Jermaine Jones bei Twitter "Schlimm, wie Heldt den Verein ruiniert"

Jermaine Jones spielte sieben Jahre lang auf Schalke, am Ende ging er im Streit. Während des Debakels gegen Chelsea twitterte Jones nun harsche Kritik an Sportvorstand Horst Heldt. Der nimmt's gelassen.

Jermaine Jones als Schalker (Motiv von 2013): Kritik aus den USA
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Jermaine Jones als Schalker (Motiv von 2013): Kritik aus den USA

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Sein Abgang beim FC Schalke war nicht eben ein freundschaftlicher, Jermaine Jones war Anfang 2014 kein gern gesehener Spieler mehr beim Bundesligisten. Er musste gehen. Doch der 33-Jährige verfolgt auch in seiner neuen Heimat Boston die Spiele seines Ex-Klubs, so auch das bittere 0:5 gegen Chelsea am Dienstag.

Via Twitter setzte Jones noch während des Spiels eine harsche Kritik ab, gerichtet aber nicht an die Schalke-Spieler, sondern an den Mann, den er für seinen Abgang vor knapp einem Jahr verantwortlich macht: Sportvorstand Horst Heldt. Mitte der zweiten Hälfte schrieb Jones über seinen Account @Jermainejunior: "I just say 'Horst Heldt'...who are you blaming now? It's bad that someone can ruin a club like this" ("Ich sage dazu nur 'Horst Heldt'... Wem gibst Du nun die Schuld? Es ist schlimm, dass jemand einen Verein derart ruinieren kann.").

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Der so kritisierte Heldt reagierte darauf nach der Partie: "Ich habe das mitbekommen. Aber das ist nicht mein Niveau." Auch Jones scheint Zweifel an seinem Tweet bekommen zu haben, er löschte diesen, noch bevor das Spiel abgepfiffen war. Die Kollegen von Goal.com mutmaßten, Jones bereue seinen Kommentar. Doch der antwortete:

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Es gab mal Zeiten bei Schalke 04, da musste Jermaine Jones nicht erst zum Smartphone greifen, um seinem Ärger Ausdruck zu verleihen. Im Sommer 2013 brüllte Jones während eines Spiels in der Qualifikation zur Champions League Richtung des damaligen Trainers Jens Keller: "Nimm den Blinden raus!" Gemeint war Jones' Mitspieler Christian Clemens. Keller hörte die Forderung nicht, erfuhr erst später davon. Für Jones' Karriere auf Schalke war dies der Anfang vom Ende.

Bis dahin hatte der heute 33-Jährige sieben Jahre lang für Schalke gespielt, sich mit enorm viel Laufarbeit Respekt erarbeitet und sich mit einigen übermotivierten Grätschen Unmut zugezogen. Für einen Tritt gegen Marco Reus wurde er für acht Spiele gesperrt. Jones polarisierte, auch innerhalb der sportlichen Führung auf Schalke. Trainer Keller gab Jones zweite und dritte Chancen, Sportchef Horst Heldt aber schien keine gute Meinung von dem Spieler zu haben.

Nach seiner Entgleisung im Sommer stand Jones im Herbst 2013 auf dem Prüfstand. Dann folgte die Partie gegen Hoffenheim, Schalke verspielte eine 3:1-Führung, am Ende stand es 3:3. Jones vertändelte in der Schlussphase als letzter Mann den Ball gegen Roberto Firmino, der aber nur die Latte traf. Heldts Kommentar: "Es steht in keinem Lehrbuch, und es ist auch nicht Bestandteil unseres Trainingsprogramms, als letzter Mann ein Solo anzusetzen."

Dabei blieb es nicht, der Klub suspendierte Jones für eine Partie (Heldt: "Denkpause aus rein sportlichen Gründen"), die Beziehung war hinüber. Jones werde nicht mehr in den Lizenzspielerkader berufen werden, sagte Heldt. Im Winter reiste Schalke ohne Jones ins Trainingslager, im Januar ging der Spieler dann nach sieben Jahren in Gelsenkirchen in die Türkei zu Besiktas Istanbul. Seit August spielt er in den USA, bei New England Revolution.

Aber an diesem Dienstagabend war Jones auf Schalke wieder so präsent wie zu seinen besten Zeiten.



insgesamt 15 Beiträge
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emperor_norton 26.11.2014
1. Jermaine Jones
ist zwar gewohntermaßen nicht besonders diplomatisch, aber vielleicht täte man gut daran Horst Heldt zu hinterfragen. Mit seinem Lebenslauf hätte Heldt (Hauptschule,Lehre als Kfz-Mechaniker) wohl sonst nirgends einen Manager-Job außerhalb des Fußballs bekommen. Wahrscheinlich hätte ihm niemand angeboten, eine Tankstelle oder ein Restaurant zu führen. Was qualifiziert so jemanden denn eigentlich Manager bei einem Unternehmen mit über 200 Mio Euro JAhresumsatz zu werden. Das gleiche gilt für die Mehrheit der Manager und Sportdirektoren in der 1. und 2.Bundesliga. Diese Manager-Posten scheinen ein Selbstbedienungsladen für ehemalige Profis ohne kaufmännische Ausbildung geworden zu sein.
just_ice 26.11.2014
2. Offenbar ein Spieler
der mit Herz und Seele für den Verein dabei war - davon zeugt seine Loyalität (7 Jahre beim gleichen Verein) und sein emotionales Verhalten. Keiner dieser neumodischen Söldner-Typen, denen es nur um die Rendite geht.
lady_amanda 26.11.2014
3. Jones
Ich habe Jermanine auch immer positiv gesehen. Zieht man 50% der üblichen Polemik ab, bleibt ein bis in die Haarspitzen motivierter Schalker, der ab und an übers Ziel hinaus schiesst und die Diplomatie nicht gerade mit Löffeln gefuttert hat. Zu Heldt fällt mir nur schlechte Arbeit ein.
adama. 26.11.2014
4. Verletzt
Jermain Jones war damals Opfer einer Medienkampagne, die ihm die Verantwortung für Niederlagen und mangelndem Teamgeist vorwarfen. Heldt ist auf diese Kampagne eingestiegen und hat ihn deswegen verkauft. Doch geändert hat sich auf Schalke nichts. Ich denke es ist emotional sehr verständlich, wenn Jones impulsiv seine Gefühle in diesem Augenblick twittert. Das ist auch kein Nachtreten, wie Basler oder Helmer im "Stammtisch" meinten. Nur die Klage eines Bauernopfers. Es ist vielleicht wirklich so. Held hat als Fußballer selbst nie beständig gespielt. War manchmal genial, oft absolut unauffällig. Defensivarbeit war nicht seine Stärke. So gesehen entspricht die Mannschaft im Grunde Heldts eigenem Charakter. Sie will, kann aber nicht immer. Motiviert man das Team zu stark, dann verkrampfen die Spieler. Es sind zu wenige Spieler dabei die den äußeren Druck vertragen und einfach ihre normale Leistung abrufen können.
sehrleise 26.11.2014
5. Meinung
Jones hat nur seine persönliche Meinung über die fachliche Schwäche von Herrn Heldt geäußert. Ob die gerechtfertigt ist oder nicht sei mal dahingestellt. Er hat auf jeden Fall Horst Heldt nicht mit primitiven Schimpfwörtern o.ä. beleidigt. Da finde ich es persönlich anstößiger, das jemand wie Olaf Thon öffentlich dazu aufruft, dass ein Spieler eines fremden Vereins und fremden Nationalverbandes mit einem Disziplinarverfahren dafür bestraft werden soll. Aber vielleicht nehmen sich die Verantwortlichen unserer Fussballvereine langsam zu sehr Beispiel an der autokratischen Struktur der FIFA.
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