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31. Mai 2004, 13:26 Uhr

Sammer zum VfB

"Junge Wilde sollen ausgebaut werden"

Die Rückkehr Matthias Sammers nach Stuttgart ist perfekt. Der frühere VfB-Profi, der gestern seinen Vertrag bei Borussia Dortmund vorzeitig aufgelöst hatte, wird den Uefa-Cup-Teilnehmer in der kommenden Saison trainieren.

VfB-Coach Sammer: "Besonderer Trainer für einen besonderen Verein"
DDP

VfB-Coach Sammer: "Besonderer Trainer für einen besonderen Verein"

Stuttgart - "Es ging alles sehr schnell in den letzten Tagen. Ich werde versuchen, die sehr gute Arbeit von Magath in Stuttgart fortzusetzen. Die Perspektive ist mit einem jungen und hungrigen Team mit älteren Leitwölfen gegeben", sagte Sammer heute bei seiner Vorstellung. Mit seinem bisherigen Club Borussia Dortmund hatte er sich gestern auf eine vorzeitige Auflösung des bis 2006 datierten Vertrages geeinigt.

Der 36-Jährige hatte von 1990 bis 1992 63 Bundesligaspiele für die Stuttgarter bestritten und mit dem Team 1992 die deutsche Meisterschaft geholt. Sammer, der beim VfB einen Drei-Jahres-Vertrag bis 2007 unterschrieb, löst Felix Magath ab, der zum FC Bayern München gewechselt ist.

"Wir wollten für einen besonderen Verein einen besonderen Trainer, der den Verein, die Liga und den europäischen Fußball kennt. Die jungen Wilden sollen ausgebaut werden", betonte der Stuttgarter Präsident Erwin Staudt, "uns Schwaben imponiert es, wenn einer ein Schaffer ist."

Nachdem Sammer in Dortmund bislang knapp drei Millionen Euro pro Jahr verdient hat, wird er bei seinem neuen Arbeitgeber große finanzielle Abstriche machen müssen. "Aber Geld spielt im Leben nicht immer eine Rolle", sagte der 51-malige Nationalspieler, der 1997 seine Karriere beenden musste, "ich habe keine Motivationsprobleme, wenn ich weniger verdiene."

Im Gegensatz zu Magath wird Sammer in Stuttgart nicht als Teammanager fungieren, sondern sich auf die sportlichen Belange konzentrieren. Für die künftigen Manager-Aufgaben sind Jochen Schneider, Assistent der Geschäftsleitung, sowie Talentscout Herbert Triem vorgesehen. "Mit diesen beiden erfahrenen Mitarbeitern können wir beste Klasse in Deutschland aufbieten", so Staudt.

Van Marwijk Topfavorit auf Sammer-Nachfolge

"Wir sind gemeinsam und einvernehmlich zu der Meinung gelangt, dass die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt die beste Lösung ist", hatte BVB-Präsident Gerd Niebaum die Entscheidung begründet. Sammers Nachfolger will die Borussia in den nächsten Tagen vorstellen. Favorit ist der Niederländer Bert van Marwijk. Der Vertrag des 52-Jährigen bei Feyenoord Rotterdam läuft zum Saisonende aus.

Van Marwijk hat bereits - nach eigenem Bekunden - "gute Gespräche" mit der BVB-Führung geführt. "Wir sind sehr weit mit ihm und können uns eine Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Wir wollen keine Hängepartie", bestätigte Niebaum.

Sammer zuletzt ohne Erfolg in Dortmund

"Wir haben offene und faire Gespräche geführt und gemeinsam entschieden, das Vertragsverhältnis aufzuheben", sagte Sammer über seinen Abschied aus Dortmund, "ich denke, dass eine Veränderung beim BVB zu neuer Aufbruchstimmung führen wird und dass der Verein wieder in ruhigeres sportliches Fahrwasser gelangt."

Mit dem BVB war Sammer 2002 Meister geworden. In den beiden vergangenen Spielzeiten waren die Erfolge jedoch ausgeblieben. 2003 hatte der Club die Champions League verpasst, dieses Jahr gelang nicht einmal die direkte Qualifikation für den Uefa-Cup.

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