Scheich-Affäre "Eriksson, du bist raus"

Was für ein Kursverlust für Sven-Göran Eriksson. Vorige Woche ging er noch davon aus, dass er wenigstens bis zur WM Trainer der englischen Fußball-Nationalmannschaft sein wird. Viel länger wird es in der Tat auch nicht gehen. Wenn überhaupt.


Hamburg - "Eriksson, du bist raus", titelt "The Sun". Und der "Daily Telegraph" fragt auf der eigenen Internetseite seine Leser, ob Eriksson naiv, dumm oder beides zusammen sei. Der Nationaltrainer wurde heute sechs Stunden lang von Führungskräften des englischen Fußballverbandes FA zu seinen skandalösen Äußerungen gegenüber dem als Scheich verkleideten Reporter von "News of the week" befragt. Der Verband bestätigte danach Medienberichte, wonach Eriksson nach der WM seinen Job als Englands Trainer verlieren wird.

Trainer Eriksson (auf dem Weg zur Anhörung beim Verband): "Er ist nicht mehr willkommen"
REUTERS

Trainer Eriksson (auf dem Weg zur Anhörung beim Verband): "Er ist nicht mehr willkommen"

Auslöser dafür sind die neuen Gesprächsauszüge in "News of the week", in denen der schwedische Fußball-Lehrer Korruptions-Vorwürfe gegen drei englische Premier-League-Clubs erhebt. Die Vereine sollen in illegale Zahlungen bei Spieler-Transfers involviert sein, wird Eriksson zititert.

Für diese Behauptungen hagelt es Kritik aus der englischen Liga. Der "Daily Telegraph" zitiert einen anonymen Vereinschef der behauptet, dass Eriksson ab sofort von keinem Club aus der Premier League mehr Unterstützung erhalten werde. "Niemand aus unserem Verein wird mehr mit ihm reden. Er ist in unserem Vorstandsräumen nicht mehr willkommen", schreibt der Absender an Ligachef Richard Scudamore. Schon vorige Woche war der Vorsitzende von Wigan Athletic, Dave Whelan, deutlich geworden, als er unverblümt Erikssons Rücktritt forderte.

Der Schwede hatte in dem Gespräch mit dem angeblichen Scheich davon gesprochen, dass sich einige Trainer in der Premier League persönlich an Spielertransfers bereichern würden. Drei Clubs seien regelrecht korrupt. Ähnliches hatte aber auch schon Mike Newell behauptet. Der Trainer des Zweitligaaufsteigers Luton Town sagte, dass ihm bei Transferverhandlungen mehrfach Geld von Spielerberatern geboten worden sei.

Eriksson dementierte seine Aussagen nur halbherzig. Wenigstens bemühte er sich zu versichern, dass er nie behauptet habe, dass Premier-League-Vereine grundsätzlich korrupt seien. Auch habe er keine Beweise für illegale Transferzahlungen.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.