Schiri-Debatte Schelte für die Männer an der Linie

Die umstrittenen Entscheidungen der Bundesliga-Referees hatten in jüngster Zeit für reichlich Aufregung gesorgt. Auch innerhalb der schwarzen Zunft wird eifrig debattiert. Auf der jüngsten Tagung der DFB-Unparteiischen wurde vor allem den Assistenten der Kopf gewaschen.


Linienrichter im Einsatz: "Mehr Mut, aber nicht übermotiviert"
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Linienrichter im Einsatz: "Mehr Mut, aber nicht übermotiviert"

Frankfurt am Main - Volker Roth stellt den Schiedsrichter-Assistenten in der Fußball-Bundesliga ein schlechtes Zwischenzeugnis aus. Die Männer an der Linie müssten künftig mehr Laufbereitschaft und Entscheidungsfreude zeigen sowie insgesamt mehr Verantwortung übernehmen, forderte der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses.

"Sie brauchen mehr Mut, dürfen aber nicht übermotiviert sein", brachte es Roth auf den Punkt. Wer dem Druck, Linienrichter zu sein, nicht standhielte, sollte seinen Posten künftig zur Verfügung stellen. Die 22 Schiedsrichter-Assistenten waren nachträglich zur turnusmäßigen Tagung am Dienstag in die DFB-Zentrale nach Frankfurt am Main zitiert worden.

"Er ist furchtbar geknickt"


Bei dem Treffen kam es auch zu der angekündigten Aussprache mit Giuseppe Palilla. Der Schiedsrichter-Assistent aus Spaichingen hatte am vergangenen Samstag beim Bundesligaspiel Hannover gegen Dortmund (0:3) fälschlicherweise ein Handspiel im Strafraum der 96er angezeigt und Schiedsrichter Hermann Albrecht damit zu einer Fehlentscheidung animiert. "So etwas darf sich nicht wiederholen", forderte Roth. Man werde nicht zur Tagesordnung übergehen, wolle Palilla aber auch nicht verdammen. "Er ist furchtbar geknickt und muss wieder aufgebaut werden", sagte Roth.

Zufrieden ist Roth hingegen mit den Entscheidungen der Schiedsrichter bei den "Würgegriff-Attacken" von Nationalmannschaftskapitän Oliver Kahn und Hannovers Verteidiger Dame Diouf. "Ich denke, dass beide Unparteiischen richtig gelegen haben", sagte Roth und wollte von einem "Nationalspieler-Bonus" nichts wissen. Kahn hatte nach seiner Catcheinlage gegen Leverkusens Thomas Brdaric von Schiedsrichter Hellmut Krug (Gelsenkirchen) lediglich die Gelbe Karte gesehen, während Diouf nach seinem Würgegriff gegen Dortmunds Sebastian Kehl vom Platz gestellt wurde.

Fernsehbeweis abgelehnt


Trotz der teilweise heftigen Diskussionen in den vergangenen Wochen wird ein Fernsehbeweis von den Referees weiterhin abgelehnt. "Fifa-Präsident Sepp Blatter hat ja bereits angekündigt, dass es dazu unter seiner Führung nicht kommen wird. Das finde ich richtig", unterstrich Roth, "es garantiert doch niemand, dass ein TV-Bild aus einer bestimmten Blickrichtung immer auch die Realität zeigt."

Zur Fehleranalyse werden TV-Bilder jedoch herangezogen. 33 Situationen aus Bundesligaspielen, zusammengestellt von DFB-Lehrwart Eugen Strigel, wurden am Dienstag aufgearbeitet. Schwerpunkte waren strittige Abseits- und Strafstoßentscheidungen.



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