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Russlands EM-Team: Am liebsten unter sich

Foto: Jamie McDonald/ Getty Images

Gruppe B - Russland Ein Haufen Kumpels und ein Schalker

Bei Russland spielt fast der komplette EM-Kader in der heimischen Liga - nur Roman Neustädter nicht. Der Schalker war mal deutscher Nationalspieler und hat sich jetzt in Russland einbürgern lassen.

Als Deutschland das schnellste Tor seiner Länderspiel-Geschichte erzielte, stand Roman Neustädter im DFB-Trikot auf dem Platz. Von der Sechserposition aus sah er, wie Lukas Podolski im Mai 2013 bereits nach neun Sekunden im Freundschaftsspiel gegen Ecuador traf. In der zweiten Hälfte wurde der damals 25-Jährige ausgewechselt, und seine Karriere unter Trainer Joachim Löw war damit beendet: Es sollte Neustädters letzter von nur zwei Auftritten für die deutsche A-Nationalmannschaft bleiben.

Dennoch fährt der Schalker zur EM nach Frankreich - nicht für Deutschland, sondern für Russland. Der Defensivspieler hat vor Kurzem die russische Staatsbürgerschaft seiner Mutter angenommen. Nach Fifa-Statuten darf er damit ab sofort für die Sbortjana, wie das russische Nationalteam genannt wird, auflaufen. Denn nur wer bereits in Pflichtspielen für einen Verband gespielt hat, darf diesen nicht mehr wechseln.

Neustädters "Verpflichtung" verkörpert zum einen den Start einer Umstrukturierung im russischen Fußball. Bis zur Heim-WM 2018 will sich die Nationalmannschaft mit ausländischen Spielern gezielt verstärken. "Wir erwägen punktuelle Einbürgerungen, weil wir in den kommenden zwei Jahren niemand Neues aus der eigenen Jugend mehr heranziehen werden", sagte Sportminister Witali Mutko, der auch Präsident des russischen Fußballverbands ist. Guilherme Marinato, Torwart von Lokomotive Moskau und gebürtiger Brasilianer, ist bei der EM ebenfalls bereits für Russland dabei. Innerhalb der nächsten zwei Jahre könnten weitere Spieler folgen.

Neustädter einziger Legionär im russischen Kader

Zum anderen ist Neustädters Nominierung aber auch etwas Besonderes, weil der Bundesligaprofi der einzige Spieler im Kader ist, der in einer ausländischen Liga aktiv ist. Das hatte für Russland zuletzt fast schon Tradition: Bei den Europameisterschaften 2004, 2008 und 2012 gab es insgesamt nur fünf Legionäre. Bei der WM 2014 standen sogar ausschließlich Spieler aus der russischen Premier Liga im Kader.

Das bedeutet auch, dass sich viele der russischen Spieler sehr gut kennen. Die 23 Akteure stammen aus nur acht Vereinen, einzig die Ukraine greift auf genauso wenige Klubs zurück. Meister ZSKA Moskau stellt gleich sieben Spieler, vom Tabellendritten Zenit kommen fünf dazu. Damit hat der halbe Kader mit nur zwei Teams in der abgelaufenen Saison in der Champions League gespielt.

Neustädter landet also in einem ziemlich eingespielten Team. Er wird Unterstützung brauchen. Wie passend, dass mit Sergey Ignaschewitsch (115 Länderspiele, ZSKA Moskau) Russlands Rekordnationalspieler immer noch dabei ist und Neustädter viel weitergeben kann. Auch insgesamt verfügt die Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 28,8 Jahren über viel Erfahrung.

Rekordtorschütze Aleksander Kerschakow (30 Länderspieltore, FC Zürich) ist - anders als 2014 - nicht mehr dabei. Leonid Sluzki, der erste russische Trainer der Sbornaja seit knapp zehn Jahren, setzt stattdessen unter anderem auf Artem Dzyuba (acht Länderspieltore, Zenit St. Petersburg). Der Stürmer erzielte in der abgelaufenen Champions-League-Saison sechs Treffer und soll nun helfen, Russland ins Achtelfinale zu führen. Sollte sich das Team als Gruppendritter qualifizieren, könnte es in der ersten K.-o.-Runde für Roman Neustädter ein besonderes Wiedersehen geben: Denn dann ist ein Achtelfinale gegen Deutschland möglich.

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Foto: Cugnot Mathieu/ dpa

Von Albanien bis Deutschland: 24 Teams treten bei der EM in Frankreich an. SPIEGEL ONLINE stellt alle Mannschaften vor. Die Texte in der Übersicht:Gruppe A

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