Römisches Fußball-Derby abgebrochen Gerücht um überfahrenes Kleinkind

Kurz nach dem Seitenwechsel wurde das Derby zwischen Lazio und AS Rom abgebrochen. Auf den Rängen hatte ein Gerücht die Runde gemacht, die Polizei habe vor dem Olympiastadion ein Kleinkind überfahren. Chaos brach aus, die Fußballspieler reagierten schockiert. 176 Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt, 13 festgenommen.


Rom - "Es ist weder eine Person schwer verletzt noch getötet worden, aber es war den Spielern angesichts der herrschenden Situation emotional nicht mehr zuzumuten, die Begegnung fortzusetzen", sagte Maurizio Improta, Sprecher der römischen Präfektur, in einem Fernseh-Interview.

Spielabbruch in Rom: "Emotional nicht mehr zumuten"
AFP

Spielabbruch in Rom: "Emotional nicht mehr zumuten"

Wenige Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte hatte Schiedsrichter Roberto Rosetti die torlose Begegnung unterbrochen, als ein Fan auf das Spielfeld lief. Nach fast 20-minütigen Diskussionen mit Spielern und Offiziellen und einem Telefonat mit Liga-Chef Adriano Galliani brach Rosetti die Begegnung dann endgültig ab. Galliani bestätigte später, dass er den Abbruch angeordnet habe. Die beiden Kapitäne Francesco Totti (Roma) und Sinisa Mihajlovic (Lazio) hatten vorher die Fans zu Ruhe und Ordnung aufgerufen.

Ausschreitungen vor dem Olympiastadion: "Es hat einige Konfusionen gegeben"
AP

Ausschreitungen vor dem Olympiastadion: "Es hat einige Konfusionen gegeben"

Auch die beiden Präsidenten Franco Sensi von AS Rom und Ugo Longo von Lazio beteiligten sich an den Beruhigungsappellen. Ugo Longo erklärte: "Es hat einige Konfusionen gegeben, nachdem ein Gerücht die Runde machte. Niemand hat verstanden, was vor sich geht. Ich glaube, erstmals in der Geschichte der Serie A ist ein Fußballspiel nach Gerüchten abgebrochen worden." Nach Auskunft Gallianis wird die Partie wiederholt. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Als die Zuschauer begannen, das Stadion zu verlassen, flammten die Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei, die schon vor dem Anpfiff entbrannt waren, erneut auf. Die Polizei musste Tränengas einsetzen. Nach Angaben der Behörden erlitten bei den über sechsstündigen Ausschreitungen 155 Polizisten und 21 Randalierer Verletzungen. Einer der betroffenen Beamten trug Stichwunden davon.



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