Rottenberg-Rücktritt "Es war eine supergeile Zeit"

Letzter Auftritt nach 15 Jahren Nationalelf: Torhüterin Silke Rottenberg beendet mit der Partie gegen Wales ihre internationale Karriere - auch um einen erneuten Konkurrenzkampf zu vermeiden. DFB-Funktionäre würdigen ihre Leistung und setzen auch in der Zukunft auf sie.


Hamburg - Zwei WM-Titel, drei EM-Triumphe, zwei olympische Bronzemedaillen und die Wahl zur Welttorhüterin 2003. In Silke Rottenbergs Titelsammlung fehlt wenig. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Wales bestreitet sie am Donnerstag ihr 126. und letztes Länderspiel für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen, beendet nach 15 Jahren ihre internationale Karriere. "Es war eine supergeile Zeit", sagt die 36-Jährige, "dieser Schritt fällt mir nicht leicht. Der Abschied tut weh."

Rottenberg blickt ihrem letzten Auftritt mit gemischten Gefühlen entgegen: "Ich befasse mich gedanklich noch nicht mit dem, was mich am Donnerstag erwartet. Aber es werden wohl sehr viele Emotionen ihren Lauf nehmen. Meine Familie, viele Freunde und Fans werden da sein", kündigte sie an. Weil Rottenberg ihr letztes Länderspiel in Deutschland bestreiten wollte, war ihre Rivalin Nadine Angerer entgegen der sonst praktizierten Rotation in der Partie gegen Belgien Anfang Mai in Eupen (5:0) zum Einsatz gekommen.

Grund für Rottenbergs Rückzug sind die fehlenden Perspektiven in der Nationalelf und zunehmende Verletzungsprobleme. Zudem wollte sie das Duell mit Nadine Angerer um den Platz im Tor bei den Olympischen Spielen in Peking nicht auf die Spitze treiben. "Nadine hat eine sehr gute WM gespielt. Und sie hat ihre Form gehalten, so dass es keinen Grund gibt, sie aus dem Tor zu nehmen", sagte Rottenberg. "Wäre ich ein paar Jahre jünger, hätte ich die Herausforderung angenommen. Jetzt ist aber der richtige Zeitpunkt, um zu gehen."

Obwohl sie bereits seit einem Monat Bescheid wusste, zeigte sich Nationaltrainerin Silvia Neid berührt. "Es ist sehr, sehr schade, dass Silke aufhört. Sie ist eine Spielerin, die man nicht vergisst. Aber ich kann ihre Entscheidung verstehen und akzeptiere sie, obwohl ich schon überrascht war", sagte Neid. DFB-Präsident Theo Zwanziger würdigte Rottenbergs Verdienste um den Frauenfußball: "Alle Titel sind eng mit ihrem Namen verbunden. Auch menschlich ist Silke ein Vorbild."

Vor der WM 2007 hatte Rottenberg - die trotz eines zu Beginn des Jahres erlittenen Kreuzbandrisses rechtzeitig fit geworden war - ihren Stammplatz zwischen den Pfosten an Nadine Angerer verloren, die dann das gesamte Turnier ohne Gegentor blieb. "Diese Zeit auf der Bank, das war eine harte Nummer, nachdem ich zehn Jahre lang die Nummer eins war. So etwas konnte ich nur einmal mitmachen, das hat Energie gekostet", gestand Rottenberg.

Für ihren Verein, den frischgekürten Uefa-Cup-Sieger FFC Frankfurt, möchte sie aber bis zum Vertragsende Mitte 2009 noch auflaufen, parallel dazu aber bereits an ihrer beruflichen Zukunft arbeiten. Die dreimalige deutsche Meisterin und viermalige DFB-Pokalsiegerin, die im Besitz sämtlicher Trainerlizenzen ist, will dem Fußball erhalten bleiben und junge Torhüterinnen ausbilden. Zwanziger: "Wir brauchen sie, gerade weil die WM 2011 ihre Schatten vorauswirft." Auch WM-OK-Chefin und Ex-Nationalspielerin Steffi Jones will Rottenberg einbinden: "Ich kann mir gut vorstellen, dass sie in Zukunft als Botschafterin für die WM arbeitet", sagte Jones.

fsc/sid/dpa



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