Schlusslicht Gladbach Coach Frontzeck muss um Job fürchten

Für Cheftrainer Michael Frontzeck wird es eng. Das Gladbacher Team ergab sich beim FC St. Pauli fast kampflos der Niederlage. Von der Vereinsführung erhielt der erfolglose Frontzeck nicht mehr die sonst übliche öffentliche Rückendeckung.
Von Clemens Gerlach
Gladbacher Trainer Frontzeck: "Wir schießen uns immer wieder selbst ins Knie"

Gladbacher Trainer Frontzeck: "Wir schießen uns immer wieder selbst ins Knie"

Foto: Joern Pollex/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - "Wir werden das Spiel und die gesamte Situation analysieren, aber nicht in der Öffentlichkeit", verkündete Sportdirektor Max Eberl am Samstag lapidar. Der ehemalige Borussen-Spieler hatte sich zuvor auch nach Niederlagen immer für Frontzeck ausgesprochen.

Einsilbig zeigte sich auch Vizepräsident Rainer Bonhof, als er auf Frontzecks Verbleib angesprochen wurde: "Ich muss das Spiel jetzt erst einmal sacken lassen, kann dazu noch nichts sagen."

Dass die Gladbacher Verantwortlichen am Samstag ein deutliches Bekenntnis zu Frontzeck scheuten, ist kein Zufall. Eberl und Bonhof haben gemerkt, dass die Gladbacher Mannschaft fast teilnahmslos dem dritten Abstieg nach 1999 und 2007 entgegentaumelt. Am Hamburger Millerntor zeigte die Borussia keinen Einsatz und verlor beim engagierten, aber keinesfalls überragenden Tabellen-12. vollkommen zu Recht 1:3 (1:1).

Frontzeck, dessen Team nach Abschluss des 22. Spieltags sieben Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenplatz haben wird, zeigte sich nach der 14. Saisonniederlage ratlos. "Die Situation ist mehr als kritisch für uns. Wir müssen jetzt keine großen Reden schwingen, sondern Arbeit, Kampf und Leistung zeigen."

Gladbach hatte schnell geführt, sich dann jedoch selbst geschwächt. Torschütze Igor de Camargo ließ sich nach 21 Minuten zu einer Tätlichkeit gegen FC-Mittelfeldspieler Matthias Lehmann hinreißen, der ihn zuvor hart gefoult hatte. "Ich habe das Vergehen als rotwürdig angesehen und ihn deshalb des Feldes verwiesen", sagte Schiedsrichter Wolfgang Stark.

Von Gladbacher Seite gab es keinen Widerspruch. "Fußball ist ein emotionaler Sport, aber in solchen Situationen muss man die Nerven behalten", sagte Frontzeck, "wir schießen uns immer wieder selbst ins Knie." Eberl ergänzte: "Igor darf nicht so dahingehen. Wenn er wegbleibt, kassiert Lehmann die Gelbe Karte und damit hat sich die Sache."

In Unterzahl kassierte die hilflose Gladbacher Mannschaft noch drei Treffer. "Wir hatten uns in der Halbzeitpause vorgenommen, mehr Struktur in unser Spiel zu bekommen, haben das aber leider nicht geschafft", sagte Eberl.

Für Gladbach war es die zweite Niederlage nacheinander gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Eine Woche zuvor hatte Gladbach gegen Stuttgart zu Hause 2:3 verloren. Das Team verspielte dabei einen 2:0-Vorsprung. Schon damals war Frontzeck dafür kritisiert worden, die Mannschaft nicht ausreichend genug für entscheidende Spiele motivieren zu können.

Frontzeck, der mit Aachen aus der ersten Liga abgestiegen ist und in Bielefeld wegen Erfolglosigkeit einen Spieltag vor Ende der Saison 2008/2009 gefeuert wurde, ist seit 1. Juli 2009 Cheftrainer der Borussia.

Der Vertrag des 46-Jährigen läuft bis 30. Juni 2013, enthält aber die in der Branche übliche Regelung für den Fall der vorzeitigen Trennung. Die Abfindung soll eine Million Euro betragen. Selbst hinwerfen will Frontzeck nicht: "Ich schließe einen Rücktritt aus."

FC St. Pauli - Borussia Mönchengladbach 3:1 (1:1)
0:1 de Camargo (9.)
1:1 Kruse (37.)
2:1 Asamoah (53.)
3:1 Lehmann (58.)
St. Pauli: Kessler - Thorandt, Zambrano, Gunesch, Volz - Boll (67. Daube), Lehmann - Kruse, Takyi (73. Sukuta-Pasu), Bartels - Asamoah (80. Ebbers). - Trainer: Stanislawski
Gladbach: Heimeroth - Levels, Nordtveit, Stranzl, Daems - Fink, Neustädter - Herrmann (46. Marx), Idrissou - de Camargo, Hanke (73. Matmour). - Trainer: Frontzeck
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 24.487 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lehmann (4) / Idrissou (2)
Rote Karte: de Camargo (Gladbach, 21.) nach einer Tätlichkeit

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