Schiedsrichter-Affäre Amerell verklagt Kempter

Nächstes Kapitel in der Schiedsrichter-Affäre: Manfred Amerell wird Michael Kempter und die drei weiteren Referees, die ihm sexuelle Belästigung vorwerfen, verklagen. DFB-Schiedsrichter-Boss Volker Roth steht kurz vor dem Rücktritt.
Ex-Schiedsrichter Amerell: Auftrag zur Klage erteilt

Ex-Schiedsrichter Amerell: Auftrag zur Klage erteilt

Foto: Lukas Barth/ dpa

Hamburg - Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell wird Referee Michael Kempter und drei weitere Schiedsrichter verklagen und bei der Staatsanwaltschaft München I eine Strafanzeige wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung und Verleumdung einreichen. "Herr Amerell hat diesen Auftrag erteilt", bestätigte sein Anwalt Jürgen Langer SPIEGEL ONLINE auf Nachfrage.

Kempter und die drei anderen Unparteiischen beschuldigen Amerell, er habe sie sexuell belästigt. Der 63-Jährige bestreitet die Vorwürfe und will Kempter nicht nur wegen angeblicher Verleumdung und Rufschädigung zivilrechtlich auf Schadensersatz in unbestimmter Höhe verklagen, sondern auch Strafanzeige gegen alle vier Personen stellen.

Im Gegenzug wird mindestens einer der drei bislang anonymen Schiedsrichter, die laut "Kicker" keine Referees der ersten oder zweiten Bundesliga sind, Anzeige gegen Amerell wegen sexueller Belästigung und Nötigung stellen, wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

Seine nun eingeleiteten juristischen Schritte hatte Amerell bereits kurz nach der Gerichtsverhandlung am vergangenen Donnerstag angekündigt, als seine Anwälte und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Vergleich aushandelten. Amerell zog seinen Antrag auf eine einstweilige Verfügung zurück, womit der DFB weiterhin behaupten darf, der ehemalige Funktionär habe Schiedsrichter sexuell belästigt. Dafür bekam Amerell Einsicht in die Akten und erfuhr somit die Namen der Referees, die eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hatten. Mit diesem Wissen, um wen es sich handelt, kann Amerell nun auch juristisch gegen diese Personen vorgehen.

Roth steht vor einem schnellen Abgang

Der Schiedsrichter-Boss des DFB, Volker Roth, zieht offenbar persönliche Konsequenzen aus dem "Fall Amerell". Nach Informationen des Kölner "Express" will Roth noch vor der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag zurücktreten. Eigentlich sollte Roth erst beim DFB-Bundestag im Oktober in Essen nach 15 Jahren als Schiedsrichter-Chef abgelöst werden. Als designierter Nachfolger gilt der ehemalige FIFA-Referee Herbert Fandel.

Der ehemalige Schiedsrichter Franz-Xaver Wack hatte in der vergangenen Woche erklärt, Roth habe seit mindestens fünf Jahren von den Vorgängen um den früheren Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell gewusst, weil er selbst Roth auf Hinweise für Amtsmissbrauch bei Amerell hingewiesen habe. Diese Aussage hatte Roth zurückgewiesen und Wack mit einer Klage gedroht. Roth hatte erst im Januar dieses Jahres auf die Vorfälle reagiert. Nachdem Kempter im Dezember 2009 Vorwürfe gegenüber Amerell an Roth herangetragen hatte, leitete der die Anschuldigungen mit mehrwöchiger Verspätung an DFB-Präsident Theo Zwanziger weiter.

Die Fifa ist derweil auf Distanz zu Kempter gegangen: Er wird vorerst keine Länderspiele pfeifen. Die "Verantwortung bei der Aufarbeitung" liege beim DFB, sagte ein Sprecher des Fußball-Weltverbandes. Die Frage nach einer Ansetzung Kempters bei Länderspielen stelle sich zurzeit aus Fifa-Sicht nicht. Für die WM ist Kempter jedoch ohnehin nicht vorgesehen. Ob der 27-Jährige seine Karriere nach dem Schiedsrichter-Skandal überhaupt fortsetzen wird, ist derzeit fraglich.

ham/aha/sid/dpa
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