Schalker klagen über "Bayern-Bonus" Schalke 04 - Bayern München 1:1

Mit einem Tor in letzter Minute hat der Bayern-Kapitän das Unentschieden des Rekordmeisters beim FC Schalke 04 gesichert. Dennoch wirkte die Hitzfeld-Truppe nach den anstregenden Champions-League-Wochen recht müde.


Schalkes Ebbe Sand beim Kopfball, Sammy Koffour schaut nur zu
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Schalkes Ebbe Sand beim Kopfball, Sammy Koffour schaut nur zu

Gelsenkirchen - Rudi in Rage. Nach dem für Schalke 04 unglücklichen 1:1 gegen Bayern München durch Stefan Effenbergs "Last-Minute-Tor" beklagte sich Manager Rudi Assauer bitter über die Ungleichbehandlung durch Schiedsrichter Hartmut Strampe. "Auch wenn es Lothar Matthäus ist, er gehört nach dem Foul an Gerald Asamoah mit einer Roten Karte vom Platz. Aber Matthäus ist eben Matthäus. Wenn bei uns Yves Eigenrauch oder Tomasz Waldoch so ein Foul machen, gehen sie mit Sicherheit vom Platz. Aber gewisse Leute haben immer einen gewissen Bonus", beschwerte sich Assauer über den "Bayern-Bonus".

Wie der gefoulte Ghanaer ("Ich weiß nicht, warum er kein Rot bekommen hat") war Assauer überzeugt davon, dass sein Team einmal mehr vom Unparteiischen benachteiligt wurde. "Da frage ich mich: Was ist das? Ist das bewusst oder unglücklich?" Die umstrittene Szene spielte sich in der 32. Minute ab: Strampe beließ es bei einer Verwarnung für den 38-Jährigen Rekordnationalspieler, obwohl dieser als letzter Feldspieler den Durchbruch Asamoahs regelwidrig verhinderte. "Ich denke, es war ein Foul. Aber es war nicht so, dass es eine klare Torchance war, weil noch ein anderer Bayern-Spieler auf der gleichen Höhe war", begründete Strampe, warum er "Gelb" statt "Rot" gezückt hatte. Matthäus selbst leugnete eine Absicht: "Ich bin mit dem Standbein ausgerutscht, und er ist über mich gefallen."

Was Strampe bei Matthäus, der zur Pause wegen einer Oberschenkel-Verhärtung für Jens Jeremies Platz machte, versäumte, holte er in der 80. Minute bei Samuel Kuffour nach. Der zuvor für eine Attacke gegen Schalkes Keeper Mathias Schober verwarnte Manndecker sah für ein gleichermaßen rüdes wie überflüssiges Foul an Asamoah "Gelb-Rot". Selbst Kuffours Teamkollege Markus Babbel und Trainer Ottmar Hitzfeld stuften die Aktion des Ghanaers als Dummheit ein. "Die beiden Fouls muss man nicht machen, da braucht man nur nebenher laufen", rügte Babbel.

Kuffour fiel nicht zum erstem Mal durch ungestüme und überharte Spielart gegen Freund und Feind auf, sah bereits zum vierten Mal im 66. Ligaspiel die Rote Karte. "Sollen wir jetzt einen Psychologen einstellen?", entgegnete Manager Uli Hoeneß barsch auf die Frage, ob Kuffour eine Sonderbehandlung benötigt.

Angesichts der Begleiterscheinungen geriet fast in den Hintergrund, dass die Schalker ein fast schon gewonnenes Spiel geradezu fahrlässig in den Schlussminuten aus der Hand gaben. Trainer Huub Stevens sah in seiner 100. Bundesliga-Partie auf der Schalker Bank zwar die beste Saisonleistung, die mit dem 1:0 durch Marc Wilmots (52.) vorübergehend belohnt wurde, merkte aber kritisch an: "Wir haben gegen nur noch zehn Bayern die Konter nicht gut gespielt." Noch deutlicher wurde der belgische Torjäger: "Es ist immer dasselbe. Wir führen 1:0 und gewinnen nicht. Man kann nicht zufrieden sein." Für Assauer war das Ergebnis schlicht eine "Katastrophe".

Hitzfeld hatte in der turbulenten Schlussviertelstunde mit der Hereinnahme von Mehmet Scholl und Giovane Elber alles auf eine Karte gesetzt. "Der Platzverweis von Sammy war das Signal, noch mehr Risiko zu gehen", gewann Scholl der Unterzahl etwas Gutes ab. "Die Frage war: Schaffen wir den Ausgleich oder kassieren wie einen Konter zum 0:2", beschrieb Hitzfeld das Vabanquespiel. Wie so oft schlug sich das Schicksal auf bajuwarische Seite. Dem ansonsten bei Ünal Alpugan fast vollständig abgemeldeten Effenberg gelang in der 90. Minute doch noch das 1:1, Elbers Kopfball in der Nachspielzeit hätte beinahe noch das Blatt vollständig gewendet. "Das wäre des Guten zuviel gewesen", gestand selbst Hitzfeld ein.



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