Neuer Hertha-Trainer über Ex-Klub »Innere Zerrissenheit« – Schwarz verteidigt Engagement bei Dynamo Moskau

Als einziger deutscher Trainer blieb Sandro Schwarz nach dem Angriff auf die Ukraine in Russland. Der neue Hertha-Trainer kann die Kritik daran verstehen – und versucht, seine Entscheidung zu erklären.
»Fühlt sich befreiend an«: Sandro Schwarz über seine Rückkehr aus Russland

»Fühlt sich befreiend an«: Sandro Schwarz über seine Rückkehr aus Russland

Foto: Alexander Vilf / SNA / IMAGO

Russlands Angriff auf die Ukraine markierte auch in der Sportwelt eine Zäsur. Zahlreiche Wettbewerbe wurden für Teilnehmer aus Russland gesperrt, Highlights wie das Finale der Champions League wurden in andere Länder verlegt. Viele Aktive entschieden sich zudem, ihr Engagement bei russischen Klubs zu beenden.

Sandro Schwarz wählte einen anderen Weg. Er blieb auch nach Kriegsbeginn bei Dynamo Moskau. Inzwischen steht er als neuer Trainer von Bundesligist Hertha BSC unter Vertrag – und hat sich nun über sein Engagement in Russland geäußert. Er habe angesichts der »schrecklichen Bilder« aus der Ukraine »eine innere Zerrissenheit gespürt«, sagte Schwarz nach seiner Verpflichtung. »Jeder kennt meine Haltung zu diesem Angriffskrieg.«

Geblieben sei er wegen der Menschen bei Dynamo Moskau. Die Spieler, Betreuer und Klubverantwortliche dort seien »gute Menschen, die zu dem Thema eine klare Haltung haben, wie wir alle hier«, sagte Schwarz. Oft hätten russische Spieler bei ihm gesessen und man habe »gemeinsam geweint«.

»Es ging darum, den Menschen vor Ort zu helfen.«

Seine Entscheidung, bis zum Saisonende in Moskau zu bleiben, habe »nichts mit Sport, Titeln oder finanziellen Aspekten« zu tun gehabt, sagte Schwarz. »Es ging einzig und allein darum, den Menschen vor Ort zu helfen.« Er habe gespürt, dass er in dieser »sehr emotionalen Zeit« ein Anker für die Leute bei Dynamo gewesen sei.

Für seinen Verbleib in Moskau nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wurde Schwarz kritisiert, zumal seine deutschen Trainerkollegen Markus Gisdol (Lokomotive Moskau) und Daniel Farke (FK Krasnodar) Russland sofort verlassen hatten.

»Es geht nicht um mich. Ich fühle mich verantwortlich und werde hier beim Klub bleiben«, sagte Schwarz damals. Seinen Abgang verkündete der ehemalige Trainer von Bundesligist Mainz 05 erst nach dem verlorenen Pokalfinale am Wochenende. Die Kontroverse um seinen Verbleib könne er verstehen, sagte Schwarz. Er sei dennoch froh, nun zurück in Deutschland zu sein: »Jetzt fühlt es sich befreiend an«.

Bei der Hertha hat Schwarz als Nachfolger von Felix Magath einen Vertrag bis Mitte 2024. Die Berliner hatten den Bundesliga-Verbleib erst in der Relegation gegen den Hamburger SV gesichert. 

kjo/dpa/sid
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