Schalkes 0:5 gegen Chelsea In der Europa League besser aufgehoben

Der FC Schalke vertrieb mit einer unterirdischen Leistung gegen Chelsea die eigenen Fans aus dem Stadion. Manager Heldt sprach von "Angsthasenfußball", die Spieler baten um Entschuldigung - nur Trainer Roberto Di Matteo blieb seltsam nüchtern.

AP/dpa

Aus Gelsenkirchen berichtet


José Mourinho ist ein Mann, dem oft eine gewisse Arroganz unterstellt wird, und diesem Vorwurf sah sich der Trainer des FC Chelsea auch am Dienstagabend wieder einmal ausgesetzt.

Ein joviales Lächeln lag auf dem Gesicht des Portugiesen, nachdem seine Mannschaft den FC Schalke 04 mit einem beeindruckenden 5:0-Auswärtssieg gedemütigt hatte, Mourinho sprach von "Schönheit" und "Glücksgefühlen", dann erklärte er: "Die Medien werden sagen, Schalke 04 war schlecht, aber nein: Wir waren einfach zu stark. Die Schalker können sich damit trösten, gegen eine Mannschaft verloren zu haben, die einfach in allen Belangen überlegen war."

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Das ist natürlich allenfalls ein schwacher Trost nach diesem fürchterlichen Debakel und auch nur ein Teil der Wahrheit. Denn bei aller Stärke des englischen Tabellenführers gaben die Schalker an diesem Abend ein klägliches Bild ab.

Mit der Verliererrolle kommen die Menschen in Gelsenkirchen ja durchaus klar, sie gehört gewissermaßen zur Ruhrgebietsidentität. Aber einen derart leblosen, geradezu gleichgültigen Auftritt konnten viele Zuschauer nicht ertragen. Mitte der zweiten Hälfte war die Arena bereits halb leer. "Ich kann mich nur bei allen entschuldigen, die ins Stadion gekommen sind", sagte Kapitän Benedikt Höwedes.

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Und diese Emotionslosigkeit, mit der die Mannschaft die Demütigung über sich ergehen ließ, prägte dann auch die Analysen von Roberto Di Matteo. Eigentlich wird in Gelsenkirchen ja ein Selbstbild gepflegt, zu dessen Kern Eigenschaften wie Kampfbereitschaft, Leidenschaft und Hingabe gehören, in Di Matteos öffentlichen Auftritten ist nichts davon zu spüren. "Wir haben zu viel Respekt gezeigt, und das hat Chelsea kaltblütig ausgenutzt", sagte er nüchtern wie ein Finanzbeamter, der Erläuterungen zur Steuererklärung eines Supermarktangestellten vorträgt.

Mehrfach wurde der Italiener gefragt, ob er denn nicht verärgert oder zumindest irgendwie aufgerüttelt sei, seine Antwort: "Ich bin sehr überrascht über die Leistung und das Ergebnis, es tut uns leid." Längst steht die Frage im Raum, ob es einen Zusammenhang zwischen Trainer-Aura und der Neigung zur Lethargie gibt, der die Mannschaft immer wieder nachgibt.

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Horst Heldt sprach von "Angsthasenfußball", die Mannschaft habe "alles falsch gemacht, was man falsch machen kann", und verkündete: "Wir müssen schleunigst etwas ändern." Ein Satz, der längst zum Standartrepertoire des Sportdirektors gehört. Die übliche Misserfolgsmaßnahme - einen Trainerwechsel - hat er aber schon vorgenommen, deshalb steht längst auch Heldt selbst in der Kritik. Schließlich ist die fatale Neigung zum Zusammenbruch trotz vieler teurer Transfers, einer prominent besetzten Mannschaft und regelmäßiger Trainerwechsel zu einer schmerzhaften Konstante bei den Gelsenkirchenern geworden.

Noch während des Spiels wurde Heldt via Twitter vom ehemaligen S04-Profi Jermaine Jones als derjenige beschimpft, der "den Klub ruiniert" habe. Der Tweet wurde anschließend zwar wieder gelöscht, Heldts Standing hat dies dennoch weiteren Schaden zugefügt. "Ich habe das mitbekommen, aber das ist nicht mein Niveau", erwiderte der Spordirektor auf diesen Vorwurf. Aber die Frage nach der Tauglichkeit Heldts beschäftigt längst auch viele kritische Fans.

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Wobei die Gesamtlage längst nicht so finster ist, wie sie sich an diesem Abend anfühlte. Dennis Aogo tröstete sich mit einem Gedanken an den kommenden Samstag: "Gegen Mainz haben wir eine große Chance, einen Riesensprung Richtung Platz drei zu machen", sagte der ehemalige Nationalspieler. Allerdings steht die Frage im Raum, ob den Schalker Anhängern überhaupt eine erneute Qualifikation für die Champions League zu wünschen ist.

Denn viele von ihnen haben vermutlich Besseres zu tun, als sich immer wieder von den großen Teams des Kontinents erniedrigen zu lassen. Dieses 0:5 steht ja in einer Reihe mit dem 1:6 gegen Real Madrid aus dem Vorjahr oder dem schlimmen 0:2 gegen Manchester United, das ohne Manuel Neuer im Tor ebenfalls ein Debakel geworden wäre.

Allerdings haben die Schalker weiterhin die Chance, ins Achtelfinale einzuziehen, wenn Sporting Lissabon das letzte Spiel bei den bereits als Gruppensieger feststehenden Londonern verliert, und sie selbst gleichzeitig in Maribor gewinnen. Aber vielleicht wären sie in der Europa League besser aufgehoben.

FC Schalke 04 - FC Chelsea 0:5 (0:3)
0:1 Terry (2.)
0:2 Willian (29.)
0:3 Kirchhoff (44./Eigentor)
0:4 Drogba (76.)
0:5 Ramires (78.)
Schalke: Fährmann - Uchida, Höwedes, Felipe Santana, Aogo - Neustädter, Kirchhoff (46. Clemens) - Höger, Boateng (63. Meyer), Choupo-Moting - Huntelaar
Chelsea: Courtois - Ivanovic, Terry, Cahill, Azpilicueta - Fabregas (79. Schürrle), Matic, Oscar (75. Ramires) - Willian, Hazard - Diego Costa (66. Drogba)
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 54.442
Gelbe Karten: Höger / -
Ballbesitz in Prozent: 43 / 57
Schüsse: 8 / 13
Torschüsse: 3 / 8
Gewonnene Zweikämpfe in Prozent: 42 / 58

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insgesamt 44 Beiträge
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Wunderläufer 26.11.2014
1. Baustelle
Jeder aufmerksame Beobachter der Bundesliga sieht, dass Schalke mal wieder eine einzige Baustelle ist. Die Mannschaft hat in dieser Verfassung nichts in der Championsleague zu suchen. Wichtiger wäre, sich ganz auf die Bundesliga zu konzentrieren und eine konkurrenzfähige Truppe aufzubauen. Problem dabei: Der Verein wirtschaftet seit Jahren so unseriös, dass er auf die Einnahmen aus dem internationale Geschäft angewiesen ist
jujo 26.11.2014
2. ...
Armin Veh hat jetzt Zeit! Huub Stevens ist nun schon vergeben. Oder sollte der Supermanger gehen?
robin-masters 26.11.2014
3. Blamabel
Wieder einmal macht Schalke international einen schlechten Eindruck und zieht die ganz BL mit runter. Leverkusen gibt sich diese Saison hoffentlich besser... ansonsten haben diese beiden Vereine immer wieder Zweifel an der internationalen Konkurrenzfähigkeit der BL geweckt.
jagutichsachmal 26.11.2014
4. Keller
Der Trainerwechsel hat es echt gebracht. Mit Keller hätte es sicher wieder nur ein lahmes Unentschieden gegeben.
omop 26.11.2014
5. Eines deutschen CL-Teilnehmers unwürdig..
Wieder mal hat eine deutsche Mannschaft die Hosen voll..warum? Chelsea ist keine Übermannschaft und mit Einsatz,Kampf und Laufbereitschaft kann man solche Mannschaften auch schlagen. Der Underdog Maribor hat es im eigenen Stadion vorgemacht und gezeigt wie man zumindest ein Unentschieden holt. M.E. hat die BL ausser Bayern und dem BVB international mittlerweile nur noch Angsthasenmannschaften ohne Mumm und Einsatz aufzubieten..
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