Schalke-Torwart Fährmann Die Übergangslösung

Die Nummer eins auf Schalke wurde Ralf Fährmann aus diversen Gründen - auch weil andere Keeper zu teuer waren. Gegen Kaiserslautern patzte der Nachfolger von Manuel Neuer, es war nicht das erste Mal. Von der Vereinsführung erhielt er hinterher keine Rückendeckung, nur die Fans halten noch zu ihm.

Torwart Fährmann: Schwerer Stand auf Schalke
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Torwart Fährmann: Schwerer Stand auf Schalke

Von Nils Lehnebach


Es war ein stiller Abgang. Gedankenverloren blickte Ralf Fährmann kurz zurück, sprach seinem Ersatz Lars Unnerstall noch etwas Mut zu, dann war sein Arbeitstag beendet. Nach 28 Minuten. Gerade hatte der Schalker Torwart die 1:2-Heimniederlage gegen Kaiserslautern mit einem Foul gegen Dorge Kouemaha eingeleitet. Es gab Elfmeter für die Gäste, Fährmann sah die Rote Karte.

Für den 23-Jährigen war es der vorläufige Tiefpunkt einer bisher wenig überzeugenden Saison. Zum ersten Mal hatte einer seiner Fehler dem Team Punkte gekostet. Schon bei den Erfolgen gegen Mainz (4:2), Freiburg (4:2) und den Hamburger SV (2:1) hatte er bei jeweils einem Gegentor gepatzt, seine Mannschaft diese Fehler aber wieder ausgebügelt. Nun war er für die erste Pleite unter Neu-Trainer Huub Stevens mitverantwortlich.

"Da kann man Rot geben", urteilte Mitspieler Klaas-Jan Huntelaar über die Szene in der 28. Minute, bei der sich Fährmann zudem einen Bänderriss im Knie zuzog. Und Coach Stevens sagte: "Natürlich kann man den Elfmeter gegen Fährmann pfeifen, aber ihn doppelt zu bestrafen, ist wenig Fingerspitzengefühl." Auch Manager Horst Heldt nahm seinen Torhüter nicht in Schutz: "Ob die Hinausstellung berechtigt ist, darüber lässt sich diskutieren. Bei zehn solcher Entscheidungen geben acht Schiedsrichter Gelb, zwei Rot." Echte Rückendeckung hört sich anders an, zumal die Rote Karte von Schiedsrichter Peter Sippel umstritten war.

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Schalke 04 vs. Kaiserslautern: Zwei Elfmeter, zwei Rote Karten, drei Tore
Das Verhalten der Schalker Verantwortlichen zeigt erneut, dass Fährmann nur eine Übergangslösung bei der Nachfolge von Manuel Neuer ist. Schon vor der Saison hatten mit diversen anderen Torhütern verhandelt. Doch die Bemühungen um Lauterns Kevin Trapp und Hannovers Ron-Robert Zieler scheiterten an den hohen Ablöseforderungen, die Option Jens Lehmann verwarf man selbst. So wurde Fährmann auch aus Mangel an Alternativen Stammtorwart.

Mit der öffentlich ausgetragenen Suche schwächten die Schalker Verantwortlichen die Position Fährmanns, der sich lange Zeit nicht sicher sein konnte, ob er als Nummer eins in die Saison gehen würde. Die Position ist in Gelsenkirchen ohnehin undankbar, die Lücke, die Manuel Neuer hinterließ, ist groß.

Die Fans stehen hinter Fährmann

Der Keeper selbst weiß um seine schwierige Aufgabe - und scheint seine Chance mit allen Mitteln nutzen zu wollen. Beim 0:0 in der Europa League gegen Bukarest spielte er trotz eines Bänderrisses im Sprunggelenk und sagte: "Die Schmerzen sind da, doch ich beiß' auf die Zähne."

Solch ein Verhalten kommt an, vor allem bei den Fans des Clubs. Fährmann fühlt sich als Schalker, wechselte 2003 aus Chemnitz nach Gelsenkirchen und durchlief seitdem alle Jugendmannschaften der "Königsblauen". 2009 wurde sein Vertrag allerdings nicht mehr verlängert und Fährmann wechselte zu Eintracht Frankfurt. Seine Rückkehr zu S04 war eine große Freude für ihn. "Ich habe gejubelt, gelacht, getanzt - und abends ein paar Bier getrunken. Alles zugleich!", hatte er dem "Focus" gesagt.

Und sein Start war gut, auch dank seiner Paraden feierte Schalke den Gewinn des Supercups gegen Erzrivale Borussia Dortmund. Doch anschließend wackelte Fährmann, der bei Schalke noch einen Vertrag bis 2015 hat, immer wieder, ihm fehlt die Konstanz. Insbesondere beim Herauslaufen und im direkten Duell gegen den Stürmer hat er Probleme. Gegen Lauterns Kouemaha schätzte er die Situation falsch ein und kam zu spät aus seinem Kasten. Beim Erfolg gegen den Hamburger SV verkürzte er vor dem Gegentor von Mladen Petric den Winkel schlecht. Gegen Freiburg musste er den frühen Rückstand auf seine Kappe nehmen, als er unbedrängt einen Fehlpass spielte.

Schalke soll Interesse an René Adler haben

Schwächen, die wohl auch Schalkes Manager Horst Heldt nicht entgangen sind. Zuletzt soll er Gespräche mit Leverkusens René Adler geführt haben, der am Saisonende ablösefrei zu haben ist. Bis dahin wird Fährmann wohl weiterhin spielen dürfen. Mit dem 35-jährigen Mathias Schober und dem unerfahrenen Unnerstall, 21, der gegen Kaiserslautern sein Bundesliga-Debüt gab, hat der Club keine ernsthaften Alternativen.

Die Schalker Fans sehnen sich nach dem Abgang ihres Idols Manuel Neuer zum FC Bayern nach einem starken Torwart - und scheinen dabei gerne über einige Fehler Fährmanns hinwegzusehen. Noch. "Ich bin wegen meiner S04-Vergangenheit beliebt und habe da gegenüber anderen Torhütern gewiss einen Vorteil, wenn ich auch Manuel nicht vom Start weg ersetzen kann", sagte Fährmann.

Das hat er bisher auch mittelfristig nicht geschafft. Und bei weiteren Leistungen wie gegen Kaiserslautern dürfte auch der Bonus bei den Fans bald aufgebracht sein.

Schalke 04 - 1. FC Kaiserslautern 1:2 (0:1)
0:1 Tiffert (30., Foulelfmeter)
1:1 Huntelaar (62., Foulelfmeter)
1:2 Kouemaha (72.)
Schalke: Fährmann - Höger, Höwedes, Metzelder, Christian Fuchs - Papadopoulos (75. Farfan), Holtby (46. Jones) - Draxler (30. Unnerstall), Raul, Jurado - Huntelaar
Kaiserslautern:
Trapp - Dick, Amedick, Rodnei, Bugera - De Wit (73. Petsos), Kirch - Sahan, Tiffert (84. Sukuta-Pasu) - Kouemaha, Shechter (64. Abel)
Schiedsrichter: Sippel
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Raul, Höger, Metzelder - Dick (4), Kirch (2), Bugera
Rote Karten: Fährmann (28., Notbremse) - Rodnei (61., Notbremse)

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Lord_Z, 16.10.2011
1. ...
Nach Frankfurt ausgeliehen ... soso.
WhereIsMyMoney 16.10.2011
2. ...
Ja, Schalke und Dortmund könnten gute Torhüter gebrauchen.
milhouse_van_h. 16.10.2011
3. Fährmann
Zitat von Lord_ZNach Frankfurt ausgeliehen ... soso.
Was soll uns das sagen?
Greg84 16.10.2011
4.
Zitat von Lord_ZNach Frankfurt ausgeliehen ... soso.
Tja, mal wieder schwere Ahnung vom Fußball unter Beweis gestellt. Vor 2 Jahren abgegeben und jetzt wieder nach Gelsenkirchen geholt, ist ja so ähnlich. Meiner Meinung nach ist Fährmann allerdings nur ein durchschnittlicher Torhüter. Vom Talent eines ter Stegen oder Zielers ist er weit entfernt.
sir_nelson 16.10.2011
5.
ein artikel über depressionen und darunter den nächsten torwart in die depression treiben. hut ab! aber hauptsache da hat jemand einen artikel abgeliefert... glückwunsch!
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