Fotostrecke

Di Matteos Aus beim FC Schalke: Fehlende Führungsqualitäten

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Schalke trennt sich von Di Matteo Heldt und Versager

Roberto Di Matteo ist nicht mehr Trainer des FC Schalke 04. Auch wenn das Aus wenig überraschend kommt: Die Probleme des ambitionierten Klubs wird diese Entscheidung allein nicht lösen. Schalke hat zwei größere Baustellen. Mindestens.

Eigentlich sollte der heutige Pfingstmontag zu einer schönen Gelegenheit werden, den Groll einer völlig missratenen Bundesligasaison zu vergessen.

Die A-Jugend des Revierklubs trifft am Abend im Finale um die Deutsche Meisterschaft auf 1899 Hoffenheim, einige Tausend Schalker Fans werden im Wattenscheider Lohrheidestadion erwartet. Nun hat die Klubführung das Kunststück vollbracht, auch dieses Soiree der Talente mit der Krisenstimmung zu kontaminieren, die das Profiteam umgibt.

Am Sonntag setzte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies seine Gremiumskollegen davon in Kenntnis, dass Schalke und Trainer Roberto Di Matteo sich getrennt hätten, und natürlich dauerte es nicht lange, bis sich die Nachricht auch über die Medien verbreitet hatte. Die Trainerfrage liegt nun wie ein dunkler Schatten über dem A-Jugendfinale.

So unglücklich der Zeitpunkt der Entscheidung war und so unprofessionell sie kommuniziert wurde, inhaltlich ist sie nachvollziehbar.

Die Mannschaft hat sich in den knapp acht Monaten unter Di Matteo kein bisschen weiterentwickelt, sie hat das sportliche Ziel, die Qualifikation für die Champions League verpasst. Und in den zurückliegenden Wochen hat sie einen fürchterlich blutleeren, lustlosen und uninspirierten Fußball gespielt, während Di Matteo selbst immer energie- und ratloser auftrat. Offensichtlich hat Sportdirektor Horst Heldt den Italiener, dessen Reputation vor allem darin bestand, 2012 als Interimstrainer mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen zu haben, überschätzt.

Ein Trainer wird gesucht, bald auch ein Sportdirektor?

Das Spekulationsspielchen zur Nachfolge ist also eröffnet, Namen wie Huub Stevens, Mike Büskens, Christian Streich, Markus Gisdol, Jürgen Klopp werden diskutiert.

Ernsthaft nachdenken dürfte Heldt über Sascha Lewandowski, der in die Bundesliga zurückkehren will, über Augsburgs Markus Weinzierl, über den belgischen Nationaltrainer Marc Wilmots und über Armin Veh, den alten Kumpel des Sportdirektors. Offen ist allerdings, ob Heldt überhaupt noch mitreden darf. "Nach so einer Saison kann keiner zufrieden sein. Es gibt nicht eine Sache, die verbessert werden muss, es gibt viele Dinge", hatte Stürmer Klaas Jan-Huntelaar nach der 0:2-Niederlage in Hamburg am vergangenen Samstag gesagt, was so viel heißt wie: Die Schuld alleine beim Trainer zu suchen, wäre falsch.

Es ist also gut möglich, dass Klubchef Tönnies auch nach einem neuen Sportdirektor fahndet. Für diese Position böte sich Andreas Rettig an, der nach seiner Zeit bei der Deutschen Fußball-Liga neue Herausforderungen sucht. Denn Schalke 04 benötigt dringend eine sportliche Leitung, die ein klares fußballerisches Konzept installieren kann. Wirklich durchdacht ist lediglich der Versuch, Schalke als Kumpel- und Malocherklub zu positionieren. Aber was heißt das für den Fußball? Die Trainer- und Managerkandidaten werden sich genau überlegen, ob sie sich auf den FC Schalke einlassen wollen.

Denn in wichtigen Momenten entsteht immer wieder der Eindruck, der eigentliche Hauptentscheider sei Aufsichtsratschef Tönnies, der weder ein Fußballfachmann ist noch ein Chef, der eine zeitgemäße Unternehmenskultur prägt.

Zuletzt zeigte sich das, als Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam freigestellt und Marco Höger vorübergehend suspendiert wurden. "Ich habe Horst Heldt eine kleine SMS geschrieben. Darin habe ich ihm geschrieben, was ich machen würde", erzählte Tönnies damals in einem viel beachteten TV-Interview. Daraufhin habe es "eine Reaktion gegeben, die ich gutheiße, es war aber nicht meine Empfehlung. Ich habe gesagt: 'Du bist der Boss. Triff deine Entscheidung!'"

Schalke ist von der Konkurrenz abgehängt worden

Über derart wichtige Vorgänge per SMS zu kommunizieren, zeugt von einer reichlich merkwürdigen Unternehmenskultur. Welcher ambitionierte Spieler, welcher Trainer, welcher Sportdirektor will für einen Klub arbeiten, in dem der Aufsichtsratschef Spielersuspendierungen per SMS empfiehlt, die dann auch noch in die Tat umgesetzt werden? Zu glauben, die Strafmaßnahmen gegen Einzelne würden den Rest der Mannschaft aufrütteln und zu mehr Engagement antreiben, entpuppte sich überdies als fatale Fehleinschätzung.

Schalke 04 wird möglicherweise wieder etwas besser werden, wenn ein neuer Trainer Di Matteo ersetzt. Aber ein gut geführtes, seriöses Fußballunternehmen, in dem alle Mitarbeiter eine fruchtbare Arbeitsgrundlage vorfinden, wird ein neuer Chefcoach kaum herzaubern können. Die Konkurrenten aus Mönchengladbach, Dortmund, Leverkusen und Wolfsburg sind nicht nur sportlich enteilt. Sie haben längst auch Strukturen, die dem seltsamen Schalker Konstrukt deutlich überlegen sind.