Fehlstart von Schalke 04 "Wir sind auseinandergebrochen"

Zwei Spiele, ein Punkt: Der FC Schalke hat einen Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison hingelegt. Beim blamablen Auftritt gegen den VfL Wolfsburg wurde vor allem die fehlende Abstimmung in der Abwehr offenbart.

Schalke-Profis Santana (l.), Höger: "Fahrlässig"
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Schalke-Profis Santana (l.), Höger: "Fahrlässig"

Aus Wolfsburg berichtet


Felipe Santana war bedient. Der Schalke-Verteidiger stand beim Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg erstmals in dieser Saison in der Startelf - und leistete sich Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe in Serie. Als die 0:4 (0:0)-Pleite seines Teams dann besiegelt war, saß Santana ratlos auf dem Boden, redete vergeblich auf den Schiedsrichter ein, fand aber keinerlei Beachtung, auch nicht bei seinen frustrierten Mitspielern.

"Wir sind hier auseinandergebrochen", sagte Schalkes Trainer Jens Keller nach dem Debakel seines Teams in Wolfsburg. Der Coach hatte es auch durch die Hereinnahme von Santana nicht geschafft, die S04-Abwehr, die auch schon beim 3:3 gegen den Hamburger SV Aussetzer hatte, zu stabilisieren. Einen Punkt aus zwei Spielen hat der Club erst geholt. Man kann angesichts der Ambitionen der Schalker von einem Fehlstart sprechen.

Immerhin: Der Applaus, den sich die Schalker Spieler nach ihrem peinlichen Auftritt beim treuen Anhang in der Fankurve abholten, überwog die Pfiffe. Trotz der vielen Fehler haben die Schalker noch nicht den ganzen Kredit der ordentlichen Vorbereitung bei den eigenen Fans verspielt. Doch die Spieler wussten, dass sie nichts beschönigen konnten.

"Fahrlässig und alles andere als gut"

"Das war heute zu wenig. Aber an der Qualität liegt es nicht. Wir müssen jetzt alles hinterfragen", sagte Stürmer Klaas-Jan Huntelaar, der wegen einer Knieverletzung zur Halbzeit ausgewechselt worden war und im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen PAOK Saloniki am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auszufallen droht.

Während Huntelaar zumindest ein Pfostentreffer gelang, blieben seine Mitspieler ohne nennenswerte Torchancen. Robin Knoche (55. Minute), Vieirinha (61.), Naldo (67.) und Reservist Stefan Kutschke (90.) schossen Wolfsburg mit ihrem Toren zum Sieg und machten deutlich, wo Schalke seine größte Schwachstelle hat: die Defensivbewegung.

Sieben Gegentore in zwei Spielen - in dieser Verfassung kommt S04 als Herausforderer von Bayern München und Borussia Dortmund im Titelkampf nicht in Frage. Sportdirektor Horst Heldt wurde denn auch deutlich. Er nannte die vielen individuellen Fehler "fahrlässig und alles andere als gut". Heldt sprach davon, dass mehrere Spieler noch nicht einmal ihre Normalform erreichten hätten.

Kellers Maßnahmen greifen nicht

"Wenn man Ziele formuliert, müssen auch Taten folgen. Davon habe ich heute nicht viel gesehen", sagte Heldt und versuchte, mehr über die Tücken der Mannschaft als über die Rolle von Keller zu sprechen. Der Schalker Cheftrainer hatte nach dem enttäuschenden Remis zum Saisonstart mit Marco Höger (statt Roman Neustädter) und Santana (für Joel Matip) zwei Defensivspieler ausgetauscht.

Das Ergebnis seiner frühen Rotation war mehr als ernüchternd. Santana hatte die allgemeine Verunsicherung in der Abwehr mit seinen Fehlpässen, ständigem Gestikulieren und vergeblichem Dirigieren noch verstärkt. Der Höhepunkt des Durcheinanders war die 88. Minute, als der Ball wie eine Flipperkugel durch den Schalker Strafraum gesprungen war und die Wolfsburger im Sekundentakt Torchancen hatten.

Besonders auf die Aktionen eines Wolfsburger Gegenspielers fanden die Schalker keine Antwort: Luiz Gustavo gab einen Tag nach seinem Wechsel vom FC Bayern München zum VfL Wolfsburg ein traumhaftes Debüt, gewann als Abräumer vor der Abwehr nahezu jeden Zweikampf und gab nach dem umjubelten Heimsieg eine Kampfansage ab.

"Bayern ist da. Dortmund ist da. Aber Wolfsburg ist auch da", sagte der Brasilianer. Gustavo, beim Rekordmeister in München nicht mehr benötigt, hatte in der Bundesliga einen neuen Arbeitgeber gesucht, bei dem er dauerhaft spielen und glänzen kann. Der Wolfsburger Triumph über die Schalker war ein Hinweis darauf, dass er wohl die richtige Entscheidung getroffen hat.

Während Gustavo in der 76. Minute von Beifall begleitet das Feld verlassen durfte, ergab sich die unterlegene Mannschaft ihrem Schicksal und war mit vier Gegentoren noch gut bedient. "Nach dem 0:3 war bei uns schon Feierabend. Das geht natürlich nicht", sagte Sportdirektor Heldt. "Über unsere Fehler kann ich nicht einfach hinweggehen." Auch Coach Keller drohte mit ausgedehnten Videobesprechungen: "Das müssen wir aufarbeiten."

VfL Wolfsburg - Schalke 04 4:0 (0:0)
1:0 Knoche (55.)
2:0 Vieirinha (61.)
3:0 Naldo (67.)
4:0 Kutschke (90.+1)
Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Naldo, Knoche, Rodriguez - Koo, Luiz Gustavo (76. Polak) - Vieirinha, Diego, Perisic (86. Kutschke) - Olic (81. Schäfer)
Schalke: Hildebrand - Uchida, Felipe Santana, Höwedes, Fuchs - Höger, Jones - Farfán (73. Meyer), Draxler, Clemens (63. Pukki) - Huntelaar (46. Szalai)
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Zuschauer: 28.405
Gelbe Karten: - Huntelaar, Jones

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
CobCom 17.08.2013
1.
Zitat von sysopDPAZwei Spiele, ein Punkt: Der FC Schalke hat einen Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison hingelegt. Beim blamablen Auftritt gegen den VfL Wolfsburg wurde vor allem die fehlende Abstimmung in der Abwehr offenbart. http://www.spiegel.de/sport/fussball/schalke-gegen-wolfsburg-s04-mit-fehlstart-in-bundesliga-a-917166.html
Ehrlich gesagt: Mit einem Diego, dem von Luis Gustavo und Koo der Rücken freigehalten wird, dürften diese Saison noch so einige Teams Probleme bekommen...
Bee1976 18.08.2013
2. Stimmt
Zitat von CobComEhrlich gesagt: Mit einem Diego, dem von Luis Gustavo und Koo der Rücken freigehalten wird, dürften diese Saison noch so einige Teams Probleme bekommen...
Stimmt, die wolfsburger ahben einen guten Kader auch schon vor Gustavo aber mit ihm wirds definitiv Europa. Aber das darf keine ausrede für meine Schalker sein. Was die abgeliefert haben war einfach eine Frechheit. Das schlimme ist ja vorm ersten Pflichtspiel hiess es 2Super vorbereitung" "wir werden einen ganz anderen Charakter in der Manschaft vorfinden" "Einsatzbereitschaft" "etc" Soweit die Verantwortlichen um Keller, Heldt und Clemens. Die Realität ist ernüchternd, 3 Pflichtspiele 3 mal gruseln auf dem Platz. Da muss man schon Fragen was denn in der "super Vorbereitung" trainiert wurde, hoffentlich nicht nur die tolle Stimmung. Abwehrverhalten, Laufwege, Abwehrverhalten bei Standarts, das alles kam wohl eher nicht dran. Man vermisst ja sogar den beschworenen Kampfgeist und Einsatzwillen. Es drängt sich einfach der Verdacht auf, das Jens Keller völlig überfordert ist, mit einer Bundesligaprofimannschat. Ist eben doch was anderes als Jugendfussball, wo er zugegebenermassen sehr gute arbeit geleistet hat. Das Horst Heldt das Thema Keller vermeidet ist klar, vermutlich wird sein Schicksal ebenso an Keller geknüpft sein, immerhin war er es der dieses Wagnis unerfahrenen Jugendtrainer zu CL-Teilnehmer auf die Bank durchgezogen hat und das mit der Begründung weil er ihn kennt... Zu Santana nun der war günstig, und reiht sich damit in die königstransfers vom Heldt ein: Obasi, Marica, Barnetta....wenn der Preis stimmt isses doch völlig egal ob die kicken können oder ins Team passen, oder ? Da wünscht man sich als Königsblauer den Felix zurück. Der hatte vielleicht seltsame Einkäufe, und ne lustige Vorstellung von Kadergrösse, aber der hat auch genug gute transfers eingeleitet, Ahnung von Taktik und vor allem müssten die Versager da jetzt rennen bis zum kotzen nach so einer Blamage auf dem Platz.
Pollowitzer 18.08.2013
3. Schalke braucht´n Trainer
Was soll das herumgekaspere mit einem Anfängertrainer der nicht annähernd das Potential der Mannschaft freisetzen und ordnen kann - Schalke04 braucht unbedingt einen Trainer der was drauf hat - Schaaf hätte das sicher drauf und der ist frei - So geht das jedenfalls nicht weiter wenn man ganz oben mitmischen will - würde mich freuen wenn Schalke der erste Verein wäre der seinen Trainer vor die Tür setzt - es ist unverantwortlich ein so starkes Team nicht von einem entsprechenden Trainer dirigieren zu laßen!
Peter 22244 18.08.2013
4. optional
Man hat doch gewusst das der Santana eine Niete ist abgesehen von den anderen schwachen Spielern. So wird das nichts mit der CL., aber die EL ist ihnen ja sicher dort gehört Schalke auch hin. Von wegen am BVB vorbei, nicht einmal mit dem Vereinsbus würde es gelingen. Wo war eigentlich der WELTSTAR draxler ? hat der überhaupt gespielt ? Noch schwächer gehts nicht mehr arme Schalker.
limubei 18.08.2013
5. mit Keller in den Keller
Böses erwachen in Marl Süd. Schlacke kriegt die Bude voll. Kommentar Trainer auf Kicker :"0:4 ist natürlich deutlich, obwohl ich mit der ersten Halbzeit vor allem mit der Defensivarbeit noch zufrieden war. Wir sind auch gut aus der Kabine gekommen, hatten zwei gute Chancen. Aber nach dem Rückstand sind wir ein bisschen auseinander gebrochen, deswegen bin ich mit dem Spiel überhaupt nicht zufrieden. Ich werde das mit der Mannschaft am Sonntag aufarbeiten. Ich kann da nicht einfach so drüber hinweggehen."
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