Schiedsrichter-Panne Lachnummer in Schwarz und Gelb

Graham Poll hat mit einer kuriosen Fehlentscheidung bei der WM für ein Novum gesorgt. Der englische Unparteiische gab einem Kroaten im Spiel gegen Australien drei gelbe Karten. Dafür erntete er heftige Kritik von Fifa-Präsident Blatter. Jetzt droht ihm das WM-Aus.
Von Gunnar Vogt

Hamburg - Im entscheidenden Vorrundenspiel der Gruppe F zwischen Australien und Kroatien (2:2) zeigte der erfahrene Fifa-Schiedsrichter Graham Poll gestern Abend dem kroatischen Verteidiger Josip Simunic insgesamt drei gelbe Karten. Nachdem er den Bundesliga-Profi von Hertha BSC bereits in der 62. Minute verwarnt hatte, hätte die zweite gelbe Karte in der 90. Minute den Regeln entsprechend zum Platzverweis führen müssen. Erst in der dritten Minute der Nachspielzeit musste Simunic dann wegen Meckerns mit der Ampel-Karte vom Platz.

"Das kann ich nicht verstehen, und das kann ich auch nicht verzeihen. Da sind fünf Schiedsrichter bei einem Spiel, von denen vier per Funk verbunden sind. Ich kann nicht nachvollziehen, dass sich keiner eingeschaltet hat", sagte Fifa-Präsident Sepp Blatter. Weder Poll noch seine Assistenten an der Seitenlinie, mit denen er über ein Headset kommunizieren kann, bemerkten den Fauxpas.

Im Gegensatz zu Australiens Stürmer Mark Viduka. "Ich habe Poll gefragt, wie viele Karten Simunic bekommen hat. Er sagte, nur eine. Es sah so aus, als hätte er sich vertan", sagte der 30-Jährige, der den Unparteiischen allerdings in Schutz nahm: "Jeder macht Fehler. Poll ist ein Top-Schiedsrichter. Ich werde nichts gegen ihn sagen."

Diese Milde dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass Polls Fehlentscheidung keine Folgen für die Australier hatte. Noch als Kroatien mit elf Mann spielte, gelang den "Socceroos" der umjubelte Ausgleich. Nach der Niederlage Japans gegen Brasilien (1:4) bedeutete das Remis den Einzug ins Achtelfinale am Montag gegen Italien (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Kroatien allerdings muss nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

Nach Meinung des ehemaligen Premier-League-Schiedsrichters Jeff Winter dürfte auch für Poll, der schon zwei weitere Gruppenspiele gepfiffen hatte, die WM bald beendet sein. "Wenn er den gleichen Spieler dreimal verwarnt hat, wird er sicherlich in Kürze im Flugzeug zurück nach England sitzen", sagte Winter der BBC. Auch Blatter denkt bereits an Konsequenzen: "Ich denke, dass die Schiedsrichter-Kommission soviel Fingerspitzengefühl hat, um eine richtige Entscheidung zu treffen."

Schon 2002 bei der WM in Südkorea und Japan durfte Poll ein Spiel der Kroaten leiten. Beim Vorrundenerfolg gegen Italien (2:1) zog er sich den Unmut der Verlierer zu, nachdem er ihnen zwei Treffer aberkannt hatte. Die italienischen Spieler beschimpften Poll daraufhin als "Dorf-Schiedsrichter". Für ein weiteres WM-Spiel nominierte ihn die Fifa daraufhin nicht mehr.

Poll hatte also schon Erfahrung mit dem strikten Regiment der Fifa. "Wenn du einen großen Fehler machst, wird es dein letztes Spiel sein", hatte er bereits vor der WM in Deutschland gesagt. Schon vor seiner ominösen Karten-Vergabe im Australien-Spiel sorgte Poll für umstrittene Entscheidungen. Nach einem Foul an Viduka und einem absichtlichen Handspiel des kroatischen Verteidigers Stjepan Tomas im Strafraum verweigerte er jeweils den fälligen Strafstoß.

Auch der deutsche Fifa-Referee Markus Merk hat sich mit einer Fehlentscheidung nicht gerade für weitere Einsätze in der morgen beginnenden K.o.-Runde empfohlen. Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe E zwischen Ghana und den USA (2:1) sprach er den Afrikanern zu Unrecht einen Elfmeter zu. Diesen nutzten die Ghanaer zum entscheidenden Treffer, der den Einzug ins Achtelfinale endültig besiegelte - die USA schieden aus.

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