Aufregung in der Bundesliga Videoschiedsrichter hat Handspielszene übersehen

Videoschiedsrichter Günter Perl hat eingestanden, eine entscheidende Szene am vergangenen Bundesliga-Spieltag nicht gesehen zu haben. Das Handspiel von Hertha-Spieler Karim Rekik sei ihm entgangen.

Videoschiedsrichter bei der Arbeit
Friedemann Kohler/dpa

Videoschiedsrichter bei der Arbeit


Videoschiedsrichter Günter Perl hat nach dem deutlichen Handspiel von Hertha-Profi Karim Rekik eine Fehlentscheidung eingestanden. "Es war fahrlässig von mir", sagte der Unparteiische der "Bild"-Zeitung: "Zeitgleich fand ein potenzielles Foulspiel statt, das wurde von uns überprüft, dabei haben wir das Handspiel übersehen. Ich habe das erst zwei Minuten später auf dem Bildschirm gesehen und gedacht: Schöne Scheiße!"

Rekik hatte den Ball im Spiel der Berliner gegen den VfB Stuttgart (3:1) am vergangenen Samstag beim Stand von 0:0 im Hertha-Strafraum klar mit der Hand gespielt. Videoassistent Perl (München) griff zum Entsetzen der Gäste jedoch nicht ein. "Wenn wir den Videoassistenten schon installieren, hätte er in diesem Moment im Keller online sein müssen", sagte VfB-Interimstrainer Nico Willig. Profi Alexander Esswein sprach vom "klarsten Handspiel der Saison".

Perl verwies darauf, dass die VfB-Spieler auf dem Platz offenbar auch nichts von der regelwidrigen Aktion mitbekommen hatten. "Es gab seitens der Stuttgarter auch keinen Protest", sagte er. Auch deshalb sei die Szene nicht mehr überprüft worden.

Jochen Drees, DFB-Projektleiter Videoassistent, hatte im Aktuellen Sportstudio des ZDF bereits einen Fehler Perls eingeräumt: "Er hat es einfach nicht gesehen", sagte Drees: "Die Situation war unscheinbar, es hat niemand reklamiert."

Die teilweise undurchsichtige Auslegung der Handspielregel sorgt in der Fußball-Bundesliga seit Monaten für Verdruss. Nach mehreren strittigen Szenen kochte die Diskussion am 32. Spieltag besonders hoch.

aha/sid



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ferryh 06.05.2019
1. Es hat auch niemand Handspiel reklamiert
Das Spiel lief weiter, kein Stuttgarter hat protestiert. Der Schiri hat es nicht gesehen, was soll der VAR da sehen? Der schaltet sich ja nur im Zweifelsfall ein. Nach ein paar Minuten hat dann einer in Köln gemerkt, dass da doch ein Handspiel war. Zu spät, um dann alles inkl. Tor zurück zu drehen. Es tut mir echt leid für die Stuttgarter, weil es ein strafbares Handspiel war. Aber man kann ja auch nicht erwarten, dass der VAR sich jede Wiederholung ansieht, oder?
Knecht Rootrecht 06.05.2019
2.
"Es gab seitens der Stuttgarter auch keinen Protest" Na das ist ja eine tolle Aussage. Es mag natürlich stimmen, dass das Handspiel deswegen nicht bemerkt wurde, aber dann können wir ja vermutlich davon ausgehen, dass die Spieler zukünftig in viel mehr Situationen einen riesen Buhei veranstalten, damit der Videoschiedsrichter auch ja genau hinschaut.
BeatDaddy 06.05.2019
3. Da muss man
sich zwangsläufig fragen, wie es die Videoschiedsrichter der UEFA und der FIFA hinbekommen? Bei der letzten WM hat (wenigstens) das super funktioniert. Wie machen die das bloß? Warum nur müssen wir Deutschen immer allen anderen für jede Situation ungefragt Ratschläge geben und bekommen unsere eigenen Dinge einfach nicht geregelt? Der Mann und seine Gehilfen haben nichts anderes zu tun, als Foulspiele und Regelbrüche zu überwachen, aber selbst das bekommen sie nicht hin. Mann-o-meter, sind wir Deutschen peinlich...Schickt den Videoschiri zum BER, soll er dort die Kameras überwachen, da ist nicht soviel los. "Made in Germany" heisst heutzutage eher, das Pannen und eventuelles Komplettversagen mit eingebaut sind, aber denkt daran, es gibt keine Garantie mehr, nur noch Gewährleistung mit Umkehr der Beweislast nach einem halben Jahr...
simsim22 06.05.2019
4.
Aussagen von Perl und Drees die kein Mensch braucht. Wenn keiner reklamiert schauen wir nicht genau hin. Heißt in anderen Worten dieses ständige reklamieren wird positiv gesehen, was ich hingegen lästig finde. Anstatt sich einfach beim VFB zu entschuldigen wurden hier mal wieder die falschen Worte getroffen. Aber ist ja nix neues beim DFB
pr8kerl 06.05.2019
5. Beim Videoschiedsrichter läuft aber auch alles falsch
Die Herren Perl & Co. vom Kölner VAR-Keller kennen wohl die Regeln nicht. Wenn sich ein Spieler wie Boateng mit angelegtem Arm wegdreht und angeschossen wird hat er seine Körperfläche eben nicht mit Absicht vergrößert und die Hand geht eben nicht mit Absicht zum Ball. Nur wenn diese Kriterien erfüllt sind ist auf Handelfmeter zu entscheiden. Bitte nachlesen oder mal einen eigenen SPON-Artikel über die Regeln veröffentlichen. Bei Herthas Rekik war das ganz klar Handspiel: Die Hand war nicht am Körper und seine Hand geht zum Ball. Eindeutiger geht es nicht. Das war Absicht, wie einst bei Maradona. Vorschlag: Warum beschränkt sich der VAR nicht auf zwei Aktionen: Handspiel und grobe Fouls? Der Rest geht den VAR nichts an.
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