Schleudersitz Ahlen Stefan Kuntz hat ausgespielt

Vergangene Woche noch hatte Ahlens Präsident Helmut Spikker seinem Trainer Stefan Kuntz ewige Treue geschworen. Nun hat sich der abstiegsbedrohte Fußball-Zweitligist doch vom Europameister getrennt. Kuntz’ Bilanz war allerdings auch alles andere als überragend.


Stefan Kuntz: Kurzes Gastspiel bei LR
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Stefan Kuntz: Kurzes Gastspiel bei LR

Ahlen - "Menschlich gesehen tut uns die Trennung von Kuntz leid. Aber sie war auf Grund unserer sportlichen Situation unumgänglich", sagte Ahlens zweiter Vorsitzender Hans-Jürgen Gosda am Freitag. Damit sorgte der Tabellenletzte gut eine Woche nach dem Aus von Eugen Hach bei der SpVgg Greuther Fürth für den insgesamt zweiten vorzeitigen Trainerwechsel der laufenden Zweitliga-Saison.

Kuntz war bereits der siebte Coach im vierten Zweitliga-Jahr der Ahlener. Wer die Nachfolge des 25-maligen Nationalspielers antreten wird, ist noch nicht entschieden. Die Clubverantwortlichen wollen in den nächsten zwei Wochen einen neuen Coach präsentieren. Vorerst werden die ehemaligen LR-Spieler Reinhold Daschner und René Hecker das Training leiten. "Sie können das Wir-Gefühl bei den Profis wecken. In dieser Mannschaft steckt genug Charakter, damit es wieder aufwärts geht", sagte Gosda.

Kuntz auch beim KSC und in Mannheim erfolglos

Als Nachfolger von Werner Lorant war Kuntz zu Saisonbeginn nach Ahlen gekommen. Aus den bisherigen zwölf Spielen holte LR allerdings nur zehn Zähler. In den zurückliegenden sieben Punktspielen gelang dem Team lediglich ein Sieg. Auch bei seinen vorherigen Stationen als Trainer blieb Kuntz erfolglos: Beim Karlsruher SC war der 41-jährige Ex-Profi des 1. FC Kaiserslautern im September 2002 vorzeitig abgelöst worden, mit Waldhof Mannheim stieg er diesen Sommer aus der zweiten Liga ab.

Wie erwartet, entpuppte sich der Treueschwur von Präsident Spikker als Lippenbekenntnis. Der Mäzen hatte noch in der vorigen Woche eine Abkehr von den bisherigen Rauswurf-Praktiken in Aussicht gestellt, von einem Richtungswechsel gesprochen und Kuntz mit der markanten Aussage "bis dass der Tod uns scheidet" demonstrativ den Rücken gestärkt. Stattdessen sollten die formschwachen Profis mehr in die Pflicht genommen werden. Jetzt erwischte es doch den Trainer.



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