Schiedsrichter-Affäre Kempter erst angesetzt und dann zurückgepfiffen

Er darf nicht, er darf doch, er darf doch nicht: Michael Kempter sollte eigentlich am Wochenende ein Drittliga-Spiel pfeifen, obwohl ihn der Deutsche Fußball-Bund vorerst nicht mehr einsetzen wollte. Nach Protesten von Kollegen pfiff der DFB Kempter jetzt wieder zurück.

Schiedsrichter Kempter (im April 2010 vor einem Drittliga-Spiel): Posse um Comeback
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Schiedsrichter Kempter (im April 2010 vor einem Drittliga-Spiel): Posse um Comeback


Hamburg - Eigentlich sollte Kempter am Samstag das Drittliga-Spiel zwischen dem SV Sandhausen und Kickers Offenbach (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) leiten, doch daraus wird nichts. Bis zum Abschluss der internen Aufarbeitung der Affäre um den früheren Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell wird der DFB Kempter nicht mehr ansetzen.

Der Kontrollausschuss des Verbandes und die Schiedsrichterkommission werden jetzt die neuen Vorwürfe Amerells überprüfen - dann wird entschieden, "ob oder in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt werden kann". Amerells Anwalt Jürgen Langer hatte jedem DFB-Präsidiumsmitglied in den vergangenen Tagen eine 13-seitige tabellarische Auflistung zugeschickt. Inhalt: Die vermeintlichen Widersprüche von Michael Kempter bei dessen Aussagen gegen Amerell beim DFB im Februar und bei der Staatsanwaltschaft Augsburg im April.

Das Präsidium beschloss nun zwar auf seiner turnusmäßigen Sitzung einstimmig, den Schriftsatz und die darin zum Ausdruck gebrachten Schadensersatzforderungen in Höhe von insgesamt 150.000 Euro nicht anzuerkennen. Allerdings genügte diese Auflistung, um die Mitglieder im Falle Kempter noch einmal ins Grübeln zu bringen.

Kein Ende der Schlammschlacht in Sicht

Offiziell klingt das so: "Bis zur Klärung des Sachverhaltes wird Michael Kempter nach Absprache zwischen Herbert Fandel, dem Leiter der Schiedsrichterkommission, und Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter des DFB, nicht mehr angesetzt. Durch diese Maßnahme soll gewährleistet werden, dass der Fall mit der nötigen Ruhe möglichst schnell aufgearbeitet werden kann."

DFB-Vizepräsident Rolf Hocke setzte sich damit mit seiner Forderung durch, die schnelle Ansetzung Kempters zu überdenken. Die Personalie hatte bei der Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main für Diskussionen gesorgt. Hocke hatte sich in der "Süddeutschen Zeitung" beklagt, Fandel habe mit der Ansetzung einen Alleingang getätigt. Das höchste Gremium des Verbandes habe bei der WM in Südafrika noch beschlossen, dass Kempter vorerst noch nicht nominiert werden solle.

Bei Amerell sorgte die Ansetzung gar für Empörung. "Man muss fragen, wer mit Kempter unter einer Decke steckt, wenn der mit solcher Gewalt geschützt werden muss. Jetzt zeigt sich, ob die Präsidiumsmitglieder nur Marionetten des Präsidenten und des Herrn Fandel sind", sagte Amerell, der von Kempter und drei weiteren Referees der sexuellen Nötigung bezichtigt wird.

mig/sid



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