Römisches Skandalderby Empörung nach den milden Strafen

Die an der wegen Fan-Ausschreitungen abgebrochenen Partie beteiligten Vereine AS Rom und Lazio Rom sind vom italienischen Fußballverband mit symbolischen Strafen belegt worden. Andere Clubs beklagen eine Zweiklassenjustiz, die Polizei droht für das angesetzte Wiederholungsspiel mit Streik.


Spieler und Schiedsrichter verlassen das Spielfeld im olympiastadion von Rom
AFP

Spieler und Schiedsrichter verlassen das Spielfeld im olympiastadion von Rom

Rom - Lazio Rom muss 51.000 Euro Strafe bezahlen und der AS Rom muss eine Partie auf neutralem Platz austragen - so lauten die Strafen für die beiden Serie-A-Clubs durch den italienischen Fußballverband. Die milden Urteile lösten Proteste und Kopfschütteln im ganzen Land aus. "Straferlass", schimpfte die "La Gazzetta dello Sport". Das Blatt hatte nach den Morddrohungen gegen die Spieler, der Fan-Invasion auf dem Platz und den bürgerkriegsähnlichen Krawallen mindestens eine Stadionsperre von einem Monat und eine Wiederholung der Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit erwartet.

"Kein Polizist wird im Stadion sein"

Ob die am 14. April geplante Derby-Wiederholung überhaupt stattfinden kann, ist allerdings fraglich. Die Polizeigewerkschaft hat bereits einen Streik angekündigt. "Kein Polizist wird im Stadion sein", hatte die Polizisten-Vertretung gedroht, nachdem bei der Derby-Randale 153 Beamte verletzt worden waren. Für die Polizei muss das milde Urteil von Sportrichter Maurizio Laudi wie eine Einladung zum Krawall klingen. "Das ist eine sehr weiche Entscheidung", klagte auch Minister Roberto Maroni im italienischen Fernsehen. Innenminister Giuseppe Pisanu hatte nach dem Derby noch "harte Strafen" gefordert.

Sportrichter Laudi begründete sein mildes Urteil unter anderem damit, dass die Spieler das Gerücht von dem von der Polizei angeblich vor dem Stadion überfahrenen Kind wirklich geglaubt hätten. Dabei hatte die Polizei den Spielern und Zuschauern im Stadion versichert, dass es keinen Unfall gegeben habe. Spieler wie Roms Kapitän Francesco Totti glaubten aber dennoch den durch alle Sicherheitsabsperrungen auf den Platz spazierten Fan-Vertretern mehr als der Polizei.

Die Fans hatten das Gerücht vom überfahrenen Kind in Umlauf gebracht und forderten deshalb beim Stand von 0:0 kurz nach der Halbzeitpause den Abbruch des Spiels. Weil die Spieler dies glaubten und außerdem bei einem Wiederanpfiff der Partie um ihr Leben fürchteten, brach Liga-Präsident Adriano Galliani das Derby ab. "Wer führt im Olympiastadion eigentlich das Kommando?", fragt sich da die "Gazzetta dello Sport".

"Das ist eine Zweiklassenjustiz"

Krawalle zwischen Lazio und Roma-Fans: "Wer führt eigentlich das Kommando"
AP

Krawalle zwischen Lazio und Roma-Fans: "Wer führt eigentlich das Kommando"

Trotz des milden Urteils erwägt der AS Rom sogar noch einen Einspruch. Die Spieler dagegen waren einsichtiger. "Gemessen an dem, was wir zu befürchten hatten, ist das sehr gut ausgegangen", so Ivan Pelizzoli. Lazio akzeptierte das Urteil sofort.

Der AS Rom muss lediglich sein Heimspiel gegen Chievo Calcio auf neutralem Platz austragen. Am Mittwoch war von der süditalienischen Stadt Salerno als Austragungsort die Rede. Dass Rom mit nur einer einzigen Heimspielsperre davonkam, löste auch in der Liga wütende Reaktionen aus. "Das ist eine Zweiklassenjustiz", klagte Neapels Präsident Salvatore Naldi, dessen Club für die Fan-Randale beim Auswärtsspiel in Avellino mit einer 0:3-Niederlage und einer Platzsperre von fünf Spielen bestraft wurde.

Auch aus Messina gab es heftige Kritik. Der Zweitligist wurde mit einer Platzsperre für ein Spiel belegt, nur weil der gegnerische Mannschaftsbus mit Eiern und einem Stein beworfen worden war. Lächerlich, verglichen mit dem erzwungenen Spielabbruch und den verheerenden Ausschreitungen beim Derby in Rom.



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