Schalke-Sieg gegen Basel Per Abseitstor ins Achtelfinale

Die Erleichterung auf Schalke ist groß. Die Gelsenkirchener stehen im Achtelfinale der Champions League, Manager Heldt spricht von einem "Tag der Freude und des Lächelns". Doch zum Sieg gegen Basel führte auch eine groteske Fehlentscheidung des Schiedsrichters.

AP/dpa

Aus Gelsenkirchen berichtet


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Der Preis für den irregulärsten Treffer des Jahres ist nach Stefan Kießlings Phantomtor bekanntlich schon vergeben, aber unter normalen Umständen hätte der Schuss des Schalkers Joel Matip zum 2:0-Sieg über den FC Basel beste Aussichten auf diesen zweifelhaften Titel.

Jefferson Farfán hatte in der 57. Minute dieser für die Schalker so bedeutsamen Champions-League-Partie einen Freistoß in den Strafraum der Schweizer geschlagen, gleich vier Schalker standen zum Teil deutlich im Abseits. Auch Matip selbst, der plötzlich den Ball am Fuß hatte. Der Defensivspezialist blickte ungläubig zur Seite auf den reglosen Assistenten mit der Fahne hinüber und schob den Ball nach einem langen Moment des Zögerns ins Tor. "Ich war mit einem Auge beim Linienrichter, aber der hat nichts signalisiert, so dass ich dachte: Ich könnte ja aufs Tor schießen", sagte Matip später in seiner trockenen Art und räumte ein: "Das war schon sehr merkwürdig."

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Champions League: Königsblaue Erleichterung

Es war tatsächlich ein bizarrer Moment, der die Partie endgültig entschied und Schalke 04 ins Achtelfinale der europäischen Königsklasse beförderte. "Diese Entscheidung hat mit Spitzenfußball leider nichts zu tun", zürnte Basels Trainer Murat Yakin. Ob der Deutlichkeit dieser Fehlentscheidung blieben die Schweizer aber erstaunlich moderat mit ihren Beschwerden. Zumal die Gäste schon vorher von einer zumindest diskutablen Schiedsrichterentscheidung betroffen gewesen waren.

Nach einer halben Stunde war ein Zweikampf des Innenverteidigers Ivan Ivanov gegen Adam Szalai mit einer roten Karte geahndet worden, die Zeitlupen im Fernsehen stützten dann aber die Vermutung, es habe sich überhaupt nicht um ein Foul gehandelt. Und zwei Minuten vorher hatte Benedikt Höwedes durch einen unzweifelhaften Regelverstoß eine klare Torchance von Marco Streller verhindert, war aber nur mit der gelben Karte bestraft worden. "Wenn ich in der selben Situation wäre wie Basel, würde ich mich maßlos ärgern", sagte Manager Horst Heldt, "aber ich kann auch nichts dafür und muss mich nicht dafür entschuldigen".

Champions-League-Achtelfinalisten

    Gruppensieger
    Manchester United, Real Madrid, Paris Saint Germain, FC Bayern München, FC Chelsea, Borussia Dortmund, Atlético Madrid, FC Barcelona

Gruppenzweite
Bayer 04 Leverkusen, Galatasaray Istanbul, Olympiakos Piräus, Manchester City, FC Schalke 04, FC Arsenal, Zenit St. Petersburg, AC Mailand
Das verlangte auch keiner, denn der Sieg war auch Lohn für eine richtig gute Leistung. Schon als die Basler noch zu elft waren, spielte Schalke 04 konzentriert, druckvoll und mit einer ordentlichen Balance zwischen Risikobereitschaft und defensiver Stabilität. "Wir haben den Gegner überhaupt nicht zur Entfaltung kommen lassen und als Mannschaft geschlossen agiert", sagte Julian Draxler, der - ebenfalls nach Vorarbeit des überragenden Farfán - das reguläre 1:0 erzielt hatte (51.). Die Partie passte zu der These, dass das Team vor allem dann gut spielt, wenn die Lage besonders prekär ist.

Dass Trainer Jens Keller diese Wankelmütigkeit nicht in den Griff bekommt, ist der Hauptgrund dafür, dass er seinen Posten in der Winterpause wahrscheinlich räumen muss, an diesem nebligen Abend wirkte er dennoch so gelöst wie seit Wochen nicht. Sein Jubel war geradezu extrovertiert, und über das 2:0 amüsierte er sich köstlich. Matip habe ihm regelrecht "leidgetan, er stand so hilflos da und wusste gar nicht, was er mit dem Ball machen sollte", meinte Keller, der von Horst Heldt explizit für eine "mutige Entscheidung" gelobt worden war.

Suche nach Kellers Nachfolger läuft offenbar bereits

Nachdem Benedikt Höwedes sich bei seiner Rettungstat gegen Streller in der 29. Minute eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen hatte und vom Platz musste, hatte Keller nämlich Angreifer Adam Szalai für den Innenverteidiger aufs Feld geschickt. Zentrumsstürmer Kevin-Prince Boateng rückte ins defensive Mittelfeld, von wo Matip in die Viererkette versetzt wurde. Und diese neue Formation hat bestens funktioniert.

Jenseits allen Lobes bekräftigte Heldt allerdings seine Ankündigung, er werde gemeinsam mit den anderen Verantwortlichen "in der Winterpause bilanzieren". Viele Beobachter glauben, dass im Hintergrund längst nach einem Nachfolger gefahndet werde. Keller wollte im Moment des Triumphs von all dem nichts wisse, er sei froh, "jetzt mal vier Tage Ruhe" zu haben, sagte er.

Und er kann darauf verweisen, dass er die Ziele, die für den finanziell angeschlagenen Club wirklich wichtig waren, erreicht hat: Platz vier in der Vorsaison, eine erfolgreiche Qualifikationsrunde zur Königsklasse gegen Paok Saloniki und eine Gruppenphase mit vier Spielen ohne Gegentor gegen Basel und Bukarest. Das Weiterkommen ist knapp fünf Millionen Euro Wert, auch deshalb sprach Heldt von einem "Tag der Erleichterung, der Freude und des Lächelns".

Solche hat es in Gelsenkirchen zuletzt wahrlich nicht oft gegeben.

Schalke 04 - FC Basel 2:0 (0:0)
1:0 Draxler (51.)
2:0 Matip (57.)
Schalke: Fährmann - Uchida, Höwedes (31. Szalai), Felipe Santana, Kolasinac - Matip, Neustädter - Farfan, Meyer (88. Goretzka), Draxler (66. Christian Fuchs) - Kevin-Prince Boateng
Basel: Sommer - Voser, Schär, Ivanov, Xhaka - Frei - Elneny (61. Sio), Serey Die (72. Ajeti) - Salah, Stocker (72. Delgado) - Streller
Schiedsrichter: Paolo Tagliavento (Italien)
Zuschauer: 52.093
Rote Karte: Ivanov nach einer Notbremse (31.)
Gelbe Karten: Höwedes, Matip, Kolasinac - Voser (2), Frei, Schär (3), Sio



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
ein schelm ... 12.12.2013
1.
Zitat von sysopAP/dpaDie Erleichterung auf Schalke ist groß. Die Gelsenkirchener stehen im Achtelfinale der Champions League, Manager Heldt spricht von einem "Tag der Freude und des Lächelns". Doch zum Sieg gegen Basel führte auch eine groteske Fehlentscheidung des Schiedsrichters. http://www.spiegel.de/sport/fussball/schalkes-sieg-gegen-basel-per-abseitstor-ins-achtelfinale-a-938579.html
Freut mich für Schalke, hoffe allerdings, dass man nicht wieder die falschen Schlüsse zieht. Man ist nicht wegen sondern trotz Keller weitergekommen...
eaglereno 12.12.2013
2. Hoffentlich
bleiben uns solche SR bei der WM erspart. Einfach skandalös.
calvincaulfield 12.12.2013
3. Yann Sommer
Schalke, holt euch bitte, bitte, bitte Yann Sommer, diesen Teufelskerl. Hat er mich gestern genervt. Danke Jens, es war sehr spannend mit Dir. Ansonsten, alles Gute auf allen Deinen weiteren Lebenswegen.
dhanz 12.12.2013
4.
Zitat von sysopAP/dpaDie Erleichterung auf Schalke ist groß. Die Gelsenkirchener stehen im Achtelfinale der Champions League, Manager Heldt spricht von einem "Tag der Freude und des Lächelns". Doch zum Sieg gegen Basel führte auch eine groteske Fehlentscheidung des Schiedsrichters. http://www.spiegel.de/sport/fussball/schalkes-sieg-gegen-basel-per-abseitstor-ins-achtelfinale-a-938579.html
Naja, die Überschrift suggeriert, das S04 NUR wegen diesem Abseitstor ins Achtelfinale gekommen ist. Tatsächlich haben die Schalker gestern abend den Gegner mehr oder weniger an die Wand gespielt und mehrere Torchancen vergeben, währen der FC Basel nicht eine einzige Tormöglichkeit hatte. Daher war das Abseitstor nur eine lustige Anekdote.
Miriam 12.12.2013
5. optional
Liebes Spiegel Online Team, auch ein 1:0 (kein Abseitstor) hätte zum Sieg und somit zum Achtelfinale geführt! Vielleicht solltet ihr über eure Überschriften kurz nachdenken bevor! ihr sie online stellt.....
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