Schlechteste Mannschaft der Welt Sie können es also doch

Jahrelang vergeigten sie ein Spiel nach dem anderen, bis jetzt: Vor wenigen Tagen erzielte die Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa den ersten Sieg ihrer Geschichte - gegen Tonga. Die Fußballer haben nun offenbar einen Lauf, gegen die Cook-Inseln erkämpften sie immerhin ein Remis.
Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa: Grenzenloser Jubel nach dem erstem Sieg

Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa: Grenzenloser Jubel nach dem erstem Sieg

Foto: dapd/ FFAS

Hamburg - Die schlechteste Mannschaft der Welt ist plötzlich auf Erfolgskurs. Am Dienstag erkämpfte Amerikanisch-Samoa den ersten Pflichtspielsieg in der Geschichte der Insel, die Fußballer und die ganze Nation feierten emphatisch das 2:1 gegen Tonga. Und die Glückssträhne hält offenbar an: Denn jetzt hat sich das Team von Trainer Thomas Rongen auch noch ein 1:1-Unentschieden gegen die Cook Inseln gesichert - immerhin.

Für Amerikanisch-Samoa ist das eine Sensation. Zuvor hatte die Mannschaft des Inselstaats in insgesamt 30 offiziellen Partien seit der Anerkennung durch den Fußballweltverband Fifa vor 17 Jahren keinen einzigen Punkt geholt. Die Bilanz: 30 Niederlagen bei einer Tordifferenz von 12:229 Treffern. Unter anderem kassierte das Team in der Qualifikation für die WM 2002 in Japan und Südkorea die höchste Niederlage, die je eine Mannschaft in einem offiziellen Länderspiel einstecken musste. Amerikanisch-Samoa unterlag Australien 0:31.

Doch nun scheint auf einmal alles möglich. Denn im Spiel gegen die Cook-Inseln hätte es statt zum Unentschieden fast sogar zum zweiten Sieg in Folge gereicht: Shalom Luani hatte Amerikanisch-Samoa nach einer Stunde in Führung gebracht. Nur ein Eigentor führte schließlich zum - immer noch erbaulichen - Endstand von 1:1.

"Ich hatte nie ein schlechteres Team gesehen"

Zwei Spiele ohne Niederlage, von so etwas hatte Trainer Rongen vor kurzem kaum zu träumen gewagt. "Vor meiner Ankunft hier hatte ich nie ein schlechteres Team gesehen", sagte der aus den Niederlanden stammende Trainer der "New York Times". In der aktuellen Fifa-Weltrangliste wird Amerikanisch-Samoa zusammen mit Andorra und Montserrat auf dem 204. und damit letzten Platz geführt. Das könnte sich nach dem Sieg gegen Tonga und dem Unentschieden gegen die Cook-Inseln nun ändern.

Der Sieg gegen Tonga hatte für die Bewohner von Amerikanisch-Samoa eine wahrhaft historische Dimension. Der kleine Inselstaat im Pazifik hat 58.000 Einwohner, wird international kaum wahrgenommen. Umso begeisterter jubelten die Fans, als Ramin Ott und Shalom Luani im Joseph-S.-Blatter-Stadion von Apia den historischen Sieg herbeischossen.

"Ich fühle mich wie ein Champion. Nun kann ich endlich die Vergangenheit vergessen", sagte Torhüter Nicky Salapu. Der 33-Jährige, der beim österreichischen Fünftligisten SC Mauerbach spielt, stand schon bei der historischen Klatsche gegen Australien im Tor.

Kurz vor Salapu verteidigt bei Amerikanisch-Samoa Johnny Saelua. Das Außergewöhnliche: Der Defensivspieler ist eine sogenannte Fa'afafine. Ein Mann, der in seiner Familie wie eine Frau erzogen und behandelt wird. "Ich habe wirklich eine Frau auf der zentralen Defensivposition. Das wäre in England oder Spanien kaum vorstellbar", sagte Rongen nach dem Sieg.

In der Tabelle der Ozeanien-Gruppe liegt Amerikanisch-Samoa nun hinter Samoa auf Platz zwei - vor den Cook-Inseln und Tonga. Falls Amerikanisch-Samoa die erste Phase der Qualifikation übersteht, warten danach Gegner wie Vanuatu, Neu- Kaledonien und Tahiti.

Ein Scheitern würde der Mannschaft auf dem Inselstaat aber wohl kaum jemand übelnehmen. Alles was jetzt noch kommt, wäre reine Zugabe.

mib/dpa
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