Schiedsrichter-Fehler Bayern-Dusel entzündet Debatte über Videobeweis

Kaum rollt wieder der Ball, hat die Bundesliga ihr erstes Streitthema: Ein nicht gegebenes Tor für Hoffenheim gegen die Bayern erhitzt die Gemüter. Alle Beteiligten fordern nun, endlich den Videobeweis im Fußball einzuführen. Sogar der Schiedsrichter der Partie ist dafür.

Hamburg - Gleich zum Start in die neue Saison ist die Diskussion über die Einführung von Torkameras in der Bundesliga neu ausgebrochen. Auslöser war ein Kopfball von Hoffenheims Innenverteidiger Josip Simunic beim 1:1 im Spitzenspiel zwischen 1899 und Bayern München. Der Ball war vom Innenpfosten zurückgeprallt und von Bayern-Keeper Michael Rensing erst deutlich hinter der Torlinie abgewehrt worden. Schiedsrichter Babak Rafati hatte dem Treffer am Samstagabend dennoch die Anerkennung verweigert.

Simunics Kopfball: Hinter der Linie, dennoch kein Tor

Simunics Kopfball: Hinter der Linie, dennoch kein Tor

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

"Wir haben nach dem Spiel gesehen, dass der Ball hinter der Linie war. Somit hätten wir auf Tor entscheiden müssen", sagte Rafati über die krasse Fehlentscheidung und forderte: "In einem solchen Fall sind wir Schiedsrichter dafür, dass zumindest die Hintertorkamera eingeführt wird."

"Der Torwart steht ja hinter der Linie und greift nach hinten. Wir hätten uns schon gewünscht, dass diese Szene richtig entschieden worden wäre", sagte DFB-Lehrwart Eugen Strigel. Seine Schiedsrichter waren zum Liga-Start erstmals mit Headsets angetreten, wovon er sich "eine schnellere und unauffälligere Kommunikation innerhalb des Gespanns" verspricht - was in diesem Fall auch nichts brachte.

Bayern-Torhüter Rensing sagte zu der Situation: "Ich habe zum Schiedsrichter geschaut und gehofft, dass er es nicht gesehen hat."

Der verhinderte Torschütze Simunic nahm die Entscheidung relativ gelassen. "Ich habe mich geärgert, hoffe aber, dass sich so etwas im Laufe der Saison ausgleicht." Zu allem Übel musste sich der Kroate nach dem Match auch noch Sprüche seines Landsmannes Ivica Olic anhören. "Ich habe ihm gesagt: Tor ist, wenn der Ball das Netz berührt", sagte der neue Bayern-Angreifer, der seinen Club in der 25. Minute in Führung gebracht hatte.

Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick sprach sich für den Einsatz von Kameras aus: "Die technischen Voraussetzungen sind ja inzwischen da, um einen Videobeweis in solchen Situationen unkompliziert umzusetzen", sagte Rangnick. In der Pflicht sieht der Coach den Weltverband Fifa - "aber solange der sich nicht dazu durchringen kann, müssen wir uns mit solchen krassen Dingen abfinden".

Unterstützung bekam Rangnick von den Bayern, die von der Fehlentscheidung der Unparteiischen profitiert hatten. "Das sind menschliche Fehler. Deswegen bin ich ein totaler Verfechter der Torkamera", sagte Manager Uli Hoeneß.

Noch deutlicher wurde Münchens neuer Trainer Louis van Gaal. "Es ist absolut lächerlich, dass in unserer modernen Zeit die Technik nicht genutzt wird", sagte der 58-Jährige. "Ich habe schon 1988 damals in den Niederlanden Versuche in diese Richtung gemacht. Aber Fifa und Uefa wollen das nicht. Das sagt alles."

Diese Erfahrung hat auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert gemacht. "Das wäre technisch kein Problem. Wir könnten es bis nächste Woche umsetzen. Aber die Fifa ist dagegen", sagte Seifert am Sonntag im DSF-Doppelpass.

Meistertrainer Felix Magath hält den Verzicht auf Hilfsmittel schlichtweg für fahrlässig. "Es geht hier um Profisport, nicht um Amateure. Da hängen zum Teil Existenzen dran", sagte der Coach des FC Schalke 04. Bei der Uefa hat man inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt, sich jedoch gegen technische Hilfe ausgesprochen. Vielmehr soll in der Gruppenphase der Europa League (Nachfolger des Uefa-Cups) der Einsatz eines fünften und sechsten Offiziellen in der Nähe der beiden Tore getestet werden. "Der Fußball soll menschlich bleiben", begründete Uefa-Präsident Michel Platini die Entscheidung.

Von den deutschen Schiedsrichtern sind Knut Kircher und Michael Weiner an dem Uefa-Experiment beteiligt, doch überzeugt sind sie von einer Aufstockung des Personals nicht. "Auch bei einem Torrichter handelt es sich um einen Menschen, der Fehler machen kann. Wir favorisieren deshalb die Lösung mit einem Chip im Ball", so Schiedsrichter-Lehrwart Strigel.

Auch im Spiel zwischen Aufsteiger FSV Mainz 05 und Bayer Leverkusen (2:2) sorgten zwei Entscheidungen für reichlich Gesprächsstoff. "Wir sind um zwei Punkte beschissen worden", schimpfte Leverkusens Sportchef Rudi Völler. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte ein vermeintliches Foul von Bayer-Zugang Sami Hyypiä an Aristide Bance mit einem Freistoß geahndet, den der Mainzer Daniel Gunkel (81.) zum Endstand verwertete.

"Der Schiedsrichter steht zwei Meter daneben. Außerdem ist Bance drei Meter groß, und Fußball ist kein Schach. Das war niemals ein Freistoß", sagte Völler und regte sich zudem über den nicht anerkannten Treffer von Theofanis Gekas (85.) auf.

Diese Entscheidung Aytekins war auf jeden Fall korrekt: Gekas' Teamkollege Stefan Kießling hatte zuvor ins Spielgeschehen eingegriffen, von passivem Abseits konnte deshalb keine Rede mehr sein.

luk/dpa/sid
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