Schalke verliert gegen Bayern Null vier

Viertes Spiel, vierte Niederlage für Schalke 04: Der FC Bayern zieht derweil einsam seine Runden, und in München startet das Oktoberfest. Zum Glück gibt es ja noch Wolfsburg und Hertha.

Schalkes Breel Embolo
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Schalkes Breel Embolo

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Ausgangslage des Spiels: Der punktlose Vorletzte gegen den souveränen Tabellenführer. Das ist auch einer der bisher wenig thematisierten Skandale der Bundesliga: Dass der FC Bayern durch den Spielplaner zu Saisonbeginn die Kellerkinder zugeteilt bekommt. Schon in der Vorwoche durften die Bayern gegen den Tabellenletzten Bayer Leverkusen ihr Punktekonto auffüllen. Das ist angesichts solcher Bevorteilung dann ja kein Wunder, dass der Meister schon wieder vorne steht.

Ergebnis des Spiels: Der Kollege aus dem Wochenenddienst hatte vor dem Spiel "ein langweiliges 2:0 für die Bayern" getippt. Er hat es bekommen. Tore von James Rodríguez (8. Minute) und Robert Lewandowski (64. Minute, Foulelfmeter). Das gute alte Reporterwort "standesgemäß" feiert seine Auferstehung. Wer mehr zum Spielverlauf wissen möchte: Hier geht es zum Bericht.

Erste Hälfte: Die Bayern brauchten acht Minuten zur Führung. Danach spielten sie so, als wollten sie sich neben dem Wort "standesgemäß" auch noch das Fußball-Adjektiv "pomadig" abholen. Am Sky-Mikrofon jubelte Kai Dittmann zum Ende der Hälfte: "Was kann Schalke aus dieser Halbzeit mitnehmen? Dass sie nur 0:1 zurückliegen." Was für ein trauriger Satz.

Zweite Hälfte: Schalke begann ein bisschen mutiger, aber weit entfernt davon, eine Torchance zu bekommen. Kolumnisten würden vom Gratismut sprechen. Nach 64 Minuten brachte Schalkes Alessandro Schöpf - aus welcher Motivation auch immer - seine Füße in die seines Gegenspielers James. Lewandowski verwandelte den Strafstoß zum 2:0. Dittmann und Co-Kommentator Lothar Matthäus hatten dann nur noch das Thema zu verhandeln, wie die Bayernspieler auf eine Auswechslung reagieren würden: Ungehalten oder lässig rerlaxed. Schalkes Franco Di Santo hatte nämlich zuvor mit ein paar unschönen Worten Richtung Trainer Domenico Tedesco um sich geworfen, als ihn dieser vorzeitig vom Feld geholt hatte. Daraus zog sich dann das Spannungsmoment dieser Hälfte.

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Bundesliga: Lewandowski, der Serientäter

Spieler des Spiels: James Rodríguez ist derzeit wahrscheinlich der Star der Bundesliga. Trotz Neuer, Lewandowski, Thiago, Ribéry, Robben und Hummels: Der Torschützenkönig der WM 2014 ist der wertvollste Akteur, den Niko Kovac aktuell im Kader hat. Ein Tor geschossen, einen Elfmeter herausgeholt, eine 1904-prozentige Torchance vertan: Wenn was los war in dieser dahinplätschernden Partie, dann war er dabei.

Szene des Spiels: Und noch mal James: In einem Zweikampf kurz nach der Halbzeitpause verletzte er den Schalker Weston McKennie so schwer, dass der gestützt den Platz verlassen musste. Man stelle sich diese Szene und den Blutdruck des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß bei umgekehrtem Verlauf vor. So jedoch beruhigt sich die die unsägliche Freiwild-Debatte der Vorwoche vielleicht mit der Erkenntnis: Fußballprofis verletzen sich nun mal, und das muss nicht zwangsläufig ein Bayernspieler sein. Und drittens: Es steckt nicht immer Absicht des Foulenden dahinter.

Statistik des Spiels: Zur Fußballfolklore gehört, dass die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten Verbindungen zwischen dem Münchner Oktoberfest und den sportlichen Leistungen des FC Bayern herstellt. Nach dem Motto: Zum Wiesn-Auftakt haben die Bayern seit so und so viel Jahren kein Spiel verloren. Vermutung: Das Eine hat mit dem Anderen höchstwahrscheinlich nichts zu tun.

Tausch des Spiels: Wurde schon vor Wochen vorgenommen. Sebastian Rudy wechselte von den Bayern zu Schalke, Leon Goretzka nahm den umgekehrten Weg und hat nach derzeitigem Erkenntnisstand die bessere Entscheidung getroffen.

Zahl des Spiels: Nullvier. Null viertes Spiel, null vierte Niederlage für Königsblau. Noch kein Grund zur Panik. Jetzt folgen die Spiele gegen Freiburg, Mainz und Düsseldorf. Das ist derzeit eher die Preisklasse für die Schalker, um zu punkten. Noch so ein trauriger Satz.

Erkenntnis des Spiels: Die Bundesligaspiele haben derzeit einen extrem hohen Entertainmentfaktor, nur die Partien des hoch überlegenen FC Bayern sind davon ausgenommen. Bayernspiele sind langweiliges Zeug geworden. Aber der strenge Spielplan verlangt, dass sie gespielt werden müssen. Vielleicht muss man die Preispolitik der Liga überdenken: Dann wird eines Tages mal für ein höchst unterhaltsames Spiel Wolfsburg gegen Hertha ein Topzuschlag verlangt, weil man alles geboten bekommt. Für die sich wundliegenden Partien der Münchner ist man mit fünf Euro dabei.

FC Schalke 04 - FC Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 James (8.)
0:2 Lewandowski (64.)
Schalke: Fährmann - Sané, Naldo, Nastasic - Caligiuri, McKennie (54. Bentaleb), Rudy, Schöpf - Di Santo (65. Harit) - Embolo, Uth (73. Burgstaller)
München: Neuer - Kimmich, Hummels, Süle, Alaba - Thiago - Müller, Goretzka, James (87. Sanches), Ribéry (84. Gnabry) - Lewandowski (78. Wagner)
Schiedsrichter: Siebert
Gelbe Karten: Naldo, Caligiuri / Wagner
Zuschauer: 62.721 (ausverkauft)



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
meresi 22.09.2018
1. Goretzka
hätte Schlacke nie gehen lassen dürfen. Schon gar nicht zu den Bayern. Ich hoffe er versauert dort so wie einst Götze. Aber aus Geschichten lernt ja niemand, oder ?
Romara 22.09.2018
2. Man reibt sich die Augen..
"Dass der FC Bayern durch den Spielplaner zu Saisonbeginn die Kellerkinder zugeteilt bekommt. Schon in der Vorwoche durften die Bayern gegen den Tabellenletzten Bayer Leverkusen ihr Punktekonto auffüllen. Das ist angesichts solcher Bevorteilung dann ja kein Wunder, dass der Meister schon wieder vorne steht." Soll das etwa Realsatire sein - mit fatalistisch- resignativem Touch? Als ob bei Aufstellung des Spielplanes absehbar war, dass ausgerechnet Schalke und Leverkusen am Tablellenende stehen könnten??!!
Otto Müller 22.09.2018
3. Sag ich doch...
Zitat von Romara"Dass der FC Bayern durch den Spielplaner zu Saisonbeginn die Kellerkinder zugeteilt bekommt. Schon in der Vorwoche durften die Bayern gegen den Tabellenletzten Bayer Leverkusen ihr Punktekonto auffüllen. Das ist angesichts solcher Bevorteilung dann ja kein Wunder, dass der Meister schon wieder vorne steht." Soll das etwa Realsatire sein - mit fatalistisch- resignativem Touch? Als ob bei Aufstellung des Spielplanes absehbar war, dass ausgerechnet Schalke und Leverkusen am Tablellenende stehen könnten??!!
Abschlusstabelle Saison 2017/18: 2. S04; 3. Hoffenheim; 5. Leverkusen; 7. Stuttgart. Skandalöööös, wie dem FCB zu Beginn der Saison 2018/19 die "Kellerkinder" zugeschustert werden. F95, Freiburg und WOB wären Kracher gewesen, nicht wahr Herr Ahrens?
Currie Wurst 22.09.2018
4. Preispolitik
"Vielleicht muss man die Preispolitik der Liga überdenken: Dann wird eines Tages mal für ein höchst unterhaltsames Spiel Wolfsburg gegen Hertha ein Topzuschlag verlangt, weil man alles geboten bekommt. Für die sich wundliegenden Partien der Münchner ist man mit fünf Euro dabei." Nahe dran, Herr Ahrens. Noch naheliegender ist es allerdings, sich das Schlachtfest der Bayern ganz entgehen zu lassen. Früher undenkbar, heute brauche ich das nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit, einen Punkt gegen die Bayern zu holen, liegt bei unter 1%. Nicht für geschenkt!
hileute 23.09.2018
5. Auch wenn der erste Abschnitt vermutlich ironisch gemeint ist,
besagt die Realität vielmehr das Bayern bereits gegen 3 von vlt 6 sogenannten topgegner gespielt hat. das sie nichtmal ansatzweise in Gefahr geraten sind ein Spiel möglicherweise nicht zu gewinnen sagt viel über diese Mannschaften raus, wenn die beste Chance ein Kopfball ist der zwei Meter vorbei geht ist das einfach schlecht und ein Armutszeugnis. und da können die Bayern nichts für das sie so hoch überlegen sind, das liegt nur am Unvermögen der anderen Mannschaften
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