Wurf-Attacke bei Bundesligaspiel Schädelprellung und Schleudertrauma bei Schiedsrichterassistent Gittelmann

Er wurde von einem vollen Becher am Hinterkopf getroffen, musste ins Krankenhaus. Nun ist Christian Gittelmann wieder zu Hause – und fordert harte Konsequenzen. Dem VfL Bochum droht mehr als ein Punktverlust.
In die Knie gezwungen: Christian Gittelmann

In die Knie gezwungen: Christian Gittelmann

Foto: Bernd Thissen / dpa

Schiedsrichterassistent Christian Gittelmann hat nach der Becher-Attacke in Bochum harte Strafen gefordert. »Eine flächendeckende Null-Toleranz-Politik mit einem klar definierten und für alle im Vorfeld bekannten und harten Strafmaß sollte ausgearbeitet werden«, sagte Gittelmann in einem Interview  auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nur so seien »Gewalttaten« gegen die Unparteiischen – vor allem auch »auf den Amateurplätzen« – zu vermeiden.

Gittelmann war im Spiel des VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach nach knapp 70 Minuten von einem gefüllten Becher am Hinterkopf getroffen worden. Schiedsrichter Benjamin Cortus unterbrach zunächst die Partie und brach sie dann endgültig ab. »Bei einem tätlichen Angriff auf einen Spieloffiziellen ist ein Spielabbruch einfach alternativlos«, sagte Cortus später.

»Der Treffer hat mich mitgenommen, zumal es mich mit voller Wucht und unerwartet am Kopf getroffen hat«, teilte Gittelmann mit, der sich nach dem Vorfall im Krankenhaus untersuchen ließ. Florian Heft, Cortus' zweiter Assistent, hatte Gittelmann begleitet. »Es wurde eine Schädelprellung und ein Schleudertrauma diagnostiziert.«

Für Länderspiel-Einsatz eingeplant

Die Tat mache ihn »fassungslos«. Gittelmann ergänzte: »Wir haben den Krieg in der Ukraine mit seinen Auswirkungen für uns alle. Gerade in Zeiten, in denen Zusammenhalt und Rücksicht in unserer Gesellschaft endlich einen führenden Platz haben sollten, braucht niemand solche Bilder.«

Er werde sich ein paar Tage nehmen, »um zur Ruhe zu kommen und die Sache zu verarbeiten«. Dann möchte er »schnellstmöglich wieder auf den Platz zurückkehren«. Am kommenden Wochenende sei er für einen Länderspiel-Einsatz eingeplant.

Es war der achte Spielabbruch in der Fußball-Bundesliga. Der DFB-Kontrollausschuss wird am Montag die Ermittlungen aufnehmen. Laut dem Sportgerichtsvorsitzenden Stephan Oberholz wird es ein Spielwertungsverfahren und ein Strafverfahren »gegen den Klub, dessen Anhänger sich entsprechend verhalten haben«, geben.

Borussia Mönchengladbach, das zum Zeitpunkt des Abbruchs 2:0 führte, wird die Punkte aller Voraussicht nach zugesprochen bekommen. Aufsteiger Bochum, der nach der Aufhebung der meisten Coronabeschränkungen erstmals wieder 25.000 Fans ins Stadion lassen durfte, droht zudem ein Geisterspiel.

Vor elf Jahren, als ebenfalls ein Bierbecher einen Linienrichter traf, wurde der FC St. Pauli zusätzlich zur Niederlage am Grünen Tisch eben dazu verurteilt. Im Nachhinein wurde die Strafe auf ein Spiel in einem mindestens 50 Kilometer entfernten Stadion abgemildert. Der Klub bezifferte den Einnahmeverlust auf mehr als 400.000 Euro.

sak/sid/dpa
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