Schalke-Manager Müller "Der Frust sitzt ganz tief im Club"

Ein Club in der Krise, der Manager unter Druck: Andreas Müller steht beim FC Schalke 04 wegen seiner Personalplanung in der Kritik. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Manager über Fehleinkäufe, seinen Vorgänger Rudi Assauer und seine Zukunft im Verein.


SPIEGEL ONLINE: Herr Müller, Ihr Club Schalke 04 ist nach Misserfolgen in Uefa-Cup und Bundesliga in eine Krisenspirale geraten. Das Publikum forderte Ihren Rauswurf als Manager. Wie konnte es dazu kommen?

Schalke-Manager Müller: "Aus einem Schneeball eine Lawine"
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Schalke-Manager Müller: "Aus einem Schneeball eine Lawine"

Müller: In Schalke kochen die Emotionen immer besonders hoch. Wir haben mit dem neuen Trainer Fred Rutten einen Umbruch eingeleitet. Wir wussten, das ist ein schwieriger Prozess. Doch dass er sich so negativ auf die Ergebnisse auswirken würde, haben wir nicht erwartet. Damit müssen wir uns kritisch auseinandersetzen. Die Stimmung ist von großem Frust geprägt, der ganz tief im Club sitzt und immer wieder auf die Mannschaft zurückfällt. Es hat damit zu tun, dass wir mehrmals die Meisterschaft verpasst haben. Jetzt denken alle: Wir schaffen es wieder nicht.

SPIEGEL ONLINE: Kritisiert wird vor allem Ihre Personalpolitik.

Müller: Alles fokussiert sich auf die Einkäufe vor einem Jahr, da haben wir in der Winterpause Vicente Sanchez, Ze Roberto und Albert Streit geholt. Gut, sie haben die Erwartungen bisher nicht erfüllt. Aber es kann doch nicht sein, dass jetzt nur diese Transfers schuld sein sollen.

SPIEGEL ONLINE: Auch Carlos Grossmüller wird als Fehleinkauf gewertet, und von den Neuzugängen Jefferson Farfan und Orlando Engelaar sind die Fans auch nicht gerade restlos begeistert.

Müller: Engelaar und Farfan müssen sich umstellen auf die Bundesliga, aber sie werden noch kommen. Ich habe auch Spieler geholt, die bombig eingeschlagen sind: Westermann, Jones und Rafinha, für dessen Verpflichtung ich vehement gekämpft habe. Manuel Neuer und Benedikt Höwedes sind in meiner Zeit als junge Spieler in die Mannschaft gekommen. Und es werden noch mehr kommen, zum Beispiel Levan Kenia. Aber ich habe immer nur von den Transfers im letzten Winter lesen müssen. Da ist aus einem Schneeball eine Lawine geworden. Vielleicht hätten wir als Verein offensiver dagegen angehen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchen Argumenten denn? Kaum waren die zwei Flügelstürmer Streit und Sanchez gekauft, ließ der damalige Trainer Mirko Slomka ein System ohne Flügelstürmer spielen. Gab es keine Kommunikation im Verein?

Müller: Doch, der Trainer wollte im Winter Alternativen für die Flügelpositionen haben, deshalb haben wir die Spieler gemeinsam ausgewählt. Später hat sich Mirko dann anders entschieden. Aber Westermann und Jones wurden auch nicht von Anfang an eingesetzt, sie kamen in die Mannschaft, als sich andere verletzten. Jetzt sind sie Nationalspieler. Sanchez ist allerdings nicht mehr der, der er vor einem Jahr war, als er aus Mexiko kam. Man darf aber nicht vergessen: Wir haben im letztem Winter auch Spieler abgegeben. Die drei Einkäufe haben zusammen weniger gekostet als vor Jahren Viktor Agali. Ich habe von keinem Spieler den Marktwert verbrannt, wie es früher mit Emile Mpenza passierte, für den ein Angebot über 25 Millionen Mark vorlag und der dann rausgeschmissen wurde. Aber früher war ja angeblich alles besser.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen auf die Ära Ihres Vorgängers Rudi Assauer an, der offenbar uneingeschränkte Macht im Verein hatte. Wie ist es heute: Hat die Lawine der Kritik, von der Sie sprechen, die Vereinsgremien erfasst? Der Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sagte, Sie seien "angezählt".

Müller: Es ist die Aufgabe eines Aufsichtsrats, die Dinge zu hinterfragen. Das ist völlig normal. Es geht jetzt darum, Lösungen zu entwickeln. Wir haben diese Lösungen und werden sie in der Winterpause umsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen personelle Lösungen?

Müller: Es geht ums Personal, ja.



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