Runder Tisch zu Katar »Wo gibt es dann noch eine rote Linie für den FC Bayern?«

Die Debatte über das Katar-Sponsoring wird beim FC Bayern München emotional geführt, bei der Jahreshauptversammlung war es zum Eklat gekommen. Nun traf man sich am runden Tisch, wieder wurde es hitzig.
Kritik an den Katar-Verbindungen des Klubs haben die Bayern-Fans schon häufiger geübt

Kritik an den Katar-Verbindungen des Klubs haben die Bayern-Fans schon häufiger geübt

Foto: Renate Feil/M.i.S. / imago images/MIS

Der FC Bayern München hat einen runden Tisch zum Streitthema Katar veranstaltet. Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer waren am Montag in der Allianz Arena für den deutschen Fußball-Rekordmeister bei dem Austausch dabei. An der Diskussion nahmen zehn Personen, unter anderen noch Hassan al-Thawadi, Cheforganisator der WM 2022, Ex-Außenminister Sigmar Gabriel, aber auch das Katar-kritische Bayern-Mitglied Michael Ott und Stephen Cockburn, Leiter wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International, teil.

Der FC Bayern hat einen bis 2023 laufenden Sponsorenvertrag mit der Fluglinie Qatar Airways. Die Geschäftsbeziehung mit Katar ist in der Fanszene des Klubs aber wegen der umstrittenen Menschenrechtssituation  im Gastgeberland der WM 2022 und der Arbeitsverhältnisse auf den WM-Baustellen ein Reizthema.

Bayern-Mitglied Ott hatte auf der turbulenten Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Herbst 2021 einen Spontanantrag einbringen wollen, um über das Sponsoring mit der Fluglinie abstimmen zu lassen. Das ließ das Präsidium nicht zu. Ott hatte daraufhin das Verhalten der FCB-Führung scharf kritisiert.

Katar wird immer wieder wegen systematischen Menschenrechtsverstößen und Ausbeutung von Migranten kritisiert. Die Regierung des reichen Emirats weist die Vorwürfe zurück und führt Reformen zugunsten der ausländischen Arbeiter an.

FC Bayern verteidigt Katar-Sponsoring

So verteidigt auch der FC Bayern München sein Engagement im WM-Gastgeberland Katar: »Nur durch Hinschauen und Dialog werden Verbesserungen angestoßen«, sagte Hainer beim runden Tisch. »Ich bin der festen Überzeugung, dass man diesem Land eine Chance geben muss!«

Kahn ergänzte im Rahmen der zweistündigen, teilweise hitzigen Diskussion, die Reformen in Sachen Menschenrechte würden »so ein bisschen abschätzig« betrachtet. Es sei »sehr, sehr viel passiert. Ich glaube, dass der Sport sehr, sehr viel bewegen kann.« Man dürfe nicht zu viel erwarten, aber »der Fußball kann ein sehr, sehr wichtiger Mosaikstein« sein.

Fan-Vertreter üben scharfe Kritik

»Seitdem der Fußball in Katar angekommen ist, bewegt sich einiges«, behauptete Kahn: »Natürlich ist es noch nicht so, wie wir uns das alle vorstellen. Aber am Dialog geht kein Weg vorbei. Dann bin ich zutiefst überzeugt, dass sich Dinge verändern.«

Die Bayern-Mitglieder Ott und Robin Feinauer hielten dagegen. »Die Frage stellt sich, wie viele Menschen sterben müssen, bis das Ende des Reformprozesses erreicht ist«, sagte Feinauer mit Blick auf die Arbeitsbedingungen. Ott zählte Missstände auf und meinte: »Wenn da keine rote Linie erreicht ist für eine Werbepartnerschaft, wo gibt es dann überhaupt noch eine rote Linie für den FC Bayern?«

mfu/sid/dpa
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