Öffentliche Selbstkritik Zweitligist Bochum trennt sich von Trainer Dutt

Spieler, die eigenmächtig die Taktik geändert haben wollen, und ein Trainer, der sich selbst infrage stellt: Hinter dem VfL liegt ein turbulentes Wochenende. Nun hat der Klub Coach Robin Dutt freigestellt.
Robin Dutt: "Dann haben wir Fehleinschätzungen gemacht"

Robin Dutt: "Dann haben wir Fehleinschätzungen gemacht"

Foto: Becker / DPA

Zweitligist VfL Bochum hat sich von Trainer Robin Dutt getrennt. Das teilte der Klub mit. Bochum liegt nach vier Spielen und zwei Punkten als 16. hinter den Erwartungen zurück. Obwohl sein Team am Samstag nach einem 0:3-Rückstand gegen Wehen Wiesbaden noch ein 3:3 erkämpfte, hatte Dutt sich anschließend selbst infrage gestellt und ein Gespräch mit Sportvorstand Sebastian Schindzielorz angekündigt.

"Wenn meine Mannschaft so auftritt wie in der ersten Halbzeit, zum Teil wirklich schlecht spielt, dann haben wir Fehleinschätzungen gemacht. Der Verein kann nicht mit einem angezählten Trainer in die nächsten Wochen gehen", hatte der 54-Jährige nach dem Spiel gesagt. Und am Sonntag antwortete er bei Sky auf die Frage, ob sich die Klub-Verantwortlichen Gedanken über seine Zukunft machen müssten: "Spätestens jetzt sollten sie es tun, wenn ich es schon tue."

Wenn der Torwart die Taktik des Trainers ändert

Der VfL sprach nun von einem "völlig überraschenden" Vorgehen des Trainers, der bis dahin immer das Vertrauen gehabt habe. Allerdings hatte Torhüter Manuel Riemann interne Probleme offenbart und die Autorität des Trainers untergraben, indem er nach dem 3:3 öffentlich behauptet hatte, zusammen mit Kapitän Anthony Losilla in der Halbzeitpause die Taktik für die Aufholjagd in der zweiten Hälfte ausgegeben zu haben. Zudem erzählte Riemann von nicht geahndeten Verfehlungen einiger Mitspieler.

Der VfL habe daher zu klärenden Gesprächen aufgerufen. "Nicht nur zwischen Trainer und Geschäftsführung, auch mit der Vereinsführung", wie der Klub mitteilte. Zu einem Gespräch mit dem Präsidium habe Dutt am Montag "aber nicht zur Verfügung" gestanden. Offensichtlich folgte daraufhin der Beschluss, sich sofort von Dutt zu trennen.

"Im Gesamtzusammenhang kommt der VfL zu dem Ergebnis, dass die Mannschaft dem Trainer nach den Vorgängen des Wochenendes und seinem öffentlichen Statement nicht mehr weiterhin vorbehaltlos gefolgt wäre", hieß es in der Mitteilung des Vereins.

Auf Dutts Instagram-Account war am späten Nachmittag zu lesen, dass der Coach bereit gewesen sei, im Amt zu bleiben. Er habe am Wochenende "Vorschläge für eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit gemacht. Die Antwort darauf blieb aber bis zur mir gegenüber nicht begründeten Freistellung heute Nachmittag aus", heißt es dort.

Dutt war seit dem 12. Februar 2018 bei den Bochumern tätig gewesen. Zuvor hatte er unter anderem den SC Freiburg, Bayer Leverkusen und Werder Bremen trainiert. Zudem war er Sportdirektor im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Sportvorstand beim VfB Stuttgart gewesen.

mon/dpa