Schlechter als Sambia Vogts in Schottland fast am Ende

Berti Vogts gerät als Trainer der Schotten zunehmend zwischen die Fronten. Weil in der Fifa-Rangliste inzwischen auch Teams wie Guatemala und Sambia an Schottland vorbeigezogen sind, fordern weite Teile der Presse, Fans und Ex-Spieler den Rücktritt von Vogts. Mannschaft und Verband stehen (noch) hinter dem Deutschen.


Schottischer Nationalcoach Berti Vogts: "Sein Englisch ist miserabel"
DPA

Schottischer Nationalcoach Berti Vogts: "Sein Englisch ist miserabel"

Glasgow - "Wir schauen uns nicht nach einem neuen Trainer um. Ein Wechsel ist keine Garantie dafür, dass unsere Mannschaft erfolgreicher wird", sagte der schottische Verbandschef David Taylor nach dem 1:1 in der WM-Qualifiaktion in Moldawien. Nach dem schwachen Auftritt beim 113. der Weltrangliste liegt die Vogts-Elf (Rang 68) in der Gruppe 5 mit zwei Punkten aus drei Spielen auf dem vorletzten Tabellenplatz. "Meine Spieler haben alles gegeben. Doch es reichte nicht und ich bin sehr unglücklich über das Resultat", beklagte sich auch Vogts nach dem enttäuschenen Resultat.

Dennoch wird die Kritik am ehemaligen Trainer der deutschen Nationalmannschaft immer lauter. Der frühere schottische Kapitän John Collins sieht in Vogts den Hauptschuldigen für die ausbleibenden Erfolge. Nach Meinung von Collins habe es von Beginn der Vogts-Ära ein Kommunikationsproblem in der Nationalelf gegeben: "Sein Englisch ist miserabel. Ein Trainer aber muss seine Spieler erreichen, muss ihr Denken und ihre Motivation verstehen."

Rückendeckung vom Kapitän

Auch die schottische Presse fordert den Rauswurf des deutschen Trainers. "Moldawien ist das Ende von Vogts", titelte "The Herald", während die renommierte Zeitung "Scotsman" befand: "Vogts hat das Ende der Strecke erreicht." Vogts selbst beteuerte, dass er nicht aufgeben werde. Auch der Negativ-Rekord von 16 Niederlagen in 32 Spielen kann den Weltmeister von 1974 bislang nicht umstimmen.

Immerhin stehen die Mannschaft und der Verband noch hinter Vogts. Kapitän Barry Ferguson beschwerte sich über die üblen Fan-Beschimpfungen nach dem Spiel in Moldawien gegen seinen Trainer. "Ich denke, die Pöbeleien, die sich Berti anhören musste, waren unfair und weit überzogen", so der Mittelfeldspieler der Blackburn Rovers, "natürlich war das Ergebnis eine Enttäuschung. Aber die Jungs haben nie aufgegeben und wir stehen alle hinter Berti Vogts."

Dennoch wird sich auch der schottische Fußballverband (SFA) Gedanken machen, wie es in Zukunft weiter geht. Schottland bestreitet erst im März 2005 das nächste WM-Qualifikationsspiel und tritt im November lediglich zu einem Freundschaftsspiel gegen Schweden an. Das elfköpfige SFA-Präsidium trifft sich planmäßig in drei Wochen wieder, könnte aber jederzeit eine kurzfristige Krisensitzung einberufen.

Strachan als Nachfolger vorgeschlagen

"Guatemala und Sambia stehen inzwischen im Fifa-Ranking höher als wir", klagt Ex-Nationalverteidiger Gordon McQueen, "anstatt, dass es aufwärts geht, wird alles nur noch schlimmer. Ich denke, ein anderer könnte mit dem vorhandenen Spielerkader wesentlich erfolgreicher sein."

Gordon Strachan, der ehemalige Coach von Coventry und Southampton, wird deshalb von vielen als möglicher Vogts-Nachfolger gehandelt. "Strachan hat bereits bewiesen, dass er mit unterlegenen Teams Erfolge feiern konnte und seine Spieler zu Höchstleistungen anregen kann", ließ Collins Wissen, "genauso jemanden braucht der schottische Fußball in diesem Augenblick."



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