Nach rassistischen Äußerungen Schalke-Fans zeigen Tönnies die Rote Karte

Die Anhänger des FC Schalke 04 haben vor dem Spiel in Drochtersen ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt - und gegen ihren Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.
Für die mitgereisten Schalker Fans war kurz vor der Partie gegen Drochtersen/Assel das Spiel erst mal zweitrangig

Für die mitgereisten Schalker Fans war kurz vor der Partie gegen Drochtersen/Assel das Spiel erst mal zweitrangig

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Beim ersten Spiel nach den rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies haben die Anhänger des FC Schalke ihren Aufsichtsratschef kritisiert. Fast geschlossen hielt der Block der mitgereisten Fans vorm Anpfiff des DFB-Pokalspiels bei Drochtersen/Assel rote Schilder hoch, auf denen "Rassismus" oder "Clemens Tönnies" stand. An der Bande vor dem Gästeblock war zudem ein Transparent mit der Aufschrift "Wir zeigen Rassismus die Rote Karte" zu sehen. Wenig später wurde das Wort "Rassismus" durch "Tönnies" ersetzt.

Schalkes neuer Trainer David Wagner hatte vor dem Spiel noch darauf gehofft, dass der Sport im Mittelpunkt stehen würde: "Wir hatten das Anfang der Woche relativ kurz thematisiert und uns dann auf das Wesentliche konzentriert - und das ist das Sportliche", so Wagner. Und weiter: "Am Ende, um 15.30 Uhr, muss alle Energie und Konzentration in dieses Spiel rein."

Nachdem das Spiel angepfiffen war, erfüllten die Schalker Anhänger zunächst den Wunsch ihres Trainers und konzentrierten sich auf die Unterstützung ihrer Mannschaft. Während der Partie wurde dann aber noch ein Banner mit dem Schriftzug "Rassisten sind keine Schalker! Peters, wir nehmen dich beim Wort" ausgerollt. Peter Peters, Finanzvorstand bei Schalke, hatte auf der vergangenen Mitgliederversammlung vom FC Schalke zu rassistischen Ausfällen im Schalker Fanblock angemerkt: "Eines sind diese Menschen sicher nicht: Schalker!"

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Schneider: Brauchen keine Hetzjagden

Sportvorstand Jochen Schneider zeigte nach der Partie Verständnis für die Fans, forderte aber gleichzeitig Zurückhaltung: Erstmal haben die Fans ein starkes Statement gegen Rassismus abgegeben", sagte Schneider, "sie haben gezeigt, dass sie wenig einverstanden sind. Was wir nicht brauchen, sind Hetzjagden."

Clemens Tönnies hatte sich als Festredner beim Tag der Handwerker in Paderborn am 2. August rassistisch gegenüber Afrikanern geäußert. Vor 1600 Gästen kritisierte er Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel. Dabei stellte er einen angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika her.

Statt die Abgaben zu erhöhen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", so Tönnies.

Schalker Fans protestierten gegen ihren Aufsichtsratschef

Schalker Fans protestierten gegen ihren Aufsichtsratschef

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Der Schalker Ehrenrat hatte Tönnies vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen und den Vorfall als Diskriminierung eingestuft. Nach dessen Sitzung am 6. August wurde bekanntgegeben, dass Tönnies sein Amt für drei Monate ruhen lassen werde.

Am 15. August befasst sich die DFB-Ethikkommission mit dem Fall.

svs/sid
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