Rückschläge für Astana Team-Lkw durchsucht, Teamchef verloren

Erfolge auf dem Asphalt, Ernüchterung hinter den Kulissen: Rennstall Astana erwischte heute einen mäßigen Tag. Erst wurde einer ihrer Lkw stundenlang gefilzt, dann gab der Sportchef seinen Rückzug bekannt. Damit spricht vieles für ein eigenes Armstrong-Team.


Hamburg - "Das Kapitel Astana ist nach der Saison beendet", sagte Teamchef Johan Bruyneel dem TV-Sender Sporza. Der Belgier begründete seine Entscheidung mit dem Konflikt um Dopingsünder Alexander Winokurow, der mit Hilfe der kasachischen Geldgeber ins Team zurück will.

Astana-Sportchef Bruyneel, Armstrong: "Da war die Sache klar"
AFP

Astana-Sportchef Bruyneel, Armstrong: "Da war die Sache klar"

Damit verdichten sich die Anzeichen, dass Bruyneel im kommenden Jahr gemeinsam mit dem siebenmaligen Toursieger Lance Armstrong ein neues Team gründen wird. Seit Wochen sind der Sportartikelhersteller Nike und Armstrongs Krebsstiftung Livestrong als mögliche Sponsoren im Gespräch. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ist auch das Software-Unternehmen Oracle ein Kandidat. Am Dienstagabend bestätigte Armstrong bereits die Zusage eines neuen Sponsors. "Ich kann eine sehr gute Ankündigung machen: Ich habe ab 2010 einen amerikanischen Partner für unser Team", teilte Armstrong per "Twitter"-Nachricht mit.

Bruyneel hatte nach dem Skandaljahr 2007, als Winokurow, Alexander Kaschetschkin und Matthias Kessler als Dopingsünder überführt worden waren, die Astana-Teamführung übernommen und die Mannschaft in die Erfolgsspur zurückgeführt. 2008, als Astana für die Tour ausgeladen war, gewann er mit seinem Fahrer Alberto Contador den Giro d'Italia und die Vuelta. In diesem Jahr steht Contador dicht vor seinem zweiten Toursieg.

Den letzten Ausschlag zum Abschied von Bruyneel hat demnach die Pressekonferenz von Winokurow zwei Tage vor dem Tour-Start gegeben, als der Kasache eigenmächtig seine Rückkehr ins Team angekündigt hatte. Wenn Bruyneel damit nicht einverstanden sei, dann müsse er gehen, hatte der frühere Tour-Dritte gesagt.

"Wir wollten eine mögliche Rückkehr von Winokurow erst besprechen. Dann gab er eines Tages eine Pressekonferenz in Monaco. Danach erreichten mich ein paar Reaktionen des kasachischen Verbandes. Da war die Sache klar", sagte Bruyneel.

Schon vor dem Tour-Start hatte Bruyneel ein Ende seines Engagements angedeutet und sich enttäuscht gezeigt. Er habe die Mannschaft in einer schwierigen Phase übernommen und zum Erfolg geführt. Darauf sei er stolz. "Die Visionen der Kasachen decken sich nicht mit der Realität", so Bruyneel.

Lkw-Durchsuchung ohne Folgen

Während die Fahrer die 16. Etappe bestritten, war zudem ein Astana-Lkw an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich drei Stunden lang durchsucht worden. Laut Pressesprecher Philippe Maertens sei in dem Begleitfahrzeug aber nichts gefunden worden. "Sie haben alle Koffer durchsucht. Ich weiß nicht, wonach sie gesucht haben. Sie haben aber nichts beschlagnahmt", sagte Maertens. Die Tour hatte am Dienstag ihren dreitägigen Abstecher in der Schweiz wieder beendet.

Das Team steht unter besonderer Beobachtung. Der siebenmalige Tourchampion Armstrong wird ebenso wie Contador fast täglich zur Dopingkontrolle gebeten, was Armstrong bereits als "exzessiv" bezeichnete.

Für Schlagzeilen hatte bereits die "Kaffee-Affäre" bei Astana in der ersten Woche gesorgt. Dabei sollen Kontrolleure des Radsport-Weltverbands UCI erst mit 55-minütiger Verspätung die Fahrer kontrolliert und vorher einen Kaffee mit Astana-Mitarbeitern getrunken haben.

mig/sid/dpa



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Brieli 02.07.2009
1.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Wie üblich. Beides. Ist doch egal, ob ein Doper mehr oder weniger mitfährt.
Parisienne, 02.07.2009
2.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Ach ja, es ist wieder so weit, die Tour de Farce! Allein die Schlamperei der WADA mit dem Sinkewitz-Protokoll zeigt doch, in welch katastrophalem Zustand sich der Radsport noch immer befindet. Dann wurde auch gleich noch Thomas Dekker positiv auf EPO getestet, wunderbar. Wer noch immer daran glaubt, der Radsport könnte in absehbarer Zeit wieder sauber sein, tut mir einfach nur leid. Und Lance Armstrong? Was hat eigentlich Jan Ulrich die nächsten Wochen so vor?
DickBush, 02.07.2009
3. Lance setzt ein gutes Signal an
Auch andere Sportarten sind von der Drogenplagge nicht frei gewesen, im Radsport hat man aber ganz hart und konsequent gehandelt. Die Tour war und ist eine in jedem Bezug tolle Veranstaltung, es ist ein Glücksfall daß sich der große Lance wieder zum Wort gemeldet hat!
a.narchist, 02.07.2009
4. Als Kind die Friedensfahrt, später die Tour der Leiden ...
heute totale Radsport-Abstinenz. Allerdings gucke ich mir auch keine Leichtathletik-Wettbewerbe mehr an und keine ... Der ganze versiffte Kommerz-Sport kann mir gestohlen bleiben. Kälbermast-Mittel für Menschen und für Menschen gedachte Arzeneien den Pferden verabreicht. Olympiasieger - zwei Jahre Sperre - Weltmeister und wieder gedopt, die Karriere von Kugelstoßern. Hammerwerferinnen, die echt "der Hammer" sind und nun der König des Doping wieder auf dem Rad. Wer da noch mitfiebert, sollte einen Arzt aufsuchen oder die eigenen Medikamente absetzen.
Shiraz, 02.07.2009
5.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Hihi, alle Jahre wieder:-) Verseucht, verlogen, versaut. Schau ich mir nicht mehr an.
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