SC Freiburg
Abdessadki erringt Sieg im Shampoo-Streit
Ende einer Gerichtsposse: Der Streit um vier Shampoo-Flaschen ist für den SC Freiburg zum Desaster geraten. Der Bundesligist zog in dem Verfahren alle Anschuldigungen gegen seinen ehemaligen Spieler Yacine Abdessadki zurück. Dabei scheint es dem Club von Anfang um etwas anderes gegangen zu sein.
Ex-Freiburger Abdessadki: "Unmöglich, einen neuen Verein zu finden."
Foto: Patrick Seeger/ dpa
Hamburg - Schlüssig klang der Fall um Yacine Abdessadki von Beginn an nicht. Da soll ein gut verdienender Bundesliga-Profi in einem Hotel vier Flaschen Shampoo geklaut haben. Als der angebliche Diebstahl im Dezember auffliegt, kündigt Abdessadkis Arbeitgeber, der Bundesligist SC Freiburg, dem französisch-marokkanischen Mittelfeldspieler fristlos. Der Ruf von Abdessadki ist ruiniert, er nimmt sich einen Anwalt und zieht vor das Arbeitsgericht.
Dort endete das Verfahren nun mit einem Vergleich - und einer peinlichen Schlappe für die Freiburger. Der Club zog alle Anschuldigungen zurück und sicherte seinem langjährigen Spieler eine Abfindung zu. Die Freiburger haben den Franzosen rehabilitiert, indem sie öffentlich einräumen, "dass die gegen Herrn Yacine Abdessadki erhobenen Vorwürfe sich nach Überprüfung und weiteren Ermittlungen nicht bewahrheitet haben". Laut Informationen der "Badischen Zeitung" hatte Abdessadki mit seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Garra Dembélé zuvor einen Zeugen präsentiert, der ihn entlastet hatte.
Der Verein und der 31 Jahre alte Spieler einigten sich darauf, dass der ursprünglich bis zum 30. Juni 2013 laufende Vertrag aufgelöst wird und dass Abdessadki vom Sport-Club eine Abfindung erhält. Deren Höhe liegt laut der "Badischen Zeitung" im sechsstelligen Bereich. "Wir bedauern sehr, wie das gelaufen ist. Es steht völlig außer Frage, dass das keine gute Sache für den SC Freiburg ist", sagte Vereinssprecher Rudi Raschke.
"Wir wissen, dass wir definitiv die falschen Schritte eingeleitet haben"
Der Club muss sich nun mindestens den Vorwurf gefallen lassen, vorschnell und fahrlässig gehandelt zu haben. Denn von Anfang an gab es bei dem Fall einige Ungereimtheiten: Ein Kölner Hotel stellte dem SC Freiburg kurz nach der 0:4-Niederlage beim 1. FC Köln am 10. Dezember mehrere Shampoo-Flaschen in Rechnung. Nach einem Bericht der "Badischen Zeitung" hätte der Verein schon anhand dieses Schreibens erkennen können, dass auch Abdessadkis Zimmernachbar Dembélé für die Mitnahme der Flaschen in Frage kam. Doch der Stürmer aus Mali sei dazu nie befragt worden. Vor Gericht sagte Dembélé, dass er die Shampoo-Flaschen bei der Rezeption bestellt und eine von ihnen an Abdessadki weitergereicht habe. "Wir wissen, dass wir definitiv die falschen Schritte eingeleitet haben", sagte SC-Sprecher Raschke nun kleinlaut.
Es steht aber auch der Vorwurf im Raum, dass der Verein eine gute Gelegenheit gesehen hat, einen Spieler loszuwerden, mit dem er sportlich nicht mehr plante. Die fristlose Kündigung erfolgte genau an jenem 20. Dezember, an dem auch fünf weiteren Profis nahegelegt wurde, zu gehen.
Am Ende gibt es in diesem Fall aber nur Verlierer: Der SC Freiburg hat durch den Fall einen heftigen Imageschaden erlitten. Und Abdessadki hat nun Schwierigkeiten, einen neuen Verein zu finden. Schon am 9. Februar sagte sein Anwalt Werner Schurig: "Ich sehe die Notwendigkeit, Herrn Abdessadkis Ehre wiederherzustellen. Er ist europaweit behaftet mit diesem Stigma. Von Norwegen bis Dubai ist es unmöglich, einen neuen Verein zu finden."