Saisonstart in der Serie A Ciao, Catenaccio!

Mario Gomez! Carlos Tevez! Gonzalo Higuaín! Mario Balotelli! Wer glaubt, italienischer Fußball hätte nur etwas mit Catenaccio zu tun, der wird in der kommenden Serie-A-Saison eines Besseren belehrt werden. Viele Top-Clubs haben ihre Sturmreihen groß aufgerüstet.

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Hamburg - In Italien, so geht in Deutschland das Gerücht, gehen Spiele meist 1:0 aus. Der Catenaccio, dieser unüberwindliche Abwehrriegel, die schlitzohrigen Verteidiger, die defensiv denkenden Trainer - keine guten Voraussetzungen für offensiven Spaßfußball. Am Wochenende startet die Serie A in ihre 82. Runde. Grund genug, sich von alten Klischees zu verabschieden. Denn spannend sind in Italien derzeit: die Sturmreihen.

Juventus Turin, Neapel, Florenz - die Top-Clubs haben in der Offensive stark nachgerüstet, beim AC Mailand vertraut man weiter auf die Kongenialität zweier exzentrischer Nationalspieler. Zeit, sich mit den (möglichen) Offensiv-Duos der Titelkandidaten näher zu beschäftigen.

  • Juventus Turin: Fernando Llorente & Carlos Tevez

Alles neu beim Meister: In Fernando Llorente und Carlos Tevez sind zwei Angreifer zum Club gestoßen, die sich bei ihren vorigen Vereinen mit ihren Trainern überworfen hatten. Welt- und Europameister Llorente, von Athletic Bilbao gekommen, wurde in der vergangenen Saison ganze 28 Mal (!) eingewechselt, einen Stammplatz hatte er durch seinen offen gezeigten Wechselwillen und dem daraus resultierenden Streit mit Coach Marcelo Bielsa verspielt. In Turin will er einen Neuanfang, von Trainer Antonio Conte ist er überzeugt: "Ich bin sehr glücklich, unter ihm trainieren zu dürfen. Seine Methoden sind exzellent."

Carlos Tevez: "Ich war erschöpft"
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Carlos Tevez: "Ich war erschöpft"

Auch Llorentes neuer Sturmpartner Carlos Tevez kennt Ärger mit Übungsleitern gut: Der Argentinier lieferte sich bei Manchester City eine langwierige Auseinandersetzung mit dem Italiener Roberto Mancini. Zwar versöhnten sich beide, doch am Ende der Saison wollte Tevez sogar seine Karriere beenden: "Ich war wirklich erschöpft." Doch dann kam die Anfrage von Juventus Turin, "und ich änderte meine Meinung", sagt der 29-Jährige.

Ob er mit Conte, der in Mirko Vucinic noch einen weiteren guten Angreifer zur Verfügung hat, zurechtkommt? "Carlos ist ein wahrer Champion", sagt der frühere argentinische Nationspieler Hernan Crespo, der selbst lange in Italien gespielt hat (150 Tore für Parma, Lazio, Inter, Milan und Genua): "Es wird interessant zu sehen, wie er und Conte zusammenarbeiten, denn beide sind absolute Winner-Typen." Sein erstes Pflichtspieltor hat Tevez bereits erzielt: Im Supercup traf er beim 4:0-Sieg gegen Lazio Rom.

  • SSC Neapel: Gonzalo Higuaín & Goran Pandev

Bei Neapel beginnt das Jahr eins nach Edison Cavani. Der Weggang des Torschützenkönigs der Serie A (29 Treffer) nach Paris wurde durch die Verpflichtung eines anderen Top-Angreifers kompensiert: Aus Madrid kam Gonzalo Higuaín für 40 Millionen Euro. "Er ist sehr stark und war ein Schlüsselspieler bei Real", sagt Coach Rafael Benítez: "Es ist wichtig, solche Top-Spieler zu verpflichten, wenn Neapel sich weiterentwickeln will. Ich bin überzeugt, dass er unser Top-Torjäger wird."

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Auch der Coach selbst ist neu in Neapel - und trifft dort auf Goran Pandev, den zweiten potentiellen Stamm-Angreifer. Pandev und Benitez - diese Zusammenarbeit gab es schon einmal, erfolgreich war sie nicht. Bei Inter Mailand ließ der Trainer den Mazedonier nicht zum Zuge kommen, doch nun sieht dieser seine Chance: "Benitez ist viel umgänglicher als damals. Ich freue mich, dass er findet, dass ich mich positiv entwickelt habe", sagt Pandev, der sich hohe Ziele gesteckt hat: "Es liegt an uns Angreifern, dass das Team den Weggang von Cavani nicht merkt."

  • AC Mailand: Mario Balotelli & Stephan El Shaarawy

Sie sind das Traumpaar des italienischen Fußballs: Die Nationalstürmer Mario Balotelli und Stephan El Shaarawy. Bei Balotelli, so hofft man jede Saison aufs Neue, scheinen die Zeiten des "Enfant Terribles" vorbei zu sein. Na klar, er hat nun ein Hausschwein und überrascht mit (wohl gestellten) Klavierkünsten - doch mittlerweile kokektiert der Nationalstürmer eher mit seiner Exzentrik, als dass diese ihn beim Fußballspielen stört: 12 Ligatore in 13 Spielen hat er seit seinem Wechsel von Manchester City im Winter erzielt. "Er hat sich sehr gut angepasst", sagt Mitspieler Kevin Prince Boateng. Und Milan-Trainer Massimiliano Allegri droht schon: "Ich erwarte, dass er noch besser wird."

Mario Balotelli: "Er wird noch besser"
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Mario Balotelli: "Er wird noch besser"

Dem 23-jährigen Balotelli zur Seite steht El Shaarawy. In der vergangenen Saison feierte der Mann mit der auffälligen Frisur seinen Durchbruch, erzielte in 37 Spielen 16 Tore, oft spielte er dabei auf der Außenbahn. Allerdings gelang ihm sein letzter Treffer am 26. Spieltag - danach begann eine Flaute. "Er ist ein junger Spieler, der noch die Balance finden muss", sagt Milan-Coach Allegri, der auch noch den Brasilianer Robinho für den Sturm zur Verfügung hat.

El Shaarawy und Balotelli - das scheint nicht nur auf dem Platz zu funktionieren: "Mario und ich sind mehr als Mannschaftskollegen, wir sind echte Freunde. Er hat mir geholfen, als es für mich nicht gut lief", sagt der 20-Jährige.

  • AC Florenz: Mario Gomez & Giuseppe Rossi

Florenz-Verteidiger Gonzalo Rodriguez ist überzeugt: "Rossi und Gomez können eines der besten Sturmpaare Europas werden." Vor allem die Verpflichtung des deutschen Nationalstürmers sorgt für Begeisterung. Bei Bayern aussortiert, sind in Florenz alle von seinen Goalgetter-Qualitäten überzeugt. Zu Recht, denn in der vergangenen Saison schoss er trotz Reservistenrolle 19 Tore. In Florenz wurde Gomez begeistert empfangen. "Marios Leben dort wird überragend, er wird behandelt wie ein Gott", kündigt denn auch Milans Boateng an.

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Ihm zur Seite steht wohl Giuseppe Rossi, der nach zwei schweren Verletzungen am linken Knie, darunter ein Kreuzbandriss, nach seinem Wechsel im Winter nur zwei Spiele absolvieren konnte. Rossi gilt schon lange als Italiens große Sturmhoffnung, mit nun 26 Jahren wird es allerdings höchste Zeit für den Durchbruch.

Vier Teams, vier Sturm-Duos, ein Ziel: der "Scudetto". Wer das Rennen macht? Zuversichtlich sind jedenfalls alle: "Das Ziel muss heißen: dritte Meisterschaft", sagt Juves Llorente. Auch Neapels Higuaín glaubt: "Wir haben das Potential für den Titel." Milans Boateng ist sicher: "Wir sehen uns dieses Jahr an der Spitze." Und Rossi vom AC Florenz verspricht: "Wir spielen bis zum Ende um die Meisterschaft."

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
-Anis- 24.08.2013
1. Verfrühter Optimismus
Den Optimismus des Autors kann ich aus zwei Punkten nicht ganz nachvollziehen. Zum einen haben italienische Vereine auch früher schon viel Geld für offensive Spieler ausgegeben. Jedoch nützen die tollsten Offensivspieler nicht viel, wenn das System defensiv ausgerichtet ist und das wird sich erst einmal zeigen, ob sich daran etwas geändert hat bzw. wird. Zum anderen stört sich am Catenaccio unter den italienischen Fans niemand. Dem Italiener (Fans, Medien, etc.) ist ein 1:0 viel lieber als ein 4:3. Und zum Schluss muss ich noch konstatieren, dass es im Grunde aber egal ist, was und wie dort gespielt wird. Unter den Top-Ligen Europas ist die italienische die wohl unattraktivste. Hässliche Stadien, unattraktiver Fußball, psychopathische Fans, Korruption bis zum geht-nicht-mehr, usw., usf.
derstarkeüberlebt 24.08.2013
2.
Das was man als Catenaccio bezeichnet ist nichts anderes als taktisches und intelligentes fussball spielen....mittlerweile in ganz europa verbreitet. für manche kann dann ein 1:0 langweilig wirken,wiederum ist ein spiel auf englischer art mit 1000 (fehl)pässe eine vergewaltigung dieses wundervolle sports. grüsse an al diejenigen die meine das wort catenaccio zu verstehen und dabei selber noch nie spiele der serie a gesehen zu haben. ach so... serie a ist höchste liga italiens. :-)
mrdhero 24.08.2013
3. leider..
stimmt dies nicht ganz denn in den letzen jahren wurde in der serie a nicht viel ausgegeben an top spielern
JolietJakeblues 24.08.2013
4.
Zitat von -Anis-Den Optimismus des Autors kann ich aus zwei Punkten nicht ganz nachvollziehen. Zum einen haben italienische Vereine auch früher schon viel Geld für offensive Spieler ausgegeben. Jedoch nützen die tollsten Offensivspieler nicht viel, wenn das System defensiv ausgerichtet ist und das wird sich erst einmal zeigen, ob sich daran etwas geändert hat bzw. wird. Zum anderen stört sich am Catenaccio unter den italienischen Fans niemand. Dem Italiener (Fans, Medien, etc.) ist ein 1:0 viel lieber als ein 4:3. Und zum Schluss muss ich noch konstatieren, dass es im Grunde aber egal ist, was und wie dort gespielt wird. Unter den Top-Ligen Europas ist die italienische die wohl unattraktivste. Hässliche Stadien, unattraktiver Fußball, psychopathische Fans, Korruption bis zum geht-nicht-mehr, usw., usf.
Da spricht der Italien-Kenner! Der italienische Fan möchte seine Mannschaft siegen sehen. Basta! In der Hinsicht unterscheidet er sich vom deutschen oder spanischen Fan - in keinster Weise. Ich habe natürlich keine Ahnung, wieso du meinst, ein intimer Kenner des italienischen Fussballs zu sein. Für mich ist dein ganzer Beitrag nur vourteilsbeladener Bullshit. Übrigens, "Catenaccio" wird seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt...
neu_ab 24.08.2013
5. Fußballerfrisuren
Nennt mich von mir aus altmodisch, aber irgendwie passten Vokuhilas irgendwie besser zum Fußball...
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