Russischer Besitzer des englischen Fußballklubs Abramowitsch gibt Kontrolle über den FC Chelsea ab

Wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin wuchs zuletzt der Druck auf den Oligarchen Roman Abramowitsch. Nun zog er Konsequenzen – verkaufen will er den Spitzenklub aber nicht.
Roman Abramowitsch mit dem Champions-League-Pokal im vergangenen Sommer

Roman Abramowitsch mit dem Champions-League-Pokal im vergangenen Sommer

Foto: Dave Shopland/BPI/Shutterstock / imago images/Shutterstock

Der Besitzer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch, hat die Verwaltung des Premier-League-Klubs an die Treuhänder seiner gemeinnützigen Stiftung übergeben. Damit will er offenbar Forderungen abwehren, die Kontrolle über den Klub nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine vollständig aufzugeben.

Der russische Oligarch verkauft den Klub nicht, gibt aber vorerst jegliche Kontrolle ab, nachdem er wegen seiner Besitzverhältnisse ins Visier der britischen Politik geraten war. Die Stiftung wird von Bruce Buck geleitet, der auch Vorsitzender des Vereins ist.

Abramowitsch ist einer von zahlreichen Oligarchen, denen im Zusammenhang mit der russischen Invasion der Ukraine und der Nähe zu Wladimir Putin Sanktionen drohen. Im britischen Parlament wurde bereits vorgeschlagen, seine Konten einzufrieren und Besitztümer inklusive des FC Chelsea zu beschlagnahmen.

»Entscheidungen immer im besten Interesse des Klubs getroffen«

Er habe seine »Entscheidungen immer im besten Interesse des Klubs getroffen«, sagte Abramowitsch in einem Statement. »Ich bleibe diesen Werten verpflichtet. Aus diesem Grund übertrage ich heute den Treuhändern der gemeinnützigen Chelsea-Stiftung die Verwaltung und Betreuung des FC Chelsea«. Diesen seien »derzeit am besten in der Lage, die Interessen des Vereins, der Spieler, der Mitarbeiter und der Fans zu wahren«.

Putins Angriffskrieg selbst erwähnte er nicht.

Abramowitsch ist seit 2003 Eigentümer des Londoner Klubs. Er investierte Milliardensummen und machte aus dem damaligen Mittelklasseverein ein europäisches Spitzenteam. Derzeit ist Chelsea Titelträger in der Champions League.

Der 55-Jährige ist ein ehemaliger russischer Provinzgouverneur und Vertrauter Putins. Als israelischer Doppelbürger mit einem geschätzten Nettovermögen von mehr als elf Milliarden Euro hat Abramowitsch sein Vermögen genutzt, um Chelsea und Häuser in London und New York zu kaufen.

Abramowitsch hat seit 2018 kein britisches Visum mehr, als ein Verlängerungsantrag länger als üblich dauerte und zurückgezogen wurde.

»Die Situation ist schrecklich«

Die Entscheidung kommt nur einen Tag vor dem Finale des englischen Ligapokals gegen den FC Liverpool und damit dem Duell der beiden deutschen Trainer Thomas Tuchel und Jürgen Klopp am Sonntag. Schon vor Abramowitschs Erklärung hatte Tuchel Auswirkungen der Debatte über den Geldgeber auf den Verein eingeräumt. »Wir sollten nicht so tun, als sei dies kein Thema. Die Situation für mich und meine Mitarbeiter, die Spieler ist schrecklich«, sagte er. Für den Klub bringe es eine große »Unsicherheit«, so Tuchel, »viel schlimmer ist es aber für die wirklich betroffenen Menschen. Unsere besten Wünsche, unsere Gedanken sind bei ihnen, das ist das absolut Wichtigste«.

Tuchel war bereits zuvor nicht detaillierter auf die Situation an der Stamford Bridge eingegangen: »Es gibt so viele Ungewissheiten rund um unseren Klub und die Situation in Großbritannien, dass es keinen Sinn macht, wenn ich dies kommentiere.« Er räumte allerdings ein, dass die Gesamtsituation »unsere Gedanken« und »Vorfreude auf das Endspiel« verhülle.

Bei Chelsea stehen auch die deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Timo Werner unter Vertrag.

mon/sid/Reuters