Schalker Erfolg Minischritte aus dem Chaos

Das Erfolgsduo ist zurück: Die Interimstrainer Mulder und Büskens liefern dem Schalke-Team die richtigen Impulse. Der Sieg gegen Bielefeld bedeutet nach chaotischen Wochen einen Schritt hin zur sportlichen Normalität. Jetzt hofft man auf die Qualifikation zum Uefa Cup.

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Die Bilder gleichen sich: Vor fast genau einem Jahr saßen Youri Mulder und Mike Büskens schon einmal als Übergangstrainer auf der Schalker Bank. Als Nachfolger des gefeuerten Chefchoach Mirko Slomka übernahmen die Ex-Profis damals die Mannschaft - prompt sprang im nächsten Spiel ein 5:0-Kantersieg gegen Energie Cottbus heraus.

Nun also die Neuauflage - mit Oliver Reck als drittem Mann - und auch dieses Mal sorgte die Mannschaft für einen geglückten Einstand. Bei Arminia Bielefeld reichte es am 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga zwar nur zu einem 2:0 (1:0), nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge unter Fred Rutten und einem enttäuschenden achten Platz in der Tabelle zeigt die Formkurve des Teams jedoch wieder leicht nach oben.

Den mitgereisten Schalke-Anhängern schien die Höhe des Sieges herzlich egal zu sein. Nach Wochen der Unruhe, einer bisher ergebnislosen Trainer- und Managersuche sowie den bitteren Partien gegen Hamburg und Wolfsburg ließen sie die Mannschaft, vor allem aber Mulder, Büskens und Reck hochleben.

Auf dem Platz stand ein Mann im Mittelpunkt, der auch schon beim ersten Einsatz des Duos Mulder/Büskens für Aufsehen gesorgt hatte. Vor einem knappen Jahr erzielte Kevin Kuranyi vier der fünf Schalker Treffer gegen Cottbus. Auch gegen Bielefeld schien er den beiden Ex-Profis den Einstand versüßen zu wollen. Mit viel Engagement, aber eben auch mangelnder Präzision traf der Angreifer im ersten Durchgang knapp neben das Tor, Sekunden nach Wiederanpfiff haargenau den Querbalken des Bielefelder Kastens.

Fast schienen seine Mühen vergebens, als er kurz vor dem Ende erneut das Geräusch von Ball auf Aluminium vernehmen musste. Diesmal verhinderte der Pfosten den Torjubel. Mit dem Schlusspfiff dann die Erlösung: den letzten Angriff der Partie, einen Schalker Konter, verwandelte Kuranyi zum Endstand und gelungenen Einstand des Trainer-Gespanns.

"Gerade in dieser Phase ist es eminent wichtig, dass wir das Spiel gewinnen konnten, damit wir mal vier, fünf Tage Ruhe haben", sagte der vom Anfeuern am Rand heisere Büskens nach der Partie. "Es gibt ein paar Eigenschaften, die sprechen für Schalke 04 und die haben wir heute gesehen."

Die erste Hürde ist damit genommen auf dem Weg in das, was auf Schalke als Normalität gelten darf. Die Ruhe, die sich Büskens erhofft, kann nach der Posse um ein mögliches Engagement von Oliver Kahn als Manager sowie einer ganzen Reihe hochkarätiger Fußballlehrer als Cheftrainer, genutzt werden, um sich der bedachten Personalplanung zu widmen.

Die sportlichen Ziele sind in Gelsenkirchen dagegen bereits formuliert. "Wir haben noch eine Minichance, den Uefa Cup zu erreichen. Die wollen wir ergreifen", hatte Büskens nach seiner Amtsübernahme erklärt. Sieben Punkte betrug der Rückstand auf den erhofften fünften Tabellenplatz vor der Partie in der Bielefelder Arena. Nun sind es noch vier, allerdings können Stuttgart und Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sowie Leverkusen am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die alte Differenz wieder herstellen.

Im April '08 war das Spiel gegen Cottbus der Anfang einer Erfolgsserie mit 16 von 18 möglichen Punkten gewesen, an deren Ende der Ruhrgebietsclub souverän die Qualifikation zur Champions League erreichte. Ein ähnlicher positives Ergebnis ist in der laufenden Saison kaum mehr realisierbar, das Maximalziel bleibt die Teilnahme am Uefa Cup. Der Erfolg in Bielefeld war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wichtiger jedoch war das klare Signal in Richtung Fans und Ligakonkurrenz: Auf Schalke wird auch noch Fußball gespielt - und das in der Neuauflage der Mulder-Büskens-Regentschaft, mit Unterstützung von Reck, sogar erfolgreich.

Ob auch die aktuelle Version des Retter-Tandems das Team in einen punktereichen Schlussspirt führen kann, müssen die Schalker am kommenden Wochenende beweisen. Dann reist mit dem Karlsruher SC das Tabellenschlusslicht nach Gelsenkirchen.

mit Material von sid und dpa

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