Entscheidung des S04-Ehrenrates Schalkes milder Umgang mit Tönnies stößt auf Kritik

Drei Monate lässt Schalke-Boss Clemens Tönnies sein Amt ruhen - das ist der Sportausschussvorsitzenden im Bundestag zu wenig. Der DFB will sich in der kommenden Woche mit dem Fall befassen.
Clemens Tönnies geht nur kurz

Clemens Tönnies geht nur kurz

Foto: Tim Rehbein DPA

Nach der Entscheidung des Ehrenrates des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 häuft sich die Kritik. Zudem kündigte die DFB-Ethikkommission an, den Fall am 15. August zu diskutieren. Das bestätigte am Mittwoch der Vorsitzende Nikolaus Schneider.

Zum Ausgang könne er allerdings nichts sagen, so der 71-Jährige. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Entscheidung des Ehrenrates der Königsblauen das Vorgehen der DFB-Ethikkommission beeinflussen wird. Zuvor hatte Schneider bereits gesagt, dass "rein formal auch die Zuständigkeit der Kommission" geklärt werden müsse. Der 15. August als Termin für das Zusammentreffen des Gremiums wurde von Schneider nochmals bestätigt.

Der S04-Ehrenrat hatte den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies am Dienstag vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen. Der Klubchef selbst schlug vor, dass er sein Amt drei Monate ruhen lasse. Diesem Ansinnen von Tönnies wurde vonseiten des Schalker Ehrenrates zugestimmt.

Formal kann die DFB-Ethikkommission allerdings keine Sanktionen aussprechen. Sie kann nur Untersuchungen einleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethikkammer des Sportgerichts erheben. Schneider sagte: "Das ist der rein technische Ablauf."

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Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), hat die Entscheidung des Schalker Ehrenrats kritisiert. "Natürlich, wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung letztlich in eine Ecke stelle, dann erfüllt das für mich schon eher den Tatbestand des Rassismus als 'nur' den der Diskriminierung", sagte Freitag bei NDR Info.

Freitag warnte vor den vermeintlich weitreichenden Folgen. "Solche Entgleisungen sind ein Tabubruch ohne Skrupel - und ihre Wirkung in die Gesellschaft, die sie haben, ist - insbesondere in diesen Zeiten - verheerend", sagte sie. Der Deutsche Fußball-Bund müsse zudem eine "klarere Haltung" zu der Thematik finden.

Auch der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, übte Kritik. "Herr Tönnies hat in seiner Rede eindeutig rassistische Ressentiments bedient und sich herabsetzend über afrikanische Menschen geäußert", sagte er dem "Tagesspiegel". Das sei "sowohl rassistisch als auch diskriminierend für die Betroffenen - und hätte deshalb klar angesprochen und deutlich zurückgewiesen werden müssen. Nur von Diskriminierung zu sprechen, unterschlägt gerade den rassistisch diskriminierenden Gehalt der Äußerung und trägt eher zu deren Verharmlosung bei."

Tönnies zur Seite gesprungen war CDU-Politiker Günter Nooke. Der persönliche Afrikabeauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden."

Nooke stand zuletzt mehrfach in der Kritik, unter anderem für seine Aussagen, die wirtschaftlichen Probleme Afrikas hätten auch mit dem Wetter zu tun. Bei "35 Grad" sei "die Arbeitsproduktivität auf dem Bau eine andere als hier", hatte Nooke gemutmaßt.

aha/sid/dpa