal. "Dass wir Roberto irgendwann einmal nicht mehr halten können, war angesichts seiner Qualität und der Entwicklung, die er gerade in den vergangenen 24 Monaten genommen hat, abzusehen", sagt Sportdirektor Alexander Rosen. Der Verein sei "auf solche Transfers angewiesen, um Einnahmen zu generieren und die Wirtschaftlichkeit des Klubs zu sichern".

Sowohl im Fall Gustavo (eine Million Euro) als auch bei Firmino hat Hoffenheim wenig Geld investiert und sehr viel eingenommen. Beide sind Protagonisten aus verschiedenen Zeiten, aber eines Geschäftsmodells. Es wird oft vergessen, dass Hopp seinen Verein schon immer als Ausbildungsverein auf hohem Niveau sah. Der Unterschied ist nur: Heute, mit dem besonnenen Rosen, mit dem sachlichen Trainer Gisdol und dem zurückhaltenden Geschäftsführer Peter Rettig, verhält sich der Klub auch wie einer.

Und die nächsten Gustavos und Firminos sind bereits gekauft. Gerade verpflichtete der Klub Jonathan Schmid vom SC Freiburg, den Schweizer Nationalverteidiger Fabian Schär (FC Basel) und den Tschechen Pavel Kadeřábek von Sparta Prag. Natürlich hat sich keiner der drei nur der guten Luft wegen für Hoffenheim entschieden, aber zumindest Schär und Supertalent Kadeřábek lagen angeblich lukrativere Angebote aus England vor.

Keiner kostete mehr als vier Millionen Euro.



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-453-7coi 24.06.2015
1. Lieber SPON,
zur Ergänzung: Carlos Eduardo kostete MEUR 7 und "Geld spielte keine Rolle beim Marsch durch die Fußballinstanzen und beim Ausbau der Infrastruktur". Eine Kleinigkeit fehlt aber im Artikel: Carlos Eduardo brachte MEUR 20 Ablöse ein!! Die nächsten Supertransfers könnten sich bei Kevin Volland und Niklas Süle (wenn er nach dem Kreuzbandriss wieder auf die Beine kommt) ergeben. Also, bei allen Fehleinkäufen, von denen es genug gibt und bei aller Häme wegen fehlender Tradition, ein HSV/VfB/FC Köln/96/.... würde sich nach diesen Transfers mehr als sehnen. Da und insbesondere im Jugendbereich arbeitet Hoffenheim einfach nur vorbildlich.
chavezding 24.06.2015
2.
Wenn Schürrle 30 Millionen wert ist, dann ist Firmino beinahe schon in den Sphären eines Suarez anzusiedeln...
janchristof 24.06.2015
3. Das Geld der englischen Premier League...
verschiebt die Wertverhältnisse für Spieler in allen Ligen weltweit nach oben. Glücklich, wer dabei einen so guten Schnitt machen kann wie die TSG. Ganz nebenbei ist der nächste Brasilianer auch schon bei der TSG - Joelinton. Warten wir mal 3-4 Jahre ab und schauen was aus ihm wird ;-)
wi_hartmann@t-online.de 24.06.2015
4. der Dorfclub
Mit dem wirtschaftlichem Sachverstand von Herrn Hopp ist auch mit einem Dorfverein Ertrag zu erwirtschaften und in der 1. Liga oben mitzuspielen. Die Fußballmanager der übrigen Bundesligavereine, mit Ausnahme von Bayern München, verstehen sich ausschliesslich als Geldvernichter.
kuechenchef 24.06.2015
5. Aha...
Zitat von spon-453-7coizur Ergänzung: Carlos Eduardo kostete MEUR 7 und "Geld spielte keine Rolle beim Marsch durch die Fußballinstanzen und beim Ausbau der Infrastruktur". Eine Kleinigkeit fehlt aber im Artikel: Carlos Eduardo brachte MEUR 20 Ablöse ein!! Die nächsten Supertransfers könnten sich bei Kevin Volland und Niklas Süle (wenn er nach dem Kreuzbandriss wieder auf die Beine kommt) ergeben. Also, bei allen Fehleinkäufen, von denen es genug gibt und bei aller Häme wegen fehlender Tradition, ein HSV/VfB/FC Köln/96/.... würde sich nach diesen Transfers mehr als sehnen. Da und insbesondere im Jugendbereich arbeitet Hoffenheim einfach nur vorbildlich.
...vorweg: ich gönne Hoffenheim den Hopp, und umgekehrt. Aber nach 07/08 18 Millionen Transferminus 08/09 11 Millionen Transferminus 09/10 16 Millionen Transferminus dann 10/11 ein 20 Millionen Transferplus zu loben, usw usf (danach kamen dann bis 14/15 noch mal knapp 20 Millionen Transferminus zusammen), und bei einem defizitären Ligatagesgeschäft (auch weil man mit sehr viel Geld die Jugendmannschaften aufrüstet, gerne zu Lasten des VfB), kann man doch irgendwie bitte nicht von "vorbildlich arbeiten" sprechen. Das wird doch eher den Rüben, den Freiburgern, vielleicht noch den Frankfurtern und neuerdings womöglich sogar dem Effzeh gerecht und beleidigt damit indirekt deren mühsames Treiben. Würde man das Modell Hoffenheim tatsächlich zum Vorbild erklären, und also die Tür für Investoren bei anderen Vereinen in der Form öffnen, wie es in Hoffenheim, Leipzig und den Werksvereinen erlaubt ist, wäre Hoffenheim schnell wieder dort, wo es fussballhistorisch herkam. Dann könnte, um an ein besonders peinliches Zitat von Herrn Rangnick zu erinnern, womöglich auch Cottbus mal einen Perspektivspieler für einen mittleren Millionenbetrag den Hoffenheimern vor der Nase wegschnappen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.