Skandalspiel Schalke vs. Saloniki Ermittlungen gegen 23 Polizisten

Das Schalker Heimspiel in der Qualifikation zur Champions League wurde von einem Polizeieinsatz im Fanblock überschattet. Gegen insgesamt 63 Personen wird derzeit ermittelt - darunter 23 Polizisten. Der Club zieht Konsequenzen.
Polizeieinsatz auf Schalke: Ermittlungen gegen Beamte und Fans

Polizeieinsatz auf Schalke: Ermittlungen gegen Beamte und Fans

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Hamburg - Die Geschehnisse im Schalker Fanblock im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen den griechischen Club PAOK Saloniki am 21. August 2013 beschäftigen noch immer die Behörden. SPIEGEL ONLINE liegt der aktuelle Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) für den Landtag vor. Daraus geht hervor, dass aktuell noch gegen 63 Personen ermittelt wird.

"Zur Zeit werden gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte 23 Ermittlungsverfahren geführt; ermittelt wird wegen Körperverletzung im Amt vorwiegend durch den Einsatz von Reizstoffsprühgeräten oder des Einsatzmehrzweckstocks", heißt es in dem Schreiben. Gegen Besucher des Fußballspieles seien insgesamt 40 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden: "Tatvorwürfe sind Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung oder gefährliche Körperverletzung."

Bei der Partie gegen Saloniki hatte eine Hundertschaft der Polizei einen Block der Schalker Gastgeber gestürmt, weil sich S04-Fans zuvor geweigert hatten, eine mazedonische Flagge abzunehmen. Durch diese fühlten sich die griechischen Anhänger angeblich derart provoziert, dass sie mit einem Block- und Platzsturm drohten, sollte die Flagge hängenbleiben. Daraufhin ging die Polizei in den Schalker Block.

Schalke verpflichtet neuen Sicherheitsdienst

In der Folge war ein Streit zwischen Polizei und Club ausgebrochen. S04-Geschäftsführer Peter Peters hatte sich nach der Partie sogar mit den Worten zitieren lassen: "Dieser Einsatz war völlig unverhältnismäßig. Wir können dies absolut nicht gutheißen und bringen dafür nicht das geringste Verständnis auf." Peters ließ allerdings unerwähnt, dass Schalker Fan- und Sicherheitsbeauftragte die Anhänger mehrfach darauf gedrängt hatten, die Flagge abzunehmen.

Nachdem die Polizei gedroht hatte, Heimspiele der Schalker nicht mehr zu sichern, hatte Peters seine scharfe Kritik zurückgenommen. Darauf entspannte sich das Verhältnis zwischen den Parteien. Die Präsenz von Einsatzkräften im Stadion wurde bei Spielen ohne besonderes Sicherheitsrisiko verringert. In dem Bericht für den Innenausschuss heißt es nun: "Die Zusammenarbeit zwischen der Kreispolizeibehörde Gelsenkirchen und dem Verein FC Schalke 04 gestaltet sich sachorientiert konstruktiv."

Darüberhinaus hat der Bundesligist in Kooperation mit der Kreispolizeibehörde Gelsenkirchen sein Sicherheitskonzept modifiziert und wird sogar einen neuen Sicherheitsdienst verpflichten: "Ziel ist auch eine Qualitätsverbesserung. Hier läuft aktuell ein Ausschreibungsverfahren." Zudem hat Schalke "die Funktion des Fanbeauftragten neu besetzt. Im Stadion wurde eine neue Kameratechnik verbaut."

tpr/jdl