Unruhe beim SC Freiburg "Unsere Spieler werden wie auf dem Viehmarkt angeboten"

Freiburg droht die so typische Gelassenheit abhanden zu kommen, im Umfeld des Vereins rumort es. Ob der guten Saison buhlt die Konkurrenz um die SC-Profis. Nun platzte Trainer Christian Streich der Kragen, er beklagt eine "wahnsinnige Unruhe" im Club.

Freiburg-Trainer Streich: "Wahnsinnige Unruhe"
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Freiburg-Trainer Streich: "Wahnsinnige Unruhe"


Hamburg - Der SC Freiburg steht für eine ausgezeichnete Jugendarbeit, angenehme Bescheidenheit - und eine verlässliche Defensivarbeit. Lediglich 23 Gegentore kassierte der Club in den ersten 24 Saisonspielen, nur Tabellenführer Bayern München verteidigte besser. Der SC belegte Rang fünf, die Europa League schien möglich.

Nur zwei Wochen später fällt die Bilanz anders aus. Fünf Gegentore bekam Freiburg zuletzt im Heimspiel gegen Wolfsburg (2:5), nun gab es auch in Dortmund eine 1:5-Pleite. Der SC ist nur noch Achter, damit aber noch immer über den eigenen Ansprüchen. Das eigentliche Problem: Die Stimmung ist so schlecht wie lange nicht mehr.

"Dass wir in zwei Spielen zehn Gegentore kriegen, ist ja auch nicht ganz normal. Aber wir haben natürlich eine wahnsinnige Unruhe", sagte Christian Streich nach der Niederlage in Dortmund "LIGA total". Den Trainer empört, dass die Mannschaft, die der Verein "schön zusammengearbeitet und zusammengebastelt" hat, nun auseinanderzubrechen droht.

Vergangene Woche entschied sich Offensivspieler Jan Rosenthal seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, er wechselt zu Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt. Weitere Abgänge könnten folgen. Der "kicker" berichtet, dass Max Kruse und Daniel Caligiuri in ihren Verträgen Ausstiegsklausel in Höhe von deutlich über zwei Millionen haben.

Streich beklagt "üble Mechanismen" des Transfergeschäfts

Kruse, erst vor der Saison vom FC St. Pauli gekommen, ist mit sieben Toren und sieben Vorlagen der gefährlichste Offensivspieler Freiburgs, Caligiuri kommt auf je fünf Tore und Vorlagen. Werte, die Interesse bei der Konkurrenz geweckt haben. "Unsere Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt. In den großen Zeitungen stehen die Ausstiegsklauseln mit Beträgen", beklagt Streich, der von "üblen Mechanismen" von "Händlern und Zwischenhändlern" spricht.

Seit jeher kann Freiburg seine besten Spieler nicht halten, zu überschaubar sind die finanziellen Rahmenbedingungen des Vereins. Im Winter 2012 wechselte Stürmer Papiss Demba Cissé für zwölf Millionen Euro nach Newcastle, Ömer Toprak hatte den Club sechs Monate zuvor nach Leverkusen verlassen.

Bisher hat Freiburg die Abgänge meist gut kompensieren können, vor allem dank des guten Nachwuchses. Doch auch die talentierten Eigengewächse wie U21-Nationaltorwart Oliver Baumann, Innenverteidiger-Talent Matthias Ginter und Sechs-Tore-Mann Jonathan Schmid haben in dieser Saison das Potential gezeigt, bei einem Club spielen zu können, der dauerhaft international vertreten ist. Eine Voraussetzung, die Freiburg nach wie vor nicht bieten kann.

Borussia Dortmund - SC Freiburg 5:1 (3:1)
0:1 Schmid (28.)
1:1 Lewandowski (41.)
2:1 Sahin (44.)
3:1 Lewandowski (45.+1)
4:1 Sahin (73.)
5:1 Bittencourt (78.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Gündogan, Sahin - Blaszczykowski (76. Großkreutz), Götze (77. Bittencourt), Reus (81. Schieber) - Lewandowski
Freiburg: Baumann - Sorg (79. Mujdza), Ginter, Krmas, Günter - Schuster (71. Diagne), Flum - Schmid, Daniel Caligiuri (81. Guede) - Max Kruse, Terrazzino
Schiedsrichter: Weiner
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Subotic (4) - Schuster (8), Mujdza (7)

leh

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
SirJazz 16.03.2013
1. optional
Das ist die Schwäche der deutschen Bundesliga. Es gibt halt nur wenige Clubs mit viel Geld und die kaufen sich halt die Talente. Einige Vereine horten dann die Spieler auf der Bank (lewandoski geht zu Bayern... 5 Stürmer?). Um den deutschen Fußball attraktiver zu machen braucht man mechanismen oder invrstoren die den kleineren vereinen auch eine Chance geben. In der italienischen Liga ist es aber noch dramatischer. Die untere tabellenhälfte ist voll mit "armen" teams, die keinen talentierten Spieler halten können. Ein Blick nach England zeigt aber, dass es auch Ligen gibt wo sich durchschnittliche Clubs auch top Spieler leisten können. Für einen Spieler ist es auch attraktiver in einer Liga mit vielen gefährlichen mannschaftrn zu spielen.
mmff 16.03.2013
2.
Zitat von SirJazzDas ist die Schwäche der deutschen Bundesliga. Es gibt halt nur wenige Clubs mit viel Geld und die kaufen sich halt die Talente. Einige Vereine horten dann die Spieler auf der Bank (lewandoski geht zu Bayern... 5 Stürmer?). Um den deutschen Fußball attraktiver zu machen braucht man mechanismen oder invrstoren die den kleineren vereinen auch eine Chance geben. In der italienischen Liga ist es aber noch dramatischer. Die untere tabellenhälfte ist voll mit "armen" teams, die keinen talentierten Spieler halten können. Ein Blick nach England zeigt aber, dass es auch Ligen gibt wo sich durchschnittliche Clubs auch top Spieler leisten können. Für einen Spieler ist es auch attraktiver in einer Liga mit vielen gefährlichen mannschaftrn zu spielen.
LigEN? Die premier league ist die einzige solche Liga. In Spanien sind die unterschiede ähnlich wie in Italien. Und die bloße stärke der Konkurrenz ist ebenso wie die Attraktivität für Spieler eine Konsequenz des Geldes. Denn welcher Weltklassespieler würde in einer Liga spielen, in der der er relativ wenig Geld verdient und noch dazu die Konkurrenz so stark ist und vielleicht so
linokessel 16.03.2013
3. Investoren
Genau aus o.g. Gründen müssen massive Investorenbeteiligungen wie bei Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen noch weiter eingeschränkt werden! Die Bundesliga lebt von ihrer Vielfältigkeit, es herrschen hier keine spanischen Verhälnisse, nicht nur 2 Mannschaften dominieren eine ganze Liga, dass muss so bleiben!
doktorfeinfinger 16.03.2013
4. Geld, Geld, Geld
Wenn ich diese Geschichten um millionenschwere Ablösesummen höre, kann einem die Lust am Fußball vergehen. Warum denket man im Fußball nicht über eien Regelung wie beim Yachtsegeln nach: Dort segeln Highspeedyachten gegen einfache Yachten und am Ende bekommt erstere einen Malus, letztere einen Bonus auf die gesegelte Zeit berechnet. So werden unterschiedliche finazielle Möglichkeiten nivelliert und das seglerische Können tritt wieder in den Vordergrund. Warum führt man so etwas nicht auch im Profifußball mit seinen absurden Ablösen ein? Erst durch kleine Vereine, die einem Großen auch mal ein Bein stellen können, entsteht doch die samstägliche Show. Wenn nur die durch Millionen gemästetetn Starensembles gegeneinander antreten würden, würde sich doch schnell kaum ein Mensch mehr interessieren... Klingt ein wenig abgefahren, aber wäre das nicht mal eine Idee, die man Uli Hoeness unterbreiten sollte?
mensch-maennlich 16.03.2013
5.
Das Modell der US amerikanischen Football Liga NFL ist für diesem Zweck sehr nützlich. Da sind die Spielstärken dank "salary cap" ziemlich ausgeglichen. Dabei darf jeder Verein insgesamt nur eine bestimmte Summe an Gehalt für alle Spieler auszahlen. Außerdem werden auch die Fernsehgelder, die einen Großteil der Einnahmen ausmachen, gleichmässig auf alle Vereine verteilt. Allerdings sind dort die Vereine keine eigenständigen Organisationen, sondern sozusagen Lizensunternehmen der Liga und die Liga ist ein Unternehmen. Natürlich könnte man sowas gerade wegen der Champions League nur auf europäischer Ebene durchsetzen und das ist wohl, wie ja auch in der EU so vieles, einfach nicht machbar, weils immer einige (zu viele) gibt, die dagegen sind.
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