Gruppe A - Rumänien Der Trainer ist der Star

Die erfolgreichste Ära der rumänischen Nationalmannschaft liegt Jahre zurück. Doch bei der Europameisterschaft haben die Südosteuropäer gute Chancen. Grund dafür ist ein alter Bekannter - mit neuem Konzept.

AP

In den Neunzigerjahren galt Rumänien als eines der stärksten Teams in Europa. Spieler wie Gheorghe Hagi, Gheorghe Popescu oder Dan Petrescu waren schillernde Figuren einer goldenen Generation, die ihr Geld bei Top-Klubs wie Real Madrid, FC Barcelona oder Chelsea verdienten.

Von 1990 bis 1998 nahm die rumänischen Nationalmannschaft an drei Weltmeisterschaften in Serie teil, zudem gelangen zwei Qualifikationen für die Europameisterschaft. Sportliche Höhepunkte waren Viertelfinalteilnahmen bei der WM 1994 und der EM 2000. So weit, so erfolgreich. Was folgte, war der Absturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit.

Seit der Jahrtausendwende nahm Rumänien an keiner WM mehr teil, lediglich zweimal qualifizierte sich das Team für eine EM. Herausragende Spieler wie Christian Chivu und Adrian Mutu, die für internationale Top-Klubs spielten, waren Ausnahmen. Der rumänische Fußball entwickelte sich zurück. Doch nach Jahren der Frustration qualifizierte sich die Tricolorii nun für die EM in Frankreich. Ohne Stars. Und beinahe auch ohne Gegentor.

Keine Mannschaft kassierte so wenige Gegentore wie Rumänien

Rumänien beendete die Qualifikation in der Gruppe F ungeschlagen (fünf Siege, fünf Unentschieden) auf dem zweiten Tabellenplatz, nur einen Punkt hinter Sieger Nordirland. Noch beachtlicher ist, dass die Südosteuropäer in der gesamten Qualifikation lediglich zwei Gegentreffer kassierten - so wenige wie keine andere europäische Mannschaft.

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Architekt des Abwehrbollwerks ist ein alter Bekannter: Anghel Iordanescu. Der 66-Jährige übernahm die Nationalmannschaft seines Heimatlandes im Oktober 2014 und befindet sich bereits in seiner dritten Amtszeit als Chefcoach Rumäniens. Iordanescu war schon in der erfolgreichen Zeit zwischen 1993 und 1998 Trainer der Rumänen. Hinzu kommt allerdings auch eine erfolglose Amtsperiode, die 2002 begann und nur zwei Jahre später mit seiner Entlassung endete.

Obwohl sich Rumänien souverän für die anstehende EM qualifizierte, steht Iordanescu bei vielen einheimischen Medien in der Kritik. Sein Spielstil sei zu defensiv, der Mannschaft fehle es an kreativen Ideen, heißt es. Die Zahlen sprechen jedoch für den Coach. Rumänien verlor unter seiner Regie nur eine Partie. Die Testspiel-Niederlage Ende Mai gegen die Ukraine (3:4) war die erste Pleite seit 18 Begegnungen - fast zwei Jahre lang war Rumänien unbesiegt. Dabei ist ein Großteil des Teams weitestgehend unbekannt.

"Ein Verdienst des gesamten Teams"

Aus dem rumänischen EM-Kader spielt kaum ein Profi in einer großen europäischen Liga. Es ist das Kollektiv, durch das sich diese Mannschaft auszeichnet. "Wir haben es taktisch sehr gut gemacht, daher haben wir die Qualifikation auch verdient. Es ist ein Verdienst des gesamten Teams", sagte Iordanescu.

Solange er weiter Erfolge feiert, muss sich Rumäniens Nationaltrainer nicht für die defensive Marschroute seines Teams rechtfertigen. Inwiefern diese Taktik auch gegen namhafte Teams aufgeht, wird man bereits beim Eröffnungsspiel der EM sehen. Dann trifft Rumänien vor einer weltweiten Millionenkulisse auf Gastgeber Frankreich.



insgesamt 3 Beiträge
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harnpastet 10.06.2016
1. Topfavorit
Platz zwei in der Quali, nur zwei Gegentore – und das in der Todesgruppe F mit Nordirland, Finnland, Faröer, Ungarn und Griechenland. Herr Runge, sie haben recht: Das ist beeindruckend. Für mich sind diese Rumänen DER Topfavorit der EM.
schwester arno 10.06.2016
2. Hochnässigkeit
Was soll das @harspastet? Wer hat geschrieben, dass Rumänien DER Topfavorit der EM ist? Auf die "nur" 2 Gegentore weisen so ziemlich alle, die sich mit dem Spiel heute Abend beschäftigen, hin. Insbesondere in Schweizer und Französichen Medien, 2 der 3 Gruppengegner. Es wird im Artikel auch explizit gesagt: "Ob diese Taktik auch gegen einen namhaften Gegner reicht, wird sich im Eröffnungsspiel zeigen". Der Artikel ist ausgewogen und bietet keinerlei Grund für Hochnässigkeit und Respektliosigkeit gegenüber den Gegner aus der Quali-Gruppe. Deutschland hat sich gegen Ungarn auch kein Bein rausgerissen.
marcel_m 10.06.2016
3.
Zitat von schwester arnoWas soll das @harspastet? Wer hat geschrieben, dass Rumänien DER Topfavorit der EM ist? Auf die "nur" 2 Gegentore weisen so ziemlich alle, die sich mit dem Spiel heute Abend beschäftigen, hin. Insbesondere in Schweizer und Französichen Medien, 2 der 3 Gruppengegner. Es wird im Artikel auch explizit gesagt: "Ob diese Taktik auch gegen einen namhaften Gegner reicht, wird sich im Eröffnungsspiel zeigen". Der Artikel ist ausgewogen und bietet keinerlei Grund für Hochnässigkeit und Respektliosigkeit gegenüber den Gegner aus der Quali-Gruppe. Deutschland hat sich gegen Ungarn auch kein Bein rausgerissen.
Ob ich was gegen seine Hochnässigkeit habe, weiß ich nicht. Wegen mir kann er den Artikel bewässern. Oder die Rumänen. Wenn du "Hochnäsigkeit" meinst, stimme ich zu. Zynismus und Rethorik überwiegt Inhaltiches hier sehr oft. Viel besser mache ich es gerade selbst nicht.
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