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Schalke in der Champions League Bloß kein Spektakel

Die Organisation auf dem Platz stimmt, fehlt noch die Torgefahr. Vor dem Spiel gegen Sporting Lissabon ist Trainer Di Matteo zuversichtlich - obwohl die Schalker auf einen Spieler treffen, der ihnen schon mal einen Abend verdarb.
Von Mirjam Rüscher und Ronny Zimmermann

Hamburg - Wer noch Fragen hat, kann sich die Übung gerne noch mal erklären lassen. Bei jeder Trainingseinheit hat Roberto Di Matteo sein Klemmbrett dabei. In einer Mappe, etwa so groß wie ein A4-Blatt, sammelt er Skizzen zu Trainingsformen und Notizen zur Taktik. Die Aufzeichnungen helfen den Profis von Schalke 04, die neuen Ansätze des Trainers besser zu verstehen.

Nach Ballgewinn sollen die Schalker sofort in die Spitze spielen, ohne viel Zeit zu verlieren - so sieht es der Plan von Di Matteo vor. Das gilt auch für das Champions-League-Spiel am Abend gegen Sporting Lissabon (20.45 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky). Doch ausgerechnet in der Offensive war Schalke zuletzt kaum präsent.

Im Bundesligaspiel am vergangenen Wochenende gegen Hertha BSC (2:0), dem ersten unter Di Matteo, gab Schalke nur drei Schüsse auf das Tor ab, ein schwacher Wert. Immerhin: Zwei davon landeten im Netz, zumindest die Effektivität stimmte.

"Wir müssen es künftig schaffen, den Ballbesitz zu erhöhen, uns zwischen den verschiedenen Reihen noch besser abzustimmen, dann kreieren wir auch mehr Chancen", sagte Di Matteo. Er ist seit drei Wochen im Amt und war trotz fehlender Torgefahr mit dem Auftritt zufrieden.

Di Matteo wählt Sicherheit statt Spektakel

"Die Spielweise können wir noch verbessern, aber die Organisation meiner Mannschaft war gut", sagte der Coach. Dass Schalke in der Defensive stabil stand, lag vor allem an seiner Taktik. Das Zentrum war fest geschlossen, die "Sechser" unterstützten immer wieder die Abwehrreihe und die Außenverteidiger rückten nur selten auf, um nicht ausgekontert zu werden. Di Matteo wählte Sicherheit statt Spektakel.

So spielte er auch mit dem FC Chelsea. Mit den Londonern gewann er 2012 die Champions League. Unvergessen, wie sich die "Blues" im Finale gegen den FC Bayern einmauerten und im Elfmeterschießen triumphierten. Der Erfolg gab ihm Recht. "Das gehört zur Vergangenheit. Daran denke ich überhaupt nicht mehr", sagte Di Matteo.

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Exakt 885 Tage nach diesem Sieg ist der Italiener zurück in der Königsklasse. Die Aufgabe ist schwierig: Nach zwei Spielen auf internationaler Bühne ist Schalke noch ohne Sieg. Beim FC Chelsea und gegen Maribor gelang jeweils ein 1:1. Auf die Dauer zu wenig, um in das Achtelfinale einzuziehen, das weiß auch Di Matteo: "Wichtig ist, im Heimspiel drei Punkte zu holen. Denn aus meiner Erfahrung ist es auswärts in der Champions League schwieriger."

"Es wäre wichtig, den direkten Konkurrenten auf Abstand zu halten", sagte Sportvorstand Horst Heldt. Er erwartet, dass sich Lissabon und Schalke um den zweiten Platz hinter Chelsea streiten werden. Denn die Portugiesen sind zwar im Moment Gruppenletzte, aber in der Liga haben sie noch kein Spiel verloren.

Besonders Nani, der dribbelstarke Offensivspieler, sorgt immer wieder für Gefahr. Er verdarb den Schalkern schon mal einen Champions-League-Abend: 2011 besiegte er sie mit Manchester United im Halbfinalrückspiel. Benedikt Höwedes, Klaas-Jan Huntelaar und Julian Draxler dürften sich noch gut daran erinnern, als ihre Mannschaft beim 1:4 im "Old Trafford" geradezu demontiert wurde. Zuvor hatten sie schon das Hinspiel 0:2 verloren.

Neuen Strafenkatalog am ersten Arbeitstag eingeführt

Neben Nani fällt besonders Islam Slimani auf. Der Stürmer war Algeriens bester Torschütze bei der Weltmeisterschaft in Brasilien (zwei Treffer). In der Liga erzielte er für Sporting Lissabon bereits fünf Tore. "Das ist ein gefährlicher Gegner mit individuell guten Spielern", sagte Di Matteo vor der Partie: "Aber unsere Ausgangslage ist nicht schlecht."

Damit auch sein Champions-League-Debüt auf Schalke glückt, hat der Coach bislang jede Trainingseinheit selbst geleitet. Oft baut er die Übungen schon weit vor dem Trainingsbeginn auf. Zudem legte Di Matteo noch an seinem ersten Tag einen neuen Strafenkatalog vor. Von seinen Profis fordert er Disziplin ein.

Ein großes Spektakel schließt sein Plan vorerst aus. "Es ist wichtig, erstmal kompakt zu stehen und keinen Treffer zu kassieren", sagte Eric Maxim Choupo-Moting über die Ansichten von Di Matteo. Schalke-Profi Dennis Aogo ergänzte: "Gute Organisation ist die Basis für uns. Das muss auch in der Zukunft der Fokus sein."

Solange die Ergebnisse stimmen, werden sie auf Schalke sicherlich gerne auf das große Spektakel verzichten können.